Protest gegen Gazprom: Greenpeace-Aktivisten entern Ölplattform

Der Streit um Ölbohrungen in der Arktis eskaliert: Greenpeace-Chef Kumi Naidoo hat zusammen mit fünf weiteren Aktivisten eine russische Ölplattform besetzt. Von der Gazprom-Crew wurden sie mit Eiswasser empfangen.

Greenpeace-Aktion in der Arktis: Aktivisten hängen 15 Stunden an Gazprom-Plattform Zur Großansicht
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Greenpeace-Aktion in der Arktis: Aktivisten hängen 15 Stunden an Gazprom-Plattform

Moskau - Zuerst gab es Suppe, dann wurden die sechs Mitglieder der Umweltschutzorganisation mit Eiswasser geduscht. Greenpeace-Chef Kumi Naidoo hat zusammen mit fünf weiteren Aktivisten 15 Stunden lang eine russische Gazprom-Ölplattform besetzt - aus Protest gegen die Ölbohrungen in der Arktis. Die Männer, darunter Deutsche, hätten sich mit Bergsteigerausrüstung befestigt, teilte der Staatskonzern Gazprom in Moskau am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Der Betrieb der Plattform nahe der Barentssee sei weitergegangen, hieß es.

Die Aktivisten seien von der Gazprom-Crew zunächst freundlich mit Suppe empfangen worden, twitterte Greenpeace-Chef Kumi Naidoo von vor Ort. Danach drehte sich offenbar die Stimmung. Nach Angaben von Naidoo seien die Greenpeace-Mitglieder an der Plattform hängend regelmäßig mit Eiswasser beschossen worden. Die Aktion wurde am Abend von den Umweltaktivisten beendet.

Gazprom wolle ohne Genehmigung bohren, twitterte der Greenpeace-Chef. Laut Information der Umweltschutzorganisation habe das Unternehmen keinen offiziell genehmigten Notfallplan für einen möglichen Ölunfall.

Das Gazprom-Projekt soll im kommenden Jahr in der Arktis beginnen. Auch die staatliche russische Ölfirma Rosneft arbeitet gemeinsam mit der Partnerfirma ExxonMobil in der Region, in der bislang noch keine Bohrungen vorgenommen wurden und in der einige der weltweit größten förderbaren Öl- und Gasvorkommen vermutet werden. Kritiker warnen, dass Bohrungen in dem Gebiet extrem riskant sind, da die Plattform das ganze Jahr über im Eis liegt und die Risiken weit höher seien als der Nutzen.

"Gazprom und Shell riskieren mit ihren Förderplänen ein einzigartiges Ökosystem. Früher oder später wird es in der Arktis zu einem Ölunfall kommen. Der einzige Weg, dies zu verhindern, ist ein generelles Verbot aller Bohrungen in der Arktis", sagte Naidoo in einer Erklärung.

Die Gazprom Bohrstelle in der Petschora See ist während rund neun Monaten pro Jahr mit dickem Meereis bedeckt, die Temperaturen können bis auf minus 50 Grad Celsius absinken. Käme es in der Petschora See zu einem Ölunfall, wäre eine Beseitigung des Öls nach Greenpeace-Einschätzung so gut wie unmöglich. Experten warnen, dass es bisher keine Methode gibt, einen großen Ölunfall in dieser Region zu beherrschen.

lei/dpa/AP/AFP

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Zur Person
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    Kumi Naidoo, Jahrgang 1965, ist seit 2009 Geschäftsführer der Umweltorganisation Greenpeace. Er wurde in Südafrika geboren, seine Vorfahren stammten aus Indien. Vor seiner Zeit bei Greenpeace kämpfte er in Organisationen wie Civicus, der Clinton Global Initiative, Amnesty International oder dem World Economic Forum gegen die Armut. In den achtziger Jahren kämpfte er gegen das Apartheid-Regime, wurde er 1986 verhaftet und floh 1989 ins Exil.

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