Boykottaufruf von Ver.di Top-Manager von Qatar Airways schreibt Wutbrief an Bundestag

Die Bundestagsabgeordneten haben einen geharnischten Brief erhalten: Ein Manager von Qatar Airways geht darin laut einem Zeitungsbericht die Gewerkschaft Ver.di an. Deren Chef Bsirske hatte zum Boykott der Airline aufgefordert.

Dreamliner der Qatar Airways: Manager beschwert sich über Bsirske
REUTERS

Dreamliner der Qatar Airways: Manager beschwert sich über Bsirske


Berlin - Marwan Koleilat, Manager bei Qatar Airways, hat einen Brief an alle Abgeordneten des deutschen Bundestages verschickt. Darin bezeichnet er einen Boykott-Aufruf von Ver.di-Chef Frank Bsirske gegen die Fluggesellschaft als "völlig inakzeptabel und unlauter". Wegen der anhaltenden Kritik an den Arbeitsbedingungen hatte Bsirske Ende Juni von allen Abgeordneten den Verzicht auf Flüge mit Qatar Airways gefordert.

In dem Brief von Qatar Airways, aus dem die "Bild"-Zeitung zitiert, heißt es: "Bitte lassen Sie sich nicht von Ver.dis Diffamierungskampagne irreführen und folgen Sie nicht dem Boykottaufruf." Der Manager schreibt weiter, die Gewerkschaft verhalte sich "unverhältnismäßig und rechtswidrig", sie würde "diffamieren" und "schädigen". Der Boykottaufruf sei "gänzlich unverhältnismäßig und letztlich rechtswidrig".

Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, bei der Airline müssten Angestellte mit dem Arbeitsvertrag in eine fünf Jahre lange Heiratssperre und die sofortige Kündigung bei Schwangerschaft einwilligen. Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und die Internationale Transportarbeiterförderung (ITF) monierten Verstöße gegen das Diskriminierungsverbot.

Daraufhin schrieb Bsirske an alle Abgeordneten: "Fliegen Sie nicht mit Qatar Airways, solange dort Arbeitnehmer/innenrechte missachtet werden." Damit sollten die Abgeordneten den Kampf um gute Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer weltweit unterstützen.

Doch Qatar Airways sieht die Vorwürfe als unbegründet an: "Die pauschalen Anschuldigungen sind nicht haltbar", zitiert die "Bild"-Zeitung aus dem Brief. Ver.di habe weder die Fakten geprüft noch habe die Gewerkschaft Mitglieder, die mit der Airline in Verbindung stünden: "Erst recht kann sich Ver.di nicht über internationale Konventionen hinwegsetzen und einen Boykott gegen ein mitgliederfremdes, internationales Unternehmen ausrufen", so Koleilat. Die Gewerkschaft wolle dem Unternehmen wirtschaftlich schaden und befördere kulturelle Vorurteile.

mia

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insgesamt 84 Beiträge
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Seite 1
tulius-rex 30.07.2014
1. nur so am Rande
An alle, die immer so auf die EU schimpfen: solche von Ver.di zu Recht kritisierten schlechten Arbeitsbedingungen gibt es in der EU nicht, bzw. wären beim EuGH justitiabel.
Immanuel_Goldstein 30.07.2014
2.
Zitat von sysopREUTERSDie Bundestagsabgeordneten haben einen geharnischten Brief erhalten: Ein Manager von Qatar Airways geht darin laut einem Zeitungsbericht die Gewerkschaft Ver.di an. Deren Chef Bsirske hatte zum Boykott der Airline aufgefordert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/qatar-airways-schreibt-brief-an-bundestag-wegen-ver-di-boykottaufruf-a-983626.html
Hat der Herr Manager Marwan Koleilat, denn auch die Vorwürfe widerlegt? Gibt es nun die Heiratssperre und die Fristlose Kündigung bei Schwangerschaft und ähnliche Schweinereien, oder gibt es all diese Dinge bei Qatar Airways nicht? Das muss doch erstmal beantwortet werden, ehe man Wutbriefe schreibt. Sonst wird man wohl kaum ernst genommen.
StörMeinung 30.07.2014
3.
Zitat von sysopREUTERSDie Bundestagsabgeordneten haben einen geharnischten Brief erhalten: Ein Manager von Qatar Airways geht darin laut einem Zeitungsbericht die Gewerkschaft Ver.di an. Deren Chef Bsirske hatte zum Boykott der Airline aufgefordert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/qatar-airways-schreibt-brief-an-bundestag-wegen-ver-di-boykottaufruf-a-983626.html
Katar verdient Sanktionen wegen der Unterstützung des internationalen Terrorismus. Dies sollen mal schön die Klappe halten.
earl grey 30.07.2014
4. Etwas gewagt...
Zitat von sysopREUTERSDie Bundestagsabgeordneten haben einen geharnischten Brief erhalten: Ein Manager von Qatar Airways geht darin laut einem Zeitungsbericht die Gewerkschaft Ver.di an. Deren Chef Bsirske hatte zum Boykott der Airline aufgefordert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/qatar-airways-schreibt-brief-an-bundestag-wegen-ver-di-boykottaufruf-a-983626.html
Da ist ver.di wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen. Ohne rechtsgültige Beweise ist so ein Boykott-Aufruf schon eine harte Nummer. Mal schauen, wie die aus der Nummer wieder herauskommen...
wolle0601 30.07.2014
5. Fakten?
Sagt denn Qatar Airlines, daß deren Arbeitsverträge solche Klauseln nicht enthalten? Vielleicht hab ichs ja nur überlesen....
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