Preismanipulation Die Goldsuche der Libor-Jägerin

Einst half sie, die Manipulation des Geldmarktsatzes Libor aufzudecken. Nun legt Rosa Abrantes-Metz eine Studie über Betrug am Goldmarkt vor. Ihr Verdacht: Banker sollen den Preis des Edelmetalls über mehr als zehn Jahre manipuliert haben.

Irgendwo in London: Dort soll der Goldpreis manipuliert worden sein
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Irgendwo in London: Dort soll der Goldpreis manipuliert worden sein


Hamburg - 2008 gelang ihr der erste Streich - Rosa Abrantes-Metz legte mit einer Studie den Grundstein dafür, dass 2012 die Manipulation des Geldmarktsatzes Libor aufgedeckt wurde. 2012 legte sie nach und erklärte in einem Artikel, wie der Libor zu retten sei. Nun hat die Professorin der Stern School of Business der Universität New York wieder zugeschlagen. Eine Untersuchung, die bislang nur als Entwurf vorliegt, legt den Schluss nahe, dass der Goldpreis vom traditionellen Londoner Fixing über mehr als ein Jahrzehnt manipuliert wurde.

Damit befeuert sie das wachsende Unbehagen mit Blick auf diese Art der Preisfindung. Bereits vor gut zwei Wochen hatte eine ähnliche Untersuchung des Analysehauses Fideres für Unruhe unter Rohstoffinvestoren gesorgt. Und Gerüchte um die Manipulation des Goldpreises gab es schon lange; ganze Bücher wurden darüber geschrieben, ganze Foren gefüllt. Nun liefert Abrantes-Metz mit ihrem Entwurf neue Munition für die Skeptiker.

Gemeinsam mit Albert Metz, einem Managing Director bei Moody'sInvestors Service, hat die Professorin erste Schlussfolgerungen schriftlich festgehalten. In diesem Entwurf, schreibt fFonds professionell" unter Berufung auf Bloomberg, werde auf die Möglichkeit hingewiesen, dass die fünf Banken, die für die Preisfindung verantwortlich zeichnen, möglicherweise aktiv zusammengearbeitet haben, um den Preis zu manipulieren. Es sind Barclays Chart zeigen, Deutsche Bank Chart zeigen, Bank of Nova Scotia Chart zeigen, HSBC Chart zeigen und Société Générale Chart zeigen. Die Deutsche Bank hatte im Januar erklärt, sich aus diesem System zurückziehen zu wollen.

Der Preis wird zweimal am Tag per Telefonkonferenz festgelegt, als Schaltung zwischen fünf der größten Goldhändler. Eine findet um 10.30 Uhr statt und eine um 15 Uhr, beide Londoner Zeit. Zumeist dauern diese Konferenzen nur zehn Minuten. Darin erklären die Banken, wie viele Barren sie zum aktuellen Kurs kaufen oder verkaufen wollen. Der Zielpreis wird so lange nach oben oder unten geschoben, bis sich die Summen aus Kauf- und Verkaufsorders auf 50 Barren Gold angenähert haben. Damit ist der Preis gefunden. Reguliert ist dieser Prozess nicht; die Banken können also während der Telefonkonferenz Gold und Gold-Derivate handeln. Und genau da knirscht es offenbar.

Im Rahmen des Londoner Gold-Fixing seien "ungewöhnliche Handelsmuster um die Zeit der nachmittäglichen Telefonkonferenz ein Anzeichen für ein abgestimmtes Verhalten und sollten überprüft werden", schreiben Abrantes-Metz und Metz. Und weiter: "Die Struktur der Benchmark bietet sich mit Sicherheit für abgestimmtes Verhalten und Manipulation an, und die empirischen Daten stimmen mit künstlich festgelegten Preisen überein."

Das gilt vor allem ab 2004. Die Studienautoren beobachteten häufige deutliche Bewegungen bei den Kassapreisen während des nachmittäglichen Fixing-Gesprächs. Vor 2004 und auch während der morgendlichen Telefonkonferenzen gab es solche Bewegungen nicht, stellten sie fest. Außerdem entdeckten sie, dass die Preisbewegungen während der nachmittäglichen Telefonkonferenz überwiegend in die gleiche Richtung liefen, nämlich abwärts. An Tagen, an denen die Wissenschaftler deutliche Preisveränderungen während der Telefonkonferenz entdeckten, gingen diese in mindestens zwei Drittel der Fälle abwärts. 2010 waren es sogar 92 Prozent aller Fälle.

Ein harter Vorwurf, der noch an Gewicht gewinnt, weil Abrantes-Metz bereits an der Aufdeckung des Libor-Skandals beteiligt war und damit kein intellektuelles Leichtgewicht ist. Vielmehr ist sie, so ihr Lebenslauf, auf Antitrust-Arbeit spezialisiert und hat beispielsweise Analysemethoden entwickelt, die Manipulationen des Ölpreises aufdecken sollen.

Es gebe keine offensichtliche Erklärung, warum die Preisbewegungen 2004 begannen, warum sie beim Nachmittags-Fixing vorherrschend waren und warum die Preise nach unten gingen, sagte Abrantes-Metz in einem Telefoninterview mit "Bloomberg News". "Das ist ein erster Versuch, potentiell manipulatives Verhalten aufzudecken - und die Ergebnisse sind besorgniserregend", sagte sie. "Es ist an den Aufsichtsbehörden, festzustellen, warum es derart auffällige Muster gibt, aber die Banken haben die Mittel, die Motive und die Möglichkeit, das Fixing zu manipulieren. Die Ergebnisse stimmen mit der Möglichkeit von Absprachen überein."

got/mmo

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