Prognose für 2035 Experten sagen Verdoppelung des Ölpreises voraus

Der Energiebedarf von China und Indien wächst rapide - und das wird den Preis für Öl in den kommenden 25 Jahren fast verdoppeln, prophezeit die Internationale Energieagentur. Nun verlangt die Organisation vor allem eins: staatliche Hilfe für Sonne, Wind und Co.

IEA-Direktor Tanaka: "Noch nie dagewesene Ungewissheit"
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IEA-Direktor Tanaka: "Noch nie dagewesene Ungewissheit"


Paris - Das Szenario sagt steigende Ölpreise voraus: Ein Barrel Rohöl à 159 Liter werde im Jahr 2035 rund 113 Dollar kosten - und damit fast doppelt so viel wie 2009. Die Inflation ist in dieser Betrachtung der Internationalen Energieagentur (IEA) bereits herausgerechnet. Als Grund für den Anstieg sieht die IEA vor allem den rapide steigende Energiebedarf Chinas, Indiens und anderer Schwellenländer.

Allein der chinesische Energiebedarf werde zwischen 2008 und 2035 um 75 Prozent zunehmen, prognostiziert die Organisation in ihrem am Dienstag veröffentlichten Ausblick für den Energiemarkt, dem sogenannten World Energy Outlook. "Die wachsende Bedeutung Chinas auf dem Weltenergiemarkt kann nicht genug betont werden", heißt es in dem Bericht. Und weiter: "Die uns vorliegenden vorläufigen Daten deuten darauf hin, dass China die Vereinigten Staaten 2009 als den weltweit größten Energieverbraucher abgelöst hat." Allerdings seien die USA auch 2035 schätzungsweise immer noch der zweitgrößte Energieverbraucher vor Indien, schreiben die Autoren.

Zudem unterstrichen die Autoren den künftigen Stellenwert erneuerbarer Energien für eine sichere, zuverlässige und nachhaltige Energieversorgung. Deren Potential sei "zweifellos immens", ihr Anteil bei der Deckung des globalen Energiebedarfs hänge aber entscheidend von staatlicher Unterstützung ab, hieß es in dem Ausblick. Nur so könne die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien gegenüber anderen Energieträgern erhöht und der technische Fortschritt gefördert werden.

"Noch nie dagewesene Ungewissheit"

Die IEA forderte die Regierungen daher zu einer stärkeren Förderung von Effizienz sowie von umweltfreundlichen Technologien auf. Direktor Nobuo Tanaka sagte, die Welt stehe hinsichtlich der Energieversorgung vor einer "noch nie dagewesenen Ungewissheit". Die beim Klimagipfel in Kopenhagen Ende vergangenen Jahres beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Erderwärmung sowie die Abkommen der G20 zum Abbau von Subventionen seien zwar positive Schritte. Sie seien jedoch nicht ausreichend, um eine effiziente Nutzung der zur Verfügung stehenden Energie zu garantieren.

"Wir müssen uns von fossilen Energieträgern verabschieden, indem wir zu Technologien greifen, die sehr viel weniger Kohlendioxid in der Atmosphäre hinterlassen", sagte Tanaka. Seine Organisation rechnet in den kommenden 25 Jahren mit einem deutlichen Anstieg erneuerbarer Energien wie Windkraft und Sonnenenergie. Ihr Anteil am Energiemix werde bis 2035 von sieben auf 14 Prozent steigen, sagte die IEA voraus. Öl wird dagegen statt 33 Prozent nur noch 28 Prozent des Energiemixes ausmachen.

Dem Szenario der Agentur zufolge steigt der Energiebedarf bis 2035 insgesamt um 36 Prozent. 93 Prozent des Zuwachses kommen aus Ländern, die nicht der OECD angehören. Alleine China werde den Berechnungen zufolge für 36 Prozent des Anstieges verantwortlich sein. "Es ist schwer, die wachsende Bedeutung Chinas für die weltweite Energienutzung zu überschätzen", sagte Tanaka. "Wie das Land auf die Bedrohungen für die weltweite Energiesicherheit reagiert, die die steigende Nutzung fossiler Energien darstellt, hat weitreichende Auswirkungen auf den Rest der Welt."

Nach Einschätzung der IEA wird der globale Bedarf an Erdöl bis zum Jahr 2035 auf 99 Millionen Barrel pro Tag ansteigen. Das wären täglich 15 Millionen Barrel mehr als noch 2009. Die aktuelle Prognose ist allerdings niedriger als die aus dem vergangenen Jahr, als die IAE noch einen Anstieg auf täglich 105 Millionen Barrel bis zum Jahr 2030 voraussagte.

Die in Paris ansässige IEA vertritt die Energieinteressen der OECD: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung umfasst vor allem große Volkswirtschaften in Europa, darunter auch Deutschland. Daneben gehören zu der Organisation auch Japan, Südkorea, die USA, Mexiko und Kanada.

wit/dapd/dpa/AFP



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gewgaw 09.11.2010
1. Schon aus Gründen
der Inflation wird der Ölpreis steigen. Im übrigen, im Jahr 2035 wird dieser ältere Herr die Radieschen von unten anschauen und könnte im Fall einer Fehlprognose auch nicht belangt werden. Der Ölpreis wird im Jahr 2100 500 Dollar pro Barrell betragen - Fakt!
atomkraftwerk, 09.11.2010
2. .
Aja, vor zwanzig Jahren war das öl auch schon mal alle, und vor dreissig Jahren auch. Soviel zu den Prognosen der selbsternannten Experten. Das ist gezielte Fehlinformation um entweder den Markt in die gewünschte Richtung zu drücken oder um Stimmen für undurchdachte nicht tragfähige Konzepte zu bekommen.
xzz 09.11.2010
3. Titelbefreit
SPON berichtet mal wieder über das Öl...das kann ja nix werden. "Ein Barrel Rohöl à 159 Liter werde im Jahr 2035 rund 113 Dollar kosten - und damit fast doppelt so viel wie 2009." 113 Dollar? fast doppelt so viel wie 2009? und nur 40 Dollar weniger als im Sommer 2008? was für eine Erkenntnis. Und was ist, wenn Spekulaten, laut SPON ja der Preistreiber 2008 (Nachfrage wurde damals ja gerne vergessen), in 2011 den Preis wieder auf 140 Dollar treiben...lautet dann die Spiegel-Prophezeihung "Experten sagen langsamen Fall des Ölpreises bis 2035 voraus" ?
MausBerlin 09.11.2010
4. Ölpreis
"Ein Barrel Rohöl à 159 Liter werde im Jahr 2035 rund 113 Dollar kosten" Mitte 2008 hat das Öl über USD 140 gekostet, was soll das Gelaber?
sic tacuisses 09.11.2010
5. Das Öl wird nicht ausgehen. Da haben Sie recht.
Zitat von atomkraftwerkAja, vor zwanzig Jahren war das öl auch schon mal alle, und vor dreissig Jahren auch. Soviel zu den Prognosen der selbsternannten Experten. Das ist gezielte Fehlinformation um entweder den Markt in die gewünschte Richtung zu drücken oder um Stimmen für undurchdachte nicht tragfähige Konzepte zu bekommen.
Die zukünftig zu leistenden Förderkosten allerdings werden alle Vorstellungen sprengen. Wir werden garnicht drum herum kommen, Ölsände und -Schiefer auzubeuten. Die hier benötigte Energie wird nur mit Kernkraft ( -Spaltung oder -Fusion ) zu bezahlbarem Preis zur Verfügung stehen. Öl in KFZ zu verbrennen wird dann längst passe` sein.
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