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15. Februar 2013, 16:30 Uhr

Neue Bohrtechnik

Öl-Fracking soll globalen Wachstumsschub bringen

Die Förderung von Öl durch Fracking ist umstritten, vor allem in Deutschland. Doch das wirtschaftliche Potential ist groß: Laut einer Studie könnte die neue Bohrmethode bis zu zwölf Prozent zur globalen Versorgung beitragen - und den Ölpreis drastisch senken.

Frankfurt am Main - Zum sogenannten Fracking gibt es zwei Sichtweisen: Die Folgen für die Umwelt wären nach Ansicht von Naturschützern verheerend. Die globale Wirtschaft dagegen bekäme nach Ansicht von Wirtschaftsberatern einen Wachstumsschub. Einer Studie des Wirtschaftsberatungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers (PwC) zufolge hat Fracking das Potential, den Ölpreis weltweit zu senken.

Mehr noch: Die Förderung von Schieferöl könnte einen weltweiten Wachstumsschub auslösen. Dank der günstigeren Ölversorgung könnte die globale Wirtschaftsleistung im Jahr 2035 um bis zu 2,7 Billionen Dollar oder 3,7 Prozent höher liegen als bisher vorhergesagt. Durch das zusätzliche Angebot könnte der Ölpreis um 25 bis 40 Prozent unter der bisherigen Prognose von 133 Dollar je Barrel (159 Liter) liegen.

Das Fracking ölhaltiger Gesteinsschichten habe das Potential, bis zu zwölf Prozent zur globalen Ölversorgung beizutragen und den Erdölmarkt zu revolutionieren. "Länder mit großen Schieferöl- und Schiefergasvorkommen wie die USA und China könnten dazu beitragen, dass der Ölpreis für alle Verbraucher sänke", sagte PwC-Chefvolkswirt John Hawksworth in Frankfurt.

Unter Fracking versteht man eine Fördermethode, bei der Gas und Öl unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien aus tiefen Gesteinsschichten gesprengt werden. In Europa und vor allem in Deutschland sind die Gegner dieser Fördermethode zahlreich. Die schwarz-gelbe Bundesregierung will die Voraussetzungen für das umstrittene Fracking noch im Wahljahr festlegen. Andere Länder, vor allem die USA, haben deutlich weniger Bedenken und erschließen ihre Vorkommen bereits mit voller Kraft.

"Während das Fracking in Nordamerika gängige Praxis ist, werden Schieferölvorkommen in Europa wegen massiver Umweltbedenken kaum erschlossen", sagt PwC-Energieexperte Norbert Schwieters.

Doch auch indirekt würden Industriestaaten und Schwellenländer von der Förderpraxis in anderen Ländern profitieren. So prognostiziert die Studie für die deutsche Volkswirtschaft bis 2035 dank der weltweiten Schieferölvorkommen ein zusätzliches Wachstum von 2,5 bis 4,7 Prozent. In Japan könnte das BIP um bis zu 6,8 Prozent und in Indien sogar um 7,3 Prozent höher liegen als bislang geschätzt. Verlierer der Entwicklung wären PwC zufolge Exportstaaten wie Russland und der Nahe Osten.

Das Fracking hat in den Vereinigten Staaten einen neuen Energieboom ausgelöst. Rohöl ist in den USA mittlerweile um 20 Dollar je Barrel (159 Liter) günstiger als in Europa; die Förderung ist um 19 Prozent gestiegen, und die Importe gehen zurück. Auch Gas ist nicht einmal mehr halb so teuer wie vor wenigen Jahren. Deshalb siedeln sich wieder verstärkt energieintensive Industrieunternehmen in den USA an.

nck/ssu/dpa

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