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Proteste: McDonald's zieht umstrittenen Fragebogen zurück

McDonald's verzichtet vorerst darauf, von seinen Franchisenehmern intime Auskünfte zu verlangen. Der Fast-Food-Konzern überprüft einen Fragebogen, in dem Vertragspartner ihr Privatleben offenlegen müssen. Datenschützer haben die Praxis für unzulässig erklärt.

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AP

McDonald's-Restaurant: Fragebogen wird überarbeitet

München - McDonald's sorgt sich offenbar um sein Image: Die Schnellrestaurantkette hat einen Fragebogen zurückgezogen, mit dem Bewerber für eine Vertragspartnerschaft überprüft werden. Das teilte ein Sprecher am Montag mit. "Wie wir ihn konkret abändern, können wir noch nicht final sagen, das hängt von den Ergebnissen der Überprüfung ab", teilte der Sprecher mit.

Nach SPIEGEL-Informationen verlangt neben McDonald's auch Subway von seinen Franchise-Partnern Einblick in die Intimsphäre und die politische Gesinnung. Wer Partner von Subway werden möchte, müsse zum Beispiel darüber Auskunft erteilen, ob er "jemals direkt oder indirekt an terroristischen Aktivitäten beteiligt" gewesen sei. McDonald's, mit 1333 Filialen Branchenführer in Deutschland, fordert von Franchise-Nehmern Angaben über nichteheliche Beziehungen, "körperliche Leiden" sowie über "Datum und Anlass der letzten ärztlichen Untersuchung".

Zunächst hatte McDonald's das Vorgehen noch verteidigt: "Mit dem Abschluss eines Franchise-Vertrags gehen McDonald's und der Franchise-Nehmer eine sehr weitreichende Geschäftsbeziehung mit 20- jähriger Vertragslaufzeit ein." Dies rechtfertige eine genaue und umfangreiche Prüfung, ob der Bewerber für diese Geschäftsbeziehung in Betracht komme. Man nehme aber die vom Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein geäußerte Kritik sehr ernst werde und wolle den Fragebogen mit den zuständigen Stellen zusammen überarbeiten.

cte/dpa

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Illustration Tim O'Brien für den SPIEGEL

Heft 10/2010:
Die Euro-Lüge

"Ein Mitgliedstaat haftet nicht für die Verbindlichkeiten eines anderen Mitgliedstaats"

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