Düsseldorf - Einst war Q-Cells der größte deutsche Solarkonzern - nun steht das Unternehmen vor der Pleite. Am Dienstagmittag hat die Firma beim Amtsgericht Dessau Insolvenzantrag eingereicht, wie ein Sprecher des Gerichts bestätigte.
Wie viele der insgesamt 2200 Mitarbeiter um ihren Job bangen müssen, ist noch unklar. Das seit langem kriselnde Unternehmen will sich nach eigenen Angaben unter Gläubigerschutz in Eigenregie sanieren. Im vergangenen Jahr hatte der einstige Börsenstar einen Verlust von rund 846 Millionen Euro angehäuft.
Eigentlich hatte das Q-Cells-Management noch einen Sanierungsplan in der Schublade. Die Firma wollte sich unter anderem dadurch sanieren, dass Anleihe-Gläubiger dem Unternehmen einen Zahlungsaufschub gewähren und auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollten. Doch ein Gerichtsurteil zu einem ähnlichen Fall beim inzwischen insolventen Holzverarbeiter Pfleiderer
hatte die Q-Cells-Führung umsteuern lassen. Sie sah keine Alternative mehr zur Insolvenz.
Auch Phoenix Solar kämpft um Finanzierung
Die Insolvenz von Q-Cells ist bereits die vierte größere Pleite in der deutschen Solarbranche. Und der Niedergang deutscher Solarfirmen geht weiter. Auch das Photovoltaik-Unternehmen Phoenix Solar
kämpft angesichts der geplanten Kürzung der Solarförderung um seine Finanzierung. Die Verhandlungen mit den Gläubigern über eine Finanzierung verzögerten sich, teilte das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Sulzemoos mit. Grund dafür seien Änderungen im Umbauplan wegen massiver Einschnitte bei der Förderung "in einigen Schlüsselmärkten". Ein "Stillhalteabkommen" mit den Gläubigern sei verlängert worden, erklärte die Firma.
Eine Unternehmenssprecherin sagte, die Firma habe im dritten Quartal bestimmte Konditionen für die Aufrechterhaltung eines Kredits nicht mehr erfüllt. Damals reduzierte das Unternehmen seine Prognose deutlich, Lagerbestandsabwertungen ließen hohe Verluste erwarten. Daher habe sich Phoenix Solar mit den Banken darauf geeinigt, ein Restrukturierungskonzept vorzulegen, auf dessen Basis die Finanzierung bis Ende Februar neu geregelt hätte werden sollen. Dies habe sich wegen der angekündigten Förderungskürzungen für die Solarenergie nun verzögert.
Die Anleger reagierten angesichts der Serie von schlechten Nachrichten in der Solarbranche nervös. Die Phoenix-Aktien brachen am Dienstag zeitweilig um mehr als 30 Prozent ein.
Phoenix Solar ist ein Großhändler für Solaranlagen und Projektentwickler für Großkraftwerke und hat weltweit 250 Mitarbeiter.
ssu/dpa/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Q-Cells | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH