Prognose verdreifacht EU sagt Deutschland Wachstumsboom voraus

Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland radikal nach oben geschraubt. Für 2010 sei ein Plus von mehr als drei Prozent zu erwarten - fast das Dreifache der Mai-Vorhersage. Sorge bereiten dagegen Spanien, Griechenland und Irland.

Hamburger Hafen: EU erwartet stärkeres Wachstum in Deutschland
DPA

Hamburger Hafen: EU erwartet stärkeres Wachstum in Deutschland


Brüssel - Deutschland steht 2010 ein deutlich stärkeres Wachstum bevor, als noch im Frühjahr angenommen. Dies geht aus der Wachstumsprognose der EU-Kommission hervor. Die Wirtschaftsleistung werde sich im Laufe des Jahres um 3,4 Prozent erhöhen, so die Kommission in Brüssel. Im Mai waren die EU-Experten noch von einem Wachstum von 1,2 Prozent ausgegangen.

Wie gut es um die deutsche Wirtschaft steht, zeigt die Schlüsselindustrie Maschinenbau. Der Branchenverband VDMA hat seine Produktionsprognose für das laufende Jahr glatt verdoppelt. Nach den dramatischen Einbrüchen von 2009 rechnet die Branche nun mit einem Produktionsplus von sechs Prozent. "Die Konjunktur hat sich wesentlich besser entwickelt, als wir es noch vor Jahresfrist erwartet haben", sagte Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA.

Neben Deutschland soll auch in Polen das Bruttoinlandsprodukt 2010 um 3,4 Prozent steigen, erwartet die EU. Deutschland und Polen sind damit die Wachstumsmotoren in der Europäischen Union.

Anders als in Deutschland und Polen fällt das Wachstum in den anderen großen EU-Staaten deutlich moderater aus. Für die 16 Staaten der Euro-Zone wird im Schnitt ein Plus von 1,7 Prozent erwartet - ein ebenfalls etwa doppelt so starkes Wachstum wie im Frühjahr angenommen. Dies sei eine "Aufwärtskorrektur, die sich sehen lassen kann", erklärte EU-Kommissar Olli Rehn zur Vorlage der Zwischenprognose.

Spanien kann sich nach Einschätzung der EU-Behörde 2010 dagegen noch nicht aus der Rezession befreien. Hier erwartet die Kommission sogar einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent.

Insgesamt habe die europäische Wirtschaft aber wieder erkennbar Fuß gefasst. Die wachsende Inlandsnachfrage sei ein gutes Signal für den Arbeitsmarkt, so Rehn weiter.

Sorgen um Griechenland und Irland

Insgesamt ist der Aufschwung nach der schweren Wirtschaftskrise nach Einschätzung Rehns aber noch zaghaft. Sorge bereitet weiterhin das hochverschuldete Griechenland - aber auch Irland, das seinen maroden Bankensektor dringend sanieren muss. Im zweiten Halbjahr werde laut Kommission außerdem die Weltwirtschaft an Fahrt verlieren. Das werde die Exporte dämpfen. "Ein erneuter Rückfall in die Rezession ist allerdings nicht zu befürchten", so die EU-Behörde.

Wie fragil der Aufschwung ist, zeigen auch die Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Demnach haben sich die Konjunkturaussichten im Juli leicht eingetrübt. Der Frühindikator CLI sei von 103,2 Punkten im Vormonat auf 103,1 Punkte gesunken, teilte die OECD in Paris mit. Es ist der zweite leichte Rückgang in Folge nach zahlreichen Anstiegen zuvor. Die Entwicklung deute auf ein moderateres Wachstumstempo in den meisten Ländern hin, schreibt die OECD.

jok/Reuters/AFP/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Kaldahan 13.09.2010
1. Stimmt...
das selbe hab ich heute morgen in meinem kaffeesatz auch erkennen können. ;) Naja wers glaubt... Selbst wen dem wirklich so ist dann nur durch horrende Neuverschuldung. Die am Ende niemand mehr tilgen kann.
endbenutzer 13.09.2010
2. Und auch dieser Boom....
...wird an den allermeisten Arbeitnehmern vorbeigehen wie ein Sommergewitter. Die Unternehmerschaft, vertreten durch Hundt und Konsorten wird natürlich jammern, dass nun erst einmal die Verluste der Krise wieder hereinkommen müssen und dass für Lohnzuwächse überhaupt kein Spielraum ist.
Roana, 13.09.2010
3. Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen
Wie lange dauert es, bis dieser Satz wieder fällt?
joshek 13.09.2010
4. wirtschaftaufschwung fuer wen?
Zitat von sysopDie EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland radikal nach oben geschraubt.*Für 2010 sei ein Plus von mehr als drei Prozent*zu erwarten - fast das Dreifache der Mai-Vorhersage. Sorge bereiten dagegen Spanien, Griechenland und Irland. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,717128,00.html
dieser wirtschaftsaufschwung kommt ausschliesslich arbeitgebern und vermietern zu gute denn es gibt keine lohnerhoehungen, dafuer aber rasant steigende mieten. damit das so bleibt braucht es ein ueberangebot an arbeitskraeften und potentiellen mietern - und um das zu gewaehrleisten braucht es masseneinwanderung. deshalb, und nur deshalb, schreien die laufburschen "der wirtschaft" (huether, zimmermann et al) nach einer halben million einwanderer pro jahr. jeder arbeitnehmer der sich sich nicht vehement gegen masseneinwanderung stemmt beutet sich selber aus. das geschwaetz der rentensicherung ist laecherlich - die enzigen renten die gesichert werden sind die derer die jetzt schon absahnen.
SentinelBorg 13.09.2010
5. .
Verwunderlich ist das nicht. Den Chinesen gehen die günstigen Arbeitskräfte aus, also benötigen sie nun bessere Maschinen die die Arbeit übernehmen. Und zwar vor allem Maschinen aus Deutschland, da sie jene entweder nicht selbst bauen können oder wenn sie es können, der chinesische Fabrikchef dennoch lieber Deutsche Maschinen haben möchte. Denn auch der Chinese weiss, dass der lokale Nachbau doch letztendlich nur eine Kopie ist.
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