Drohende Prokon-Pleite Anlegerschützer fordern Bändigung des grauen Finanzmarkts

Nach der Pleitedrohung des Ökounternehmens Prokon fordern Anlegerschützer die Politik zum Handeln auf. Der eigentliche Skandal sei, dass die Politik den grauen Finanzmarkt nicht gebändigt habe, heißt es von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz im "Handelsblatt".

Prokon-Zentrale in Itzehoe: DSW hält Insolvenzdrohung für Erpressung
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Prokon-Zentrale in Itzehoe: DSW hält Insolvenzdrohung für Erpressung


Düsseldorf - Nach der Pleitedrohung des Windparkfinanzierers Prokon - sollten Investoren nicht zeitweise auf ihr Geld verzichten - sehen Anlegerschützer auch die Politik in der Pflicht. "Der eigentliche Skandal ist, dass die Politik den grauen Markt noch immer nicht gebändigt hat", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem "Handelsblatt". Zuvor hatte die DSW das Vorgehen von Prokon als Erpressung bezeichnet.

Prokon hat den Anlegern mit der Insolvenz gedroht, wenn sie ihr Kapital zurückforderten. Knapp 1,4 Milliarden Euro haben Anleger in Genussrechte des Unternehmens investiert. Weil es sich um Produkte des sogenannten grauen Finanzmarkts handelt, zeigt sich die Finanzaufsicht BaFin machtlos. "Prokon betreibt keine erlaubnispflichtigen Bankgeschäfte und untersteht damit nicht der Aufsicht der BaFin", sagte eine Sprecherin.

Nun werden Stimmen lauter, den Aufsehern mehr Kompetenzen zu geben und den grauen Markt zu regulieren. "Der Fall Prokon zeigt, dass die Einwände gegen eine strengere Regulierung der Finanzmärkte unberechtigt sind", sagte der Finanzpolitiker Lothar Binding (SPD) dem "Handelsblatt". "Wir müssen versuchen, die grauen Märkte auszumerzen." Auch Unionsfraktionsvize Michael Fuchs sieht Handlungsbedarf. Der Staat dürfe "der Abzocke von Anlegern nicht tatenlos zusehen".

Prokon veröffentlichte am 10. Januar auf seiner Internetseite ein Schreiben der Geschäftsführung, in dem es hieß: "Sollte es nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten." Anlegerschützer nannten das Erpressung.

Nach Angaben des Unternehmens mit Sitz in Itzehoe (Schleswig-Holstein) gibt es mehr als 75.000 Anleger, die Prokon fast 1,4 Milliarden Euro über sogenannte Genussscheine anvertraut haben. Für Nachfragen war Prokon am Wochenende nicht erreichbar.

Prokon hatte seine Geldgeber bereits im Dezember aufgefordert, die Zinsen für das zweite Halbjahr 2013 zur Entspannung der Liquiditätslage im Unternehmen zu belassen. "Mit großem Bedauern stellen wir fest, dass aufgrund der seit Monaten andauernden Medienkampagne gegen Prokon nach wie vor zahlreiche Anleger aus Angst vor einem Verlust ihres angelegten Geldes ihre Genussrechte kündigen", hieß es nun. Daher sei diese Maßnahme nicht ausreichend. "Somit stehen wir vor einem ernsten Problem."

Das Unternehmen veröffentlichte auf seiner Internetseite vorformulierte Rückantworten, in denen sich die Anleger verpflichten sollen, ihr Geld bis mindestens zum 31. Oktober 2014 nicht zurückzufordern, und auch auf die direkte Auszahlung von Zinsen zu verzichten. Auch danach sollen sie ihre Anlage nur in Raten über zwölf Monate ausbezahlt bekommen. Wer dagegen seine Genussrechte zeitnah kündigt, unterschreibt mit dem Formular den Satz: "Eine Insolvenz von Prokon nehme ich bewusst in Kauf."

nck/dpa

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u.loose 13.01.2014
1. Merkwürdige Wortwahl
mancher Politiker - "ausmerzen"... Aber zur Sache: Wenn Prokon doch soooo gesund ist und den Forderungen der Geldgeber jede Menge wertige Sachanlagen gegenüber stehen, müsste es doch ein Leichtes sein, sich über Banken umzuschulden... Derzeit dürften Kreditzinsen doch recht niedrig ausfallen und für Prokon wäre das noch ein gutes Geschäft, nur 4% an eine Bank zu zahlen, anstatt 8% an irgendwelche Kleinanleger... Oder stimmt da etwas mit den Werten der Sachanlagen nicht (;-)
Oberleerer 13.01.2014
2.
Verstehe ich nicht. Was sind denn Genussrechte? Kann das nicht eine normale AG sein? Da kann man doch auch nicht hingehen und sich "seinen Teil" der Bilanz auszahlen lassen. Und wenn es eben nicht läuft wird bei einer AG die Dividende gestrichen und wenn es den Aktionären nicht paßt, bestellt man einen anderen Vorstand.
chewbakka 13.01.2014
3. optional
NEIN - da ist nichts zu regeln. Prokon ist ein völlig intransparentes Geflecht aus UNternehmen, Töchtern und Beteiligungen. Schwer genug da aussagekräftige GEschätsberichte zu finden. Allein das sollte potentielle Anleger davon abhalten, hier Geld zu investieren. Wenn das dann noch in Form von unüblich hoch verzinsten Genussrechten geschehen soll, müssten bei jedem potentiellen Anleger alle Alarmglocken ohrenbetäubend schrillen. JA, die Bude ist in höchstem Maße unseriös, aber von einem Anleger ist auch ein weniog REcherche zu verlangen. Mit etwas Sorgfalt, wäre dann jedem Interessenten klar geworden, daß: 1) Genussrechte absolut nachrangige Papiere sind, die also ein hohes Risiko des Totalverlustes in sich tragen. 2) es nicht möglich ist, aus den veröffentlichten Geschäftsberichten stimmige Aussagen zur Unternehmenslage zu erhalten. Und wer jetzt sagt, das könne nicht jeder - auch wahr - aber aus lauter Gier wegen hoher ausgelobter Verszinsung ein dubioses Papier, das man nicht versteht, zu kaufen, ist einfach Dummheit. Die beste Frage, die sich ein potentieller Anleger stellen kann ist immer noch: "Verstehe ich dasKonstrukt des Papieres wirklich ?" Wer diese Frage nicht mit einem klaren Ja beantworten kann, ist gut beraten, diese Anlageform zu meiden wie der Teufel das Weihwasseser - ganz egal, was der Emittend verspricht.
Crom 13.01.2014
4.
Zitat von OberleererVerstehe ich nicht. Was sind denn Genussrechte? Kann das nicht eine normale AG sein? Da kann man doch auch nicht hingehen und sich "seinen Teil" der Bilanz auszahlen lassen. Und wenn es eben nicht läuft wird bei einer AG die Dividende gestrichen und wenn es den Aktionären nicht paßt, bestellt man einen anderen Vorstand.
https://de.wikipedia.org/wiki/Genussrechte Genussrechte sind Fremdkapital, was hat das mit einer AG zu tun? Nun, man könnte seine Aktien verkaufen. Das gezeichnete Kapital einer AG ist aber Eigenkapital. Hier geht's um Fremdkapital.
iichh 13.01.2014
5. Ich bin Anleger bei Prokon.
Ich fühle mich nicht erpresst. Ich habe Wirtschaft studiert und kann deshalb beurteilen, das die Bilanz in Ordnung ist. Das Problem, das Prokon hat ist, das durch die Hetze der Medien und der Stiftung Warentest einige Anleger in Panik verfallen sind und Ihr Kapital zurück fordern. Dieses Passiert manchmal auch an der Börse. Von einem grauen Finanzmarkt kann nicht die Rede sein. Die Kapital beschaffung ist die selbe wie bei GmbH oder KG wo ich als Stiller Teilhaber der Firma auch Geld geben kann. Auch dieses Geld kann durch eine Insolvenz verloren gehen. Nicht nur Papier ist geduldig auch Internetseiten. Glaubt nicht allen Journalisten.
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