Produktionsverlagerung Nokia opfert rumänisches Werk

Diese Nachricht weckt böse Erinnerungen: Nokia schließt sein Handywerk in Rumänien - und streicht weltweit 3500 Stellen. Der Konzern hatte erst vor drei Jahren den Standort Bochum dichtgemacht und die Produktion nach Osteuropa verlagert. Nun ist es dem Unternehmen offenbar auch dort zu teuer.

Nokia-Mitarbeiter in Rumänien: 60 Millionen Euro investiert
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Nokia-Mitarbeiter in Rumänien: 60 Millionen Euro investiert


Espoo/Bukarest - Billig, billiger, am billigsten: Nach diesem Prinzip hat der finnische Handyhersteller Nokia Chart zeigen in den vergangenen Jahren seine Produktionsentscheidungen getroffen und Tausende Stellen gestrichen. Jetzt geht es genauso weiter: Der Konzern macht sein Werk in Rumänien dicht. Allein dort fallen 2200 Jobs weg. Weltweit sind weitere 1300 Stellen von einem Umbau der Software-Entwicklung betroffen. In diesem Bereich wird auch der Standort Bonn geschlossen, teilte das Unternehmen mit.

Für die ehemaligen Nokia-Mitarbeiter in Bochum muss die Nachricht aus Rumänien bitter sein: 2008 gingen ihre Arbeitsplätze verloren, weil die Handy-Produktion in die Nokia-Fabrik im rumänischen Jucu nahe der Stadt Cluj verlagert wurde. Dort wurden Handys aus importierten Fertigteilen zusammengesetzt. Genau dieser Standort soll nun ebenfalls geschlossen werden.

Die Schließung der Produktion in Bochum mit insgesamt mehr als 3000 Mitarbeitern hatte in Deutschland zu heftiger Kritik und Protesten geführt. Nokia hatte die Entscheidung unter Hinweis auf zu hohe Produktionskosten ausgerechnet kurz nach einem Milliardengewinn verkündet - und damit noch größere Proteststürme ausgelöst.

Entscheidung bereits im Februar getroffen

Nun zieht die Karawane erneut weiter - offenbar ist es dem finnischen Unternehmen nun auch in Rumänien zu teuer. Die Fabrik dort soll nun geschlossen werden, da sich der Markt für Basis-Handys und auch die Lieferkette inzwischen nach Asien verlagert hätten, sagte ein Nokia-Sprecher.

Europa und speziell Deutschland blieben für Nokia aber ein wichtiger Standort für Forschung und Entwicklung. So hält Nokia daran fest, dass Berlin neben Boston und Chicago ein zentraler Standort für die Dienstleistungssparte Location & Commerce ist. Deshalb gehe Nokia davon aus, dass die Mitarbeiterzahl in Deutschland auf längere Sicht steigen werde, sagte der Sprecher.

Nokia habe die Entscheidung zur Werksschließung in Rumänien bereits im Februar getroffen, sagte der Vorsitzende des Regionalparlaments in Cluj, Alin Tise, unter Berufung auf das Nokia-Management. Die Fabrik in Rumänien solle Ende Dezember geschlossen werden, die Angestellten würden ihr Gehalt aber bis März 2012 bekommen.

Nokia verliert zunehmend Marktanteile

Nokia muss mit dem Schritt Konsequenzen aus dem drastischen Bedeutungsverlust der vergangenen Monate ziehen. In Westeuropa werden inzwischen immer mehr Smartphones statt einfacher Handys gekauft. Und bei den Computer-Telefonen hatte Nokia in den vergangenen Jahren massiv an Gewicht verloren. Der Wandel geht schnell, der Markt für Basis-Telefone bröckelt. Die Einfach-Handys werden die Finnen vor allem in sogenannten Wachstumsmärkten wie Indien, Afrika oder China los - und dafür die Bauteile erst nach Rumänien zu verschiffen, macht überhaupt keinen Sinn.

Allerdings verliert Nokia auch bei den einfachen Telefonen Marktanteile an Konkurrenten wie Samsung Chart zeigen oder LG sowie an neue chinesische Produzenten. Insgesamt fiel der Marktanteil des langjährigen Handy-Spitzenreiters im zweiten Quartal nach Zahlen des Marktforschers Gartner auf 22,8 Prozent - ein Jahr zuvor waren es noch 30,8 Prozent.

Im kommenden Jahr wollen die Finnen mit neuen Geräten auf Basis des Microsoft-Systems Windows Phone wieder in die Offensive gehen und verlorenes Terrain im zukunftsträchtigen Smartphone-Geschäft aufholen. Marktbeobachter trauen den Partnern einen stabilen Marktanteil von einem Fünftel des Smartphone-Geschäfts zu. Eine zentrale Rolle spielen dabei auch Dienste wie Navigation, für die Nokia unter anderem ein Kompetenzzentrum in Berlin hat.

Bisher ist das mobile Microsoft-Betriebssystem allerdings ein Ladenhüter, es läuft erst auf rund einem Prozent der verkauften Computer-Telefone. Währenddessen teilen die Google-Plattform Android und Apple mit seinem iPhone den lukrativen Markt weitgehend unter sich auf.

yes/dpa

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insgesamt 205 Beiträge
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Seite 1
carlo1402 29.09.2011
1. Langsames Sterben
Naja, Nokia ist eh so gut wie tot. Wer laufend Trends verschläft überlebt halt selten. Mal sehen ob die noch die Kurve bekommen.
king_pakal 29.09.2011
2. ^^
Zitat von sysopDiese Nachricht weckt böse Erinnerungen: Nokia schließt sein Handywerk in Rumänien - und streicht weltweit*3500 Stellen.*Der Konzern hatte erst vor drei Jahren den Standort Bochum geopfert und die Produktion nach Osteuropa verlagert. Nun ist es dem Unternehmen offenbar auch dort zu teuer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789110,00.html
Bitte nicht vergessen die rechtswidrig einkassierten Subventionen zurückzahlen. Sowohl an Deutschland für Bochum, als auch an die EU für den Standort in Rumänien.
sub_zero 29.09.2011
3. Nie wieder Nokia
Seit dem Fall Bochum kaufe ich konsequent keine Nokia Handys mehr, auch wenn einige im Kollegen- und Bekanntenkreis das nicht nachvollziehen können.
christiane006, 29.09.2011
4. unmoralisch.
Zitat von sysopDiese Nachricht weckt böse Erinnerungen: Nokia schließt sein Handywerk in Rumänien - und streicht weltweit*3500 Stellen.*Der Konzern hatte erst vor drei Jahren den Standort Bochum geopfert und die Produktion nach Osteuropa verlagert. Nun ist es dem Unternehmen offenbar auch dort zu teuer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789110,00.html
das ist das schöne neue Europa. Die Firma nutzen die Vorteile, die Arbeitnehmer werden ausgenutzt und weggeworfen. Da wissen wir gerade jetzt, wofür wir kämpfen.
XRay23 29.09.2011
5. Hmm...
Rumänien mittlerweile zu teuer? Dann kommen die jetzt wohl wieder nach Deutschland zurück... ;)
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