Brüssel - Der Vorwurf wog schwer: Drei Jahre lang hielten die drei führenden Waschmittelproduzenten Europas, Procter & Gamble
, Unilever
und Henkel
, die Preise durch Absprachen künstlich hoch. Nun bekommen zwei Konzerne von der EU-Kommission dafür die Quittung. Die Wettbewerbshüter verhängten eine Geldbuße in Höhe von insgesamt 315 Millionen Euro.
Die höchste Strafe entfällt auf Procter & Gamble (Ariel, Lenor) mit 211 Millionen Euro, Unilever (Coral) muss 104 Millionen Euro überweisen. Beiden Firmen wurde die Strafe ermäßigt, weil sie geständig waren und der Kommission bei der Aufklärung des Falls halfen.
Glimpflich kam der Düsseldorfer Konzern Henkel (Persil, Weißer Riese) davon. Ihm erließ die EU-Behörde die Strafe, weil er Europas Wettbewerbshüter über das Kartell informiert hatte. Drei Jahre lang hatte sich Henkel laut Kommission an den verbotenen Absprachen beteiligt. Im Jahr 2008 packte der Konzern dann aber aus und legte die Praktiken des Kartells offen.
Die Strafen gehören nun zu den 20 höchsten, die die EU-Kommission je verhängt hat. Unrühmlicher Spitzenreiter ist der französische Industriekonzern Saint-Gobain. Dieser musste 2008 knapp 900 Millionen Euro zahlen. Der deutsche Energieriese E.on wurde 2009 wegen der Beteiligung an einem Gaskartell zur bislang zweithöchsten Strafe verurteilt und musste rund 550 Millionen Euro zahlen.
"Sie alle kennen die betroffenen Marken"
Die Absprachen galten für Vollwaschmittel-Pulver für die Maschinenwäsche und betrafen acht Länder. Neben Deutschland waren dies Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und die Niederlande. Der Markt in diesen Ländern umfasst etwa eine halbe Milliarde Kunden und ist hart umkämpft.
Das Kartell garantierte den Konzernen gute Einnahmen. "Sie verlangten von den Verbrauchern Preise, die höher sind, als wenn der Wettbewerb ordnungsgemäß funktioniert", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Er verriet nicht die Höhe des Gewinns, den die Konzerne mit ihrer geheimen Absprache eingefahren hatten. Er hoffe, die nun verhängte Strafe erweise sich als "abschreckend genug", sagte Almunia.
Bei welchen Marken sich die Konzerne absprachen, sagte er ebenfalls nicht. "Aber sie sind alle an prominenter Position im Supermarkt-Regal zu finden. Ich bin mir sicher, Sie alle kennen die betroffenen Marken", erklärte der Kommissar.
Die hohe Summe der Strafen begründete die EU mit den hohen Umsätzen der Konzerne, dem hohen gemeinsamen Marktanteil und dem "besonders gravierenden Charakter" des Vergehens. "Die Firmen wollten ihre Marktanteile halten und vereinbarten, die Preise nicht zu senken, selbst wenn sie die Verpackung verkleinerten", sagte Almunia. Verbraucher und Haushalte seien massiv geschädigt worden.
Statt Umweltschutz gab es Preisabsprachen
Das Kartell begann laut EU im Januar 2002 und hielt bis März 2005. Den ersten Kontakt hätten die Firmen bei einer vom Fachverband organisierten europäischen Initiative für umweltfreundliche Waschmittel aufgenommen. "Für den Umweltschutz waren Preisabsprachen oder andere wettbewerbswidrige Verhaltensweisen jedoch nicht erforderlich", sagte Almunia.
Es ist bereits die dritte Kartellentscheidung der Kommission in diesem Jahr. Absprachen zum Schaden von Verbrauchern und Unternehmen sind in der EU streng verboten. Die Kommission kann Unternehmen mit bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes bestrafen. Almunia warnte Unternehmen sämtlicher Geschäftsfelder, diese "sollten sich nicht der Illusion hingeben, dass die Kommission ihren unnachgiebigen Kampf gegen die Kartelle nicht fortsetze".
In Deutschland zeigen sich die Preiswächter ebenfalls hart. Das Bundeskartellamt hatte kürzlich Bußgelder in Höhe von insgesamt 38 Millionen Euro gegen die Firmen Kraft, Unilever und Dr. Oetker verhängt, weil sie Infos über Preiserhöhungen ausgetauscht hatten.
mmq/dpa/AFP
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