Prognose für Bundesrepublik: Deutsche Bank sagt Rezession voraus
Der Höhenflug der deutschen Wirtschaft geht laut Deutscher Bank zu Ende. Das Kreditinstitut rechnet damit, dass die Bundesrepublik im ersten Halbjahr 2012 in eine Rezession rutscht. Der Arbeitsmarkt soll der Krise aber trotzen.
Frankfurt am Main - Bisher ist Deutschland glimpflich durch die Schuldenkrise gekommen. Doch laut einer Prognose der Deutschen Bank wird die Bundesrepublik ihren Status als Insel der Seligen nicht halten können. Die deutsche Wirtschaft werde in den beiden ersten Quartalen 2012 schrumpfen, schrieb das Kreditinstitut in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Der private Konsum werde zwar zulegen. "Trotzdem dürfte Deutschland im ersten Halbjahr in eine Rezession schlittern", hieß es.
Die Ökonomen der Deutschen Bank machen die hohe Unsicherheit über den Fortgang der Schuldenkrise und den Sparkurs vieler Euro-Länder für den Abschwung verantwortlich. Das bremse den Export und die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. "Fortschritte bei der Bewältigung der Krise könnten die deutsche Konjunktur - vor allem den Außenhandel - dann im zweiten Halbjahr etwas beleben", schrieben die Experten. Insgesamt werde das Bruttoinlandsprodukt 2012 stagnieren.
Die Anzeichen, dass sich das Geschäft für deutsche Firmen in den kommenden Monaten abschwächen wird, mehren sich. Die Industrie hat bereits einen Auftragseinbruch vermeldet. Die exportabhängige Industrie erhielt im November 7,8 Prozent weniger Aufträge aus dem Ausland. Dennoch schlägt sich Deutschland im Vergleich zu anderen Industriestaaten gut, wie die aktuellsten Exportzahlen zeigen. Demnach haben die Ausfuhren im November stärker zugelegt als erwartet.
Die schlechte Wirtschaftsentwicklung werde auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, prognostiziert die Deutsche Bank. Mit einem drastischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen sei aber nicht zu rechnen. "Besser als in den meisten anderen Euro-Ländern bleibt der deutsche Arbeitsmarkt dabei allemal", schrieben die Experten. Die Arbeitslosenquote werde 2012 leicht auf etwa 7,25 Prozent ansteigen. Im vergangenen Jahr lag sie im Schnitt bei 7,1 Prozent.
Experten sagen Bürgern mehr Geld voraus
Trotz der schlechteren Entwicklung rechnen die Ökonomen damit, dass die Bürger in diesem Jahr mehr Geld zur Verfügung haben. Die verfügbaren Einkommen dürften um gut zwei Prozent zulegen, hieß es. Bei einer Inflationsrate von etwa 1,5 Prozent bleibe damit ein reales Plus übrig.
Nicht nur Experten der Deutschen Bank, auch andere Volkswirte rechnen damit, dass die Bundesrepublik bereits in einer Rezession steckt. Davon sprechen Volkswirte, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei Quartale in Folge schrumpft. Viele Ökonomen befürchten, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2011 bereits geschrumpft ist.
Aufs Gesamtjahr gesehen rechnen die meisten Experten aber mit einem Plus: Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr trotz der Verunsicherung durch die Schuldenkrise ein Wachstum von 0,6 Prozent zu.
Experten rechnen mit Pleitewelle
Weltweit rechnen Experten mit einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung. Auf Unternehmen in Europa kommen deshalb schwere Zeiten zu, prognostiziert die Kreditversicherung Euler Hermes. Sie rechnet 2012 mit einer Pleitewelle. In Europa dürfte demnach die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um zwölf Prozent steigen. Allein in Griechenland um 26 Prozent, in Spanien um 20 Prozent und Italien um 15 Prozent.
In Deutschland dagegen erwarten die Experten des Kreditversicherers 2012 einen Rückgang um 0,7 Prozent auf rund 30.300 Firmenpleiten. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Insolvenzen sogar um 4,7 Prozent zurück.
mmq/Reuters
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