Schadensersatz Insolvenzverwalter plant Klage gegen Prokon-Gründer Rodbertus

Die Pleite der Windkraftfirma Prokon könnte deren Gründer Carsten Rodbertus teuer zu stehen kommen: Der Insolvenzverwalter will ihn noch dieses Jahr auf Schadensersatz verklagen. Bei den Ermittlungen gegen Prokon gehe es auch um Betrug und Untreue.

Prokon-Gründer Rodbertus: "Fehlendes Rechtsverständnis"
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Prokon-Gründer Rodbertus: "Fehlendes Rechtsverständnis"


Hamburg/Itzehoe - Dem Prokon-Gründer und langjährigen Chef Carsten Rodbertus droht noch in diesem Jahr eine "umfangreiche" Klage auf Schadensersatz. Das sagte Prokons Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin, der Anfang Juni die Prüfung entsprechender Ansprüche angekündigt hatte. "Die Ermittlungen haben eine Vielzahl an Anhaltspunkten für pflichtwidriges Verhalten von Carsten Rodbertus ergeben, insbesondere aus der ungeprüften Vergabe unbesicherter Kredite in Millionenhöhe", so Penzlin.

Die Ermittlungen gegen Prokon werden Penzlin zufolge auch wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue in besonders schweren Fällen geführt. Das habe ihm die zuständige Staatsanwaltschaft in Lübeck auf Nachfrage bestätigt. Zudem verdichteten sich die Anhaltspunkte, dass Rodbertus bereits Monate vor dem Insolvenzantrag von der drohenden Pleite gewusst habe.

Darüber hinaus ermittele die Staatsanwaltschaft auch, weil die grundlegende Finanzierungsstruktur von Prokon ein betrügerisches Schneeballsystem gewesen sein könnte und noch kurz vor dem Insolvenzverfahren neue Genussrechte an Anleger verkauft worden seien, sagte Penzlin. Die Ermittlungsbehörde gehe im Zusammenhang mit der Vergabe unbesicherter Kredite in Millionenhöhe dem Verdacht der besonders schweren Untreue nach. Penzlin warf Rodbertus "fehlendes Rechtsverständnis" vor.

Prokon hatte sich unter der Leitung von Rodbertus durch den Verkauf von Genussrechten im Wert von 1,4 Milliarden Euro an rund 75.000 Anleger am sogenannten grauen Kapitalmarkt finanziert. Nach der Insolvenz des Unternehmens aus Itzehoe müssen die Anleger nun um den Wert ihrer Investitionen bangen.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck hatte bislang nur wenige Details zu ihren Ermittlungen bekanntgegeben. Eine Sprecherin hatte lediglich mitgeteilt, es werde wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und weiterer Wirtschaftsdelikte gegen Ex-Verantwortliche ermittelt. Auch die Namen der Beschuldigten nannte sie nicht.

Streit um Sanierungsplan

Am kommenden Dienstag soll auf einer Gläubigerversammlung ein von Penzlin erarbeiteter und mit drei großen Anlegerschutzvereinigungen abgestimmter Sanierungsplan für das Unternehmen verabschiedet werden. Zugleich versucht Rodbertus, Vollmachten von Privatinvestoren einzuwerben, um bei der Versammlung in Hamburg einen Gegenentwurf durchzusetzen. Dabei argumentiert er, der offizielle Sanierungsplan solle Prokon zerschlagen und führe zu Vermögensverlusten.

Penzlin und die beteiligten Anlegerschutzvereinigungen kritisierten Rodbertus Vorgehen als in hohem Maße unseriös. Penzlin sprach von "wiederholten und aggressiven Falschdarstellungen" und nannte die von Rodbertus aufgestellten Behauptungen zur angeblichen Ertragsfähigkeit von Prokon "reine Phantasiezahlen ohne Bezug zur Realität". Anleger, die auf dessen "Vereinfachungen" hereinfielen und den Sanierungsplan ablehnten, gefährdeten ihr Vermögen.

Rodbertus war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

dab/dpa/AFP

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
TimmThaler 16.07.2014
1.
Zitat von sysopDPADie Pleite der Windkraftfirma Prokon könnte deren Gründer Carsten Rodbertus teuer zu stehen kommen: Der Insolvenzverwalter will ihn noch dieses Jahr auf Schadensersatz verklagen. Bei den Ermittlungen gegen Prokon gehe es auch um Betrug und Untreue. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prokon-pleite-insolvenzverwalter-plant-klage-gegen-rodbertus-a-981355.html
Genau das war doch von Anfang an Sinn der Sache. Die Gläubiger interessieren den Herrn Insolvenzverweser doch nicht wirklich. Der hat den Auftrag, Prokon platt zu machen. Disclaimer: Nein, ich habe keine Genussrechte bei Prokon.
Mach999 16.07.2014
2.
Zitat von TimmThalerGenau das war doch von Anfang an Sinn der Sache. Die Gläubiger interessieren den Herrn Insolvenzverweser doch nicht wirklich. Der hat den Auftrag, Prokon platt zu machen. Disclaimer: Nein, ich habe keine Genussrechte bei Prokon.
Eine interessante Erkenntnis. Wer hat ihm denn diesen Auftrag gegeben? Mehr Informationen bitte.
ant-ipod 16.07.2014
3. Insolvenzverwalter sinkt im Niveau
Zitat von sysopDPADie Pleite der Windkraftfirma Prokon könnte deren Gründer Carsten Rodbertus teuer zu stehen kommen: Der Insolvenzverwalter will ihn noch dieses Jahr auf Schadensersatz verklagen. Bei den Ermittlungen gegen Prokon gehe es auch um Betrug und Untreue. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prokon-pleite-insolvenzverwalter-plant-klage-gegen-rodbertus-a-981355.html
Es wurde bereits mehrfach geprüft und befunden, dass es sich bei PROKON um definitiv kein Schneeballsystem handelt - das weis der Insolvenzverwalter. Er weis auch, dass die Insolvenz eine direkte Folge der Fehlentscheidung von Herrn Rodbertus ist, langfristige Investitionen mit kurzfristigen Krediten/Genussrechten zu tätigen. Rodbertus zieht sich darauf zurück, dass - was auch stimmt - kein Unternehmen einen derartig kurzfristigen, massiven Kapitalfluss stemmen könne... womit er im Grunde zugibt, eine fatale Fehlentscheidung getroffen zu haben. Betrug hingegen war dies nicht - alle Anleger wissen um die Risiken von Genussrechten oder hätten darüber bescheid wissen können. An Informationen hat es wahrlich nicht gemangelt. Daraus jetzt eine Insolvenzverschleppung zu konstruieren, ist nur ein weiterer Akt eines unwürdigen Schauspiels. Sicher - Rodbertus hat noch andere fatale Entscheidungen getroffen, wie ungesicherte Kredite innerhalb des Konzerns oder überhaupt eine recht unklare Strategie von überbordender Diversifizierung... andere würden sagen: Breite Aufstellung eines Konzerns. Prenzlin sagt, dass wäre unverantwortlich gewesen, da Holz- und Biogasgeschäfte nicht laufen könnten. Rodbertus sagt, das diese Unternehmenszweige schon bald profitabel würden. Was nun stimmt... das legen Unternehmensberater auf Kosten des Vermögens der Genussrechtsinhaber aus. Die sind derzeit die einzigen, wirklichen Gewinner. Ich denke, das Unternehmen wäre durchaus gesund und verliert durch das Insolvenzverfahren viel Geld. Schuld an der Misere ist letztlich aber Rodbertus, dessen fragwürdige Unternehmensführung, das nicht vorhandene Controlling, die mangelhafte Buchführung... Das kann man nüchtern bennenen, ohne sich mit Schmutz zu bewerfen, seien es die angeblich zu niedrigen Löhne bei PROKON oder die deswegen entstandenen Lohnerhöhungen von Herrn Prenzlin. Seien es die verschiedenen Ansätze zur Stabilisierung von PROKON oder die Unterstützung des IV durch FvP, SdK und DSW... die alle drei das Geld der Anleger im Fokus haben und folglich nicht die von Rodbertus beschworene Zerschlagung von PROKON und Entwertung der Genussrechte im Sinn haben können. Fatal wäre es allerdings, wenn die GRI am Ende bis zu 70% ihres Geldes verlören und dann ein fremder Investor eben diese Marge an Gewinn aus der Ertragskraft von PROKON - die niemand bestreitet - erzielt. Das würde ein sehr fragwürdiges Bild eben auch auf den IV werfen.
WAZ 16.07.2014
4. Schneeball-System:Prokon
Es war schon bald klar, dass Prokon ein Schneeballsystem installiert hatte. Mit dem Geld der Anleger wurden u.a.. - die hohen Zinsen am Anfang gezahlt, um den Markt anzufüttern und Anleger zu verleiten weiter zu investieren. - die Manager bezahlt - TV-Werbung bezahlt - Vertreter bezahlt - Hochglanzprospekte bezahlt - Ungesicherten Kredite in Millionenhöhe vergeben (wie zu erfahren ist). Usw., usw.,usw.... Das Unternehmen war zu keinem Zeitpunkt transparent. Das Restvermögen (soweit jetzt bekannt) des Unternehmens steht in keinem Verhältnis zu den eingezahlten Beträgen der Anleger. Viele Fragen sind offen: Wir konnte so etwas geschehen? Waren die Anleger überwiegend dumm und gierig? Wo waren die Kontrollen der Behörden? Was haben die vielen Finanzmagazine und TV-Wirtschaftsmagazine getan, um die Anleger zu warnen? Wo waren die schlauen Wirtschafts-Experten, um die Anleger über die Mißstände zu informieren? Warum konnte mal wieder ein Schneeball-System durchgesetzt werden, obwohl die Gesellschaft dagegen sensibilisiert ist?
tillion 16.07.2014
5. Wie gemein können
die Menschen nur sein. Diesem Weltenretter, der den Bankstern gezeigt hat wie man seriös investiert und der Plutonium Industrie zeigt wie Energie gewonnen wird so etwas zu unterstellen. Dabei. war doch Pippi Langstrumpf sein Vorbild. Ich bau mir meine Welt, sowie sie mir gefällt. Willkommen in der Wirklichkeit.
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