Insolvenzverwalter Kapitel Carsten Rodbertus ist für Prokon beendet

Carsten Rodbertus zieht sich komplett zurück: Der Gründer der Windenergiefirma Prokon darf laut Insolvenzverwalter "künftig in keiner Form mehr" für das Unternehmen tätig werden. Vorerst leitet nun Kai Peppmeier die Geschäfte.

Carsten Rodbertus in einer Prokon-Werkshalle in Itzehoe (Archivbild): Rückzug
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Carsten Rodbertus in einer Prokon-Werkshalle in Itzehoe (Archivbild): Rückzug


Hamburg - Dieses Kapitel ist abgeschlossen: Der Name Carsten Rodbertus spielt für die Zukunft der Windenergiefirma Prokon keine Rolle mehr. Die Auseinandersetzungen mit dem früheren geschäftsführenden Gesellschafter und Gründer seien außergerichtlich beigelegt worden, teilte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin mit. Über die Details der Einigung sei ansonsten Stillschweigen vereinbart worden.

Der ehemalige "Öko-Pionier", der 75.000 Anleger dazu brachte, 1,4 Milliarden Euro in Genussrechte der Firma zu investierten, zieht sich als Gesellschafter und Geschäftsführer zurück. Zudem darf er "künftig in keiner Form mehr in Sachen Prokon tätig werden oder öffentliche Erklärungen abgeben", teilte Penzlin mit. Diese Verpflichtungen seien durch hohe Vertragsstrafen abgesichert.

Rodbertus bestätigte im Internet die Vereinbarungen. "Ich wünsche Prokon für den laufenden Sanierungsprozess und für den Neustart von Herzen alles Gute", schreibt er auf seiner Website. Er hofft, dass die Genussrechtsinhaber nun Eigentümer von Prokon werden.

Vorerst übernimmt Kai Peppmeier

Bis im Unternehmen eine neue Führungscrew gefunden ist, leitet Kai Peppmeier die Geschäfte weiter. Diese hatte er schon Anfang Mai übernommen, nachdem der Insolvenzverwalter Rodbertus fristlos als Chef der Prokon Regenerative Energien GmbH entlassen hatte.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit für eine Sanierung war aus Sicht Penzlins nicht mehr gegeben: Rodbertus hatte hinter dessen Rücken Pläne für eine Genossenschaft geschmiedet, in die die Prokon-Anteile übertragen werden sollten. Prokon war Anfang 2014 in finanzielle Bedrängnis geraten und im Mai ins Insolvenzverfahren gegangen.

Schadensersatzansprüche hatte der Insolvenzverwalter seit Juni prüfen lassen, als er feststellte, dass Rodbertus bei den Gläubigern "bisher Schäden von mehr als einer halben Milliarde Euro verursacht" habe. Um Ansprüche durchzusetzen, hätte Penzlin vor Gericht ziehen müssen, was "die Insolvenzmasse mit erheblichen Kosten belastet" hätte. Das wäre mit seiner Aufgabe der bestmöglichen Vermögensbetreuung nicht zu vereinbaren, teilte der Verwalter mit.

Offen ist noch, ob sich Rodbertus vor Gericht verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt unter anderem wegen Insolvenzverschleppung gegen ihn.

Für die Anleger, die nach früheren Angaben 40 bis 70 Prozent ihres Kapitals verlieren werden, zeichnen sich mittlerweile zwei Lösungen ab: Entweder werden sie Eigentümer von Prokon, oder das Unternehmen wird an einen Investor verkauft. Die drei Bereiche Bestandswindparks, neue Projekte und Endkundenversorgung werden restrukturiert. Weitere Bereiche - darunter ein Biodieselwerk in Magdeburg sowie Wälder in Rumänien - sollen verkauft werden. Den Abschluss der Sanierung peilt Penzlin für das erste Halbjahr 2015 an.

bos/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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tobiash 19.11.2014
1. Kuhhandel!
Ein absolut mieser Kuhhandel erster Klasse, insbesondere weil absolute Verschwiegenheit vereinbart wurde. Ich denke, die Anleger haben ein großes Interesse daran zu erfahren, warum konkret auf das Einklagen des entstandenen Schadens verzichtet wurde. Legt man die Erklärung von Dr. Penzlin zu Grunde (hohe Gerichtskosten) dann dürfte man den Klageweg überhaupt nicht einschreiten und wäre komplett hilflos. Dass das gerade aus dem Mund eines Juristen kommt, ist mehr als verdächtig!
martin.wigand 19.11.2014
2. Wieso Kuhandel?
Wenn Sie den Inhalt der Vereinbarungen nicht kennen, wie kommen Sie dann zum Ergebnis, dass es sich um einen Kuhhandel handeln muss? 1. Der Insolvenzverwalter ist gegenüber dem Insolvenzgericht rechenschaftspflichtig. Der Deal kann also schon aus diesem Grund nicht vollständig der Geheimhaltung unterliegen. 2. Alle Verfahrensbeteiligten können jederzeit Einsicht in die Unterlagen des Verfahren nehmen, also sich auch die Vereinbarung mit Herrn Rodbertus einsehen. Also können alle Anleger von Prokon sich über die Einigung informieren. Die meisten Anleger (bzw. Insolvenzgläubiger) kümmert es allerdings nicht, wie ein Verfahren läuft und welche Insolvenzmasse zu erwarten ist. Es gibt außerdem in aller Regel keinen einzigen Insolvenzgläubiger, der bereit wäre, die Kosten eines derartigen Prozesses zu bevorschussen. 3. Es kann durchaus sehr sinnvoll sein, Herrn Rodbertus auch bei offensichtlichen und eindeutigen Haftungsansprüchen nicht zu verklagen. Was bringt den Anlegern ein über drei Instanzen erstrittenes Urteil, das die Insolvenzmasse Zehntausende oder - je nach Streitwert - sogar Hunderttausende an Euros gekostet hat, wenn Herr Rodbertus nicht über ausreichend Vermögen verfügt, den angeblichen Schaden in Höhe einer halben Milliarde Euro zu ersetzen. Bei 500 Mio. € Haftungssumme belaufen sich die Gerichtskosten für drei Instanzen bei Berücksichtigung der gegnerischen Kosten auf ca. 3,25 Mio. €. Ein guter Insolvenzverwalter wird in dieser Situation gerade davon absehen, einen sündhaft teuren Prozess anzustrengen, wenn der wirtschaftliche Erfolg nach einem Obsiegen mehr als fraglich ist. Es zeigt sich, dass sich - wie so oft - bei näherem Hinsehen die Verdachtsmomente zerstreuen. Herr Dr. Penzlin hat daher absolut nicht verdächtig gehandelt.
Raúl gonzales 20.11.2014
3.
Anleger sind Anleger und keine Eigentümer. Das Fremdkapitalgeber in vertrauliche Unternehmensverträge Einblick haben ist mir neu.
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