Sanktionen gegen Russland Putin will Milliarden-Krisenfonds für Unternehmen gründen

Die Sanktionen des Westens machen russischen Firmen zu schaffen. Die Regierung in Moskau kündigt nun Abhilfe an. Sie will einen Krisenfonds in Milliardenhöhe gründen.

Putin zu Besuch an einem Rosneft-Standort (Archiv): Milliarden für Energieriesen
AFP

Putin zu Besuch an einem Rosneft-Standort (Archiv): Milliarden für Energieriesen


Moskau - Den künftigen Rentnern wird genommen, den Unternehmen gegeben: So lässt sich der neue Anti-Krisen-Plan von Präsident Wladimir Putin kurz zusammenfassen. Die Regierung in Moskau will 2015 einen Fonds in Milliardenhöhe aus der Taufe heben, der die Firmen stützen soll, die unter den Sanktionen des Westens leiden. Mittel, die eigentlich für die Rentenkasse bestimmt sind, sollen umgeleitet werden. Zudem sollen einige Gelder, die im diesjährigen Etat "übrig bleiben", ebenfalls abgezweigt werden, wie Finanzminister Anton Siluanow am Montag Nachrichtenagenturen zufolge sagte.

Wie groß der Anti-Krisen-Topf sein soll, ließ Siluanow offen. Ihm zufolge könnten umgerechnet mehr als sechs Milliarden Euro durch die gestoppten Zahlungen an die Rentenkasse freigeschaufelt werden, selbst wenn man nicht die ganze Summe verwenden wolle. Aus dem Etat ließen sich umgerechnet mindestens weitere zwei Milliarden Euro gewinnen.

Die EU hatte am Freitag neue Sanktionen gegen Russland in Kraft gesetzt, die sich vor allem gegen den Energie-, Rüstungs- und Finanzsektor richten. Außerdem belegte die EU weitere russische Politiker mit Kontensperrungen und Einreiseverboten. Auch die USA haben ihre Sanktionen verschärft. "Die Stärke Russlands wird durch die Sanktionen getestet", sagte Premierminister Dmitrij Medwedew am Montag.

Einige Unternehmen haben die Regierung in Moskau um Hilfe gebeten, weil sie durch die Sanktionen schlechteren Zugang zum Kapitalmarkt haben. Unter anderen hat der russische Energieriese Rosneft nach einer Unterstützung in Höhe von 1,5 Billionen Rubel (rund 30 Milliarden Euro) verlangt.

Der Westen wirft Russland vor, mit eigenen Soldaten in den Konflikt im Osten der Ukraine einzugreifen und die prorussischen Separatisten militärisch zu unterstützen. Die Regierung in Moskau bestreitet dies. In den vergangenen Monaten wurden bei den Kämpfen mehr als 2700 Menschen getötet, mindestens 500.000 ergriffen die Flucht.

Dennoch kommen die Sanktionen auch im Westen nicht nur gut an. "Wir schaden uns zunehmend selbst", schimpft der Chef des Ost-Ausschusses, Eckhard Cordes - und warnt vor einer "gefährlichen Sanktionsspirale".

yes/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 81 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Immanuel_Goldstein 15.09.2014
1. Ist doch in Ordnung
Wenn Putin Steuergelder für Unternehmen ausgeben will, dann ist das absolut in Ordnung. Das Geld fehlt ihm dann schon bei der Rüstung für den Einmarsch in die Ukraine. Krisenfonds für russische Unternehmen? Das ist der richtige Weg. Die Sanktionen wirken.
alpha.1 15.09.2014
2. So war das eigentlich nicht gedacht
Die Sanktionen sollten ja eigentlich wirklich die Oligarchen treffen, die Putin dann zu einem Kurswechsel zwingen müssten. Naja, jetzt müssen eventuell eben die leiden, die eh schon nichts haben - ich weiß nicht, ob alle hier wissen, wie ein durchschnittlicher Rentner in Russland lebt. Solange dies möglich sein wird, wird es wahrscheinlich auch keine weiteren Fortschritte geben. Mir tun nur die Rentner leid.
gollygee01 15.09.2014
3. wer immer noch
an dem Sinn von Sanktionen gegen Putins Russland zweifelt, der möge auch folgende Artikel lesen: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/moskau-fuer-die-familie-und-neurussland-13150391.html http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/wie-putin-seit-jahren-seine-grossmachtplaene-umsetzt-13139437.html
thomas.slowhand 15.09.2014
4. Milliarden-Hilfsfond?
Toll, das kann Putin ja dann von seinen eigenen (nach unbestätigten Berichten) Privatvermögen von ca. 29 Milliarden US$ bezahlen. Schließlich hat er die ganze Malaise ja auch angezettelt...
carahyba 15.09.2014
5. Umleitungen ...
Putin schafft einen Hilfsfond. Damit sichert er sich die Kontrolle über die relevanten Teile der russischen Wirtschaft, die noch nicht der vollständigen Kontrolle des Kreml unterlagen. Für den innerwirtschaftlichen Bereich schöpfen die russischen Banken Kreditgeld, für aussenwirtschaftliche Zwecke holt sich Russland nun Geld von Finanzmärkten aus Asien. Die benötigten Güter werden natürlich dann auch von dort geliefert. Einige Güter werden dann aus Baden-Würtemberg nach Hong-Kong geliefert, die aber da nicht unmittelbar gebraucht werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.