Mögliche Insolvenzverschleppung Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Prokon-Gründer

Es wird eng für Carsten Rodbertus: Die Staatsanwaltschaft sieht Anzeichen, dass der Gründer des Windpark-Betreibers Prokon dessen Insolvenz verschleppt hat.

Penzlin und Rodbertus: Hat der Prokon-Gründer die Insolvenz verschleppt?
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Penzlin und Rodbertus: Hat der Prokon-Gründer die Insolvenz verschleppt?


Lübeck - Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt wegen Insolvenzverschleppung gegen Carsten Rodbertus, den Gründer der zahlungsunfähigen Windenergie-Firma Prokon Regenerative Energien. Nach einem Anfangsverdacht seien nun offizielle Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Unternehmens eingeleitet worden, sagte Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm.

Es werde auch wegen weiterer Wirtschaftsdelikte ermittelt, Details dazu wollte sie nicht nennen. Die Behörde hatte nach mehreren Strafanzeigen geprüft, ob ein Anfangsverdacht wegen Betrugs bestand.

Wegen der "Unmenge von Datenmaterial" rechnet die Oberstaatsanwältin damit, dass die Ermittlungen mindestens ein Jahr dauern werden. Die Staatsanwaltschaft muss unter anderem herausfinden, wann genau der Zeitpunkt einer Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist. Der Insolvenzantrag war am 22. Januar 2014 beim Amtsgericht Itzehoe (Schleswig-Holstein) gestellt worden. Die Höchststrafe für eine verschleppte Insolvenz beträgt drei Jahre Haft.

Anleger stimmen über Insolvenzplan ab

Die Ermittlungen könnten auch die Mehrheitsverhältnisse auf der anstehenden Gläubigerversammlung beeinflussen: Am 22. Juli sollen Prokon-Gläubiger bei einer Versammlung in Hamburg dem Insolvenzverwalter den Auftrag für einen Insolvenzplan erteilen. 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen rund 1,4 Milliarden Euro als Genussrechtskapital geliehen. Prokon hatte ihnen dafür hohe Renditen versprochen.

Für die Gläubigerversammlung sammeln derzeit Anlegervertreter Vollmachten ein, um die Kapitalgeber bei der Versammlung zu vertreten. Auch Ex-Geschäftsführer Rodbertus ist diesbezüglich aktiv. Der Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hatte Rodbertus entlassen. Penzlin ist überzeugt, dass im Insolvenzverfahren das Kerngeschäft - Planung und Betrieb von Windparks - erhalten bleiben kann.

Er hat sich gegen "bewusst irreführende" Darstellungen und "Unwahrheiten" des Ex-Gründers mit "Richtigstellungen" an die Anleger gewehrt. Rodbertus hält Penzlin vor, das Unternehmen zerschlagen zu wollen, und strebt selbst an, es zu sanieren und als Ganzes zu erhalten.

Prokon hat aktuell mehr als 50 Windparks im Portfolio. Die Firma ist auch an verschiedenen anderen Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien beteiligt. In dem Unternehmen sollen nach Penzlins Plänen rund 300 Arbeitsplätze der einst 480 erhalten bleiben.

ade/dpa



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insgesamt 4 Beiträge
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jewiberg 15.07.2014
1. Windei!
Irgentwie kam mir die Firma Prokon gleich nicht ganz koscher vor. Hauswurfsendungen mit vollmundigen Renditeversprechen sind in meinen Augen unseriös und kosten nur unnötig Geld. Und wenn die Prokon so eine Gelddruckmaschine sein soll wie versprochen, hätte es sicher nicht so eine Werbung gebraucht.
Vespa74 15.07.2014
2. Insolvenzverschleppung...?
Stimmt. Aber da fällt was noch wesentlich Schlimmeres in's Auge: Das Betreiben eines gigantischen Schneeballsystems!
ant-ipod 16.07.2014
3. Bei allem Respekt...
Ja, Carsten Rodbertus hat extreme Managementfehler begangen... kein Zweifel, aber: 1. Der Vorwurf des Schneeballsystems ist mehrfach geprüft und gerichtlich verworfen worden. 2. De angeblich so vollmundigen Renditeversprechen sind bei Kenntnis des Anleihen- und Genussrechtmarktes ein völlig normaler Wert, wie ihn viele anbieten. Selbst heute noch können Sie, bsw. bei der Umweltbank, im Empfehlungspotfolio noch Anleihen mit solchen Werten finden und die haben noch einen klaren/strengen Regelkatalog für Investitionsangebote. Prokon ist aber nicht über die Banken gegangen und hat das Geld für die Vermarktung lieber in Direktwerbung (Postwurfsendung, Bus-Aufkleber etc.) gesteckt. Inwiefern dies zwingend unseriöser sein soll, liegt wohl im Auge des Betrachters. Wer lieber Banken vertraut, die seit 2008 mit Milliarden an Subventionen/Bürgschaften am Leben gehalten werden, als einem Unternehmen, welches dem Investment Sachwerte entgegenstellt, der mag das gerne tun. Der extremste Fehler, der auch neben sonstiger Misswirtschaft letztlich zur Insolvenz geführt hat, war, dass man langfristige Investitionen mit kurzfristigen Krediten finanziert hat, indem man für die Genussrechte eine viel zu kurze Kündigungsfrist eingeräumt hat. Durch die Kündigung von 400 Mio Euro an Genussrechten bei 1,4 Mrd Gesamtvermögen entstand die Zahlungsunfähigkeit. Das kann kein Unternehmen stemmen, so auch nicht PROKON. Deswegen muss man keine Verschwörungstheorie aufbauen oder die simplen Fakten verklären... Genussrechte sind eine Geldanlage mit Risiko und bei PROKON ist das Risiko eingetreten.
rudiger.schneider.562 21.07.2014
4.
Stimmt es, dass der Insolvenzberater Herr Denkhaus in einem vertraglichen Verhältnis zu dem Insolvenzverwalter Dr. Penzlin stand und steht und hat irgendeine Bedeutung, dass der Vater von Herrn Dr. Penzlin als Direktor am Insolvenzgericht tätig war?
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