Prozess gegen HSH-Vorstand: "Ein Geschäft mit vertretbaren Risiken"

Von

Ehemaliger HSH-Chef Berger (l.): "In keiner Weise an Vorbereitungen beteiligt" Zur Großansicht
DPA

Ehemaliger HSH-Chef Berger (l.): "In keiner Weise an Vorbereitungen beteiligt"

Im Untreueprozess gegen die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank weisen die Angeklagten die Vorwürfe zurück. Ex-Bankchef Berger will keine Details des umstrittenen Omega-Deals gekannt haben. Und der zuständige Investment-Chef Friedrich hält seine Entscheidung von damals immer noch für richtig.

Hamburg - Unterschiedlicher könnten die Angeklagten eigentlich nicht sein. Auf den ersten Blick stehen da zwar sechs Banker vor Gericht, die alle ihre Unschuld beteuern. Doch wenn die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank ihre Lebensläufe vortragen, wird deutlich, welche Kulturen damals aufeinandertrafen, im Schicksalsjahr 2007.

Da ist zum einen Hans Berger: Der damals 57-Jährige hat sich hochgearbeitet, vom einfachen Lehrling bei der Sparkasse Kiel zum Chef der mächtigen HSH Nordbank. Im Jahr 2007 hat er den Auftrag, die Landesbank fit für die Börse zu machen. Für die Bank heißt das: mehr Kreditgeschäfte - damit mehr Risiken. Eine Strategie, die das Institut am Ende an den Rand des Ruins bringen wird.

Als neue Vorstandsmitglieder hat Berger dazu zwei echte Experten bekommen: Jochen Friedrich etwa, Diplom an der Elite-Uni EBS in Oestrich-Winkel, Ausbildung bei der US-Bank JP Morgan. Er soll den wichtigen Kapitalmarktbereich leiten. Und Dirk Jens Nonnenmacher, Mathematikprofessor und Zahlengenie, der das Finanzressort übernimmt.

Vor dem geplanten Börsengang wollen alle Vorstände ihre Bank offenbar in möglichst gutem Licht dastehen lassen - und winken dazu Ende 2007 ein Geschäft durch, das ihnen bald zum Verhängnis wird: Omega 55, nennt sich der Deal. Dabei geht es, grob gesagt, um ein Doppelgeschäft mit der Pariser Großbank BNP Paribas: Die Franzosen sollen ein Paket aus Immobilien- und Rohstoffkrediten der HSH gegen Ausfall versichern - so will die Landesbank ihre Risiken aus der Bilanz loswerden. Im Gegenzug übernimmt sie aber neue Risiken: Über diverse Zweckgesellschaften garantiert sie für insgesamt 2,4 Milliarden Euro.

Fünfeinhalb Jahre später stehen die Ex-Manager deshalb in Hamburg vor Gericht - die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Untreue vor. Sie seien bei dem Omega-Geschäft wissentlich zu hohe Risiken eingegangen und hätten damit einen Schaden von 158 Millionen Euro verursacht.

Ein vorteilhaftes Geschäft

Der frühere Bankchef Berger ist der erste Angeklagte, der sich dazu äußert. Er sei "in keiner Weise an der Vorbereitung des Omega-55-Geschäfts beteiligt" gewesen, sagt Berger - und schiebt die Verantwortung anderen zu: der Rechtsabteilung etwa, auf deren Einschätzung er vertraut habe. Und seinem damaligen Kapitalmarktchef Friedrich.

Die Vorstandsvorlage zum Omega-Geschäft sei als Eilbeschluss gekennzeichnet und bereits von zwei anderen Vorständen abgesegnet gewesen, berichtet Berger. Seine eigene Unterschrift unter die verhängnisvolle Vorlage habe er "als Kenntnisnahme" gewertet. Er habe dabei nicht erkannt, dass die HSH die Risiken, die sie im ersten Teil der Transaktion loswurde, im zweiten Teil wieder zurücknahm. Stattdessen sei ihm der Deal als "ein Geschäft mit vertretbaren Risiken" vorgekommen.

Ganz anders Jochen Friedrich. Er habe genügend Know-how und Erfahrung gehabt, um das Geschäft beurteilen zu können, sagt der frühere Kapitalmarktchef der Bank vor Gericht. Und er hält seine Entscheidung von damals immer noch für richtig - zumindest nach damaligem Wissensstand. Wer hätte denn ahnen können, dass die Finanzkrise, die sich Ende 2007 allenfalls schleichend ankündigte, das Geschäft wenige Monate später zum Desaster werden ließ?

Fotostrecke

7  Bilder
Prozessbeginn: Die Angeklagten im HSH-Prozess
Der Kreditantrag zum Omega-Deal habe alle relevanten Informationen erhalten, sagt Friedrich. Es habe sich um ein "vorteilhaftes, strategiekonformes und steuerbares" Geschäft gehandelt. "Hätte ich auch nur den Verdacht gehabt, dass diese Transaktion der Bank schadet, hätte ich sie nicht gemacht."

Auch Dirk Jens Nonnenmacher äußert sich erstmals, allerdings nur zu seiner Person. Auffällig leise und beherrscht trägt der damalige Finanz- und spätere Vorstandschef seinen Werdegang vor - inklusive der späteren Rettung der Bank. Zur Sache will sich Nonnenmacher noch nicht äußern, doch einen kleinen Hinweis versteckt er bereits in seinem Lebenslauf: Als Finanzchef sei er nur an Großkrediten beteiligt gewesen, sagt Nonnenmacher. Und das Omega-Geschäft hatte die Bank offenbar nicht als Großkredit gekennzeichnet.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ausreden.
TS_Alien 29.07.2013
Das Geschäft war mit enormen Risiken verbunden. Dagegen versprach es nur einen geringen Gewinn (zumindest für die HSH). Wer als HSH-Banker ein solches Geschäft abschließt, der handelt grob fahrlässig oder sogar kriminell. Die Begründung der HSH-Banker ist schwach. Der damalige Kenntnisstand hat zumindest den Geschäftspartner der HSH nicht davon abgehalten, das Geschäft abzuschließen. Also war es auch für die HSH-Banker möglich, die Risiken zu kennen und korrekt einzuschätzen.
2. Wann darf man diese angeblichen Biedermänner endlich als
sorata 29.07.2013
Wann wird endlich auch gegen Ackermann und Jain ermittelt und Anklage erhoben?
3.
db1966 29.07.2013
Zitat von sysopIm Untreueprozess gegen die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank weisen die Angeklagten die Vorwürfe zurück.
Vor Gericht eine verständliche Reaktion. Allerdings bleibt zu hoffen, das Sie damit nicht durchkommen. Zum Glück für die Angeklagten findet der Prozeß nicht in den USA statt. Die Bank war niemals mächtig, sondern - typisch deutsch - höchstes völlig überdimensioniert. Ein Tummelplatz für Provinspolitiker. Große Bilanzsumme, große Risiken aber kleiner Gewinn. Dazu noch die völlig überbezahlten Pfeifen, die sich wahrscheinlich schon gebauchpinselt fühlten, als internationale Großbanken wichtige Geschäfte mit ihnen machten. Das man dabei mit dem Geld der Steuerzahler operierte und sich zudem über den Tisch hat ziehen lassen, hat natürlich keiner dieser 'genialen' Manager mitbekommen - Sparkasse Kiel und Goldman Sachs oder PNB ist halt nicht unbedingt die gleiche Liga. 'Völlig überraschend' kommt es dann zur Krise... Wahrscheinlich war der große Meister mit wichtigeren Dingen beschäftigt. 2,4 Mrd. ist ja für so eine 'mächtige' Bank auch eher Peanuts. Die Realität beweist das Gegenteil... Das ist wohl auch besser so, wenn man bedenkt, das Generationen von Steuerzahlern für diese Fehlentscheidungen noch werden zahlen dürfen, während sich die Franzosen und Amerikaner bestimmt noch heute über soviel Dummheit amüsieren. Neben der HSH haben sich ja auch WestLB, HRE und IKB international einen Ruf als die größten Schwachköpfe im Bankensektor erworben. Kaufen immer noch, wenn wirklich jeder weiss, das der Markt schon lange tot ist. Aber mit fremden Geld - zumal aus Steuermitteln spekuliert es sich bekanntlich leichter. Wo sitzen eigentlich die verantwortlichen Politiker - habe gar nicht gelesen, das diese auch angeklagt wären?
4. Ich hoffe
sitting-bull 29.07.2013
die Staatsanwälte holen sich Experten-Sachverstand hinzu. Ich würde den Rechtsprofessor Frank Partnoy empfehlen, der wie kaum ein anderer die verbrecherische Natur solcher Geschäfte kennt.
5.
pepe_sargnagel 30.07.2013
Zitat von sysopIm Untreueprozess gegen die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank weisen die Angeklagten die Vorwürfe zurück. Ex-Bankchef Berger will keine Details des umstrittenen Omega-Deals gekannt haben. Und der zuständige Investment-Chef Friedrich hält seine Entscheidung von damals immer noch für richtig. Prozess gegen Vorstand der HSH Nordbank: "Vertretbare Risiken" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prozess-gegen-vorstand-der-hsh-nordbank-vertretbare-risiken-a-913744.html)
Das Risiko ist betriebswirtschaftlich für die Bank sehr wohl vertretbar gewesen. Es ging darum möglichst hohen Gewinn zu machen - wobei das Risiko eh der Gesellscahfter (die Regierung, die keinen Skrupel hat den Steuerzahlern die Infrastruktur und Bildung verkommen zu lassen, aber private Gewinne zu sichern) trägt. Insofern kann man dieser Aussage, dass das "Risiko vertretbar war" schon auch verstehen. Es gab ja nie ein betriebswirtschaftliches Risiko - man könnte also sogar behaupten, dass das Geschäft risikolos war! Muss der Bankchef über alles informiert werden? Auch über die Details? Reicht es nicht, wenn der zuständige Resortleiter die genauen Details kennt? Nur mal eine Frage, die man auch benatworten muss. Es kennt ja auch nicht jeder Chef eines Großkonzerns alle seine Mitarbeiter - und deswegen muss er ihnen auch vertrauen können. Jedoch muss er ihnen dann auch einen gerechten Lohn bezahlen, denn sonst werden die seinem Vertrauen nicht unbedingt gerecht. Und heute ist es üblich die Verantowrtung immer weiter nach unten zu verschieben, während die Oberen immer mehr Gehalt für Ihre Verantwortung erhalten... Das muss zum Crash führen; aber auch zu Recht! Diese Debatte muss mal ehrlich geführt werden: Kein Chef eines Großkonzerns kann überwachen welche Glühbirne gewechselt wird oder welchen Kredit eine Bank an einen Geschäftskunden vergibt. Das sind zu viele Geschäfte, um sie alle überwachen zu können. Was ist die originäre Aufgabe eines Chefs? Unaufgeregt muss man das mal erheben (am besten die Chefs fragen), diskutieren und einordnen (Forscher und Gewerkschafter bzw. Sachkundige). Bitte ohne Politiker, denn die reden wie die Fahne im Wind mal so und mal so... Das braucht keiner in einer unaufgeregten und sahlichen Debatte.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema HSH Nordbank
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 6 Kommentare