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Quartalsbericht: Bank of America schockiert mit Milliardenverlust

Wechselbad der Gefühle: Goldman Sachs und JP Morgan überraschten mit Quartalsgewinnen in Milliardenhöhe, auch die Citigroup schnitt trotz Verlusten besser ab als erwartet. Am Freitag jedoch machte die Bank of America mit einem unerwartet hohen Verlust jede aufkommende Euphorie zunichte.

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Werbebanner der Bank of America: Schock für die Finanzmärkte

Charlotte - Für die Finanzmärkte war es ein regelrechter Schock: Das größte US-Institut verlor nach Angaben vom Freitag wegen der Ausfälle bei Konsumentenkrediten im dritten Quartal eine Milliarde Dollar. Unter dem Strich summierte sich der Verlust auf mehr als 2,2 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro), wie der Konzern am Freitag am Sitz in Charlotte (North Carolina) bekanntgab. Ein Jahr zuvor hatte die zu den größten US-Instituten zählende Bank noch einen Gewinn von 704 Millionen Dollar erwirtschaftet.

Der jetzt bekannt gegebene Verlust fiel deutlich höher aus als von Experten erwartet. Auch mit Einnahmen von 26,4 Milliarden Dollar blieb die BoA hinter den Erwartungen der Börsianer zurück.

Die zuletzt von guten Quartalsergebnissen verwöhnten Aktienmärkte reagierten mit deutlichen Verlusten auf die Zahlen. In Frankfurt drehte der Dax ins Minus. Im vorbörslichen Handel in New York gaben die Titel der Bank of America Chart zeigen etwa vier Prozent nach, auch die Aktien von Rivalen wie der Citigroup Chart zeigen büßten einen Teil ihres Wertes ein.

Erst am Donnerstag hatte die Citigroup die Anleger mit Kreditausfällen von acht Milliarden Dollar daran erinnert, dass die Nachwehen der Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden sind. Unter dem Strich war der Verlust bei der ehemals weltgrößten Bank jedoch geringer ausgefallen als befürchtet.

Empörung über Millionenabfindung für Lewis

Goldman Sachs Chart zeigen und JP Morgan hatten dagegen in dieser Woche die Erwartungen der Märkte mit ihren Ergebnissen übertrumpft.

Die Bank of America steht massiv unter Druck, weil sie sich unter anderem bei der spektakulären Milliardenübernahme der Investmentbank Merrill Lynch Chart zeigen vor rund einem Jahr verhoben hat. In Rechtsstreits wird ihr zudem vorgeworfen, ihre Aktionäre falsch informiert zu haben.

Konzernchef Kenneth Lewis hat bereits seinen Rücktritt zum Jahresende erklärt. Obamas neuer "Bonuswächter" Kenneth Feinberg drängte Lewis nun zum Verzicht auf seine Vergütung für das laufende Jahr, wie ein Sprecher der Bank dem "Wall Street Journal" bestätigte. Auf Gehaltsansprüche aus früheren Jahren hatte Feinberg rechtlich keinen Zugriff: Ein in der Finanzkrise eigens dazu erlassenes Gesetz greift erst ab diesem Jahr.

Mehr als eine Million Dollar, die der Top-Banker bereits bekommen hat, muss er jetzt zurückzahlen. "Herr Lewis hatte das Gefühl, dass es nicht im besten Interesse der Bank of America gewesen wäre, sich mit dem Gehaltskontrolleur zu streiten", sagte der Sprecher der Bank.

Der 62-jährige Lewis verlässt die zu den größten US-Instituten zählende Bank of America dennoch als reicher Mann: Sein Paket aus Rentenansprüchen und anderen Aktienoptionen sei zwischen 69 und 120 Millionen Dollar wert, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider.

mik/Reuters/dpa

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Forum - Bonus trotz Staatshilfe?
insgesamt 943 Beiträge
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1.
Reziprozität 15.07.2009
Zitat von sysopStaatsgeld in Anspruch nehmen, aber dem Chef hohe Boni zahlen: Das Vorgehen der angeschlagenen HSH Nordbank empört Finanzminister Peer Steinbrück. Bonuszahlungen trotz Krise und Staatshilfe?
Ganz eindeutig: Nein! Was hat btw. die HSH Nordbank eigentlich im DeserTec-Konsortium zu suchen? Sollen die nicht die Kreditfinanzierung fuer den Mittelstand im Norden absichern?
2.
dhanz, 15.07.2009
Zitat von sysopStaatsgeld in Anspruch nehmen, aber dem Chef hohe Boni zahlen: Das Vorgehen der angeschlagenen HSH Nordbank empört Finanzminister Peer Steinbrück. Bonuszahlungen trotz Krise und Staatshilfe?
Natürlich NEIN. Für die Zukunft muß man mit den Vorständen Verträge aushandeln, die die Möglichkeit von Bonuszahlungen STRENG an den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens koppeln.
3. Bonus trotz Staatshilfe?
der_pfau 15.07.2009
Und damit offenbart sich wieder eine alte Erkenntnis. Wer dreist genug ist, dem füllt man die Taschen. Hat den wirklich jemand gedacht, wir kehren von der freien zur sozialen Marktwirtschaft zurück?
4.
japan10 15.07.2009
Zitat von sysopStaatsgeld in Anspruch nehmen, aber dem Chef hohe Boni zahlen: Das Vorgehen der angeschlagenen HSH Nordbank empört Finanzminister Peer Steinbrück. Bonuszahlungen trotz Krise und Staatshilfe?
HSH Nordbank ist doch ganz was besonderes. Da hat man einen Wirtschaftsmann als Minister und dieser wird rausgeekelt. Es zeigt, wie Machtlos doch unsere Politiker gegen diese Leute sind.
5.
boell 15.07.2009
Zitat von sysopStaatsgeld in Anspruch nehmen, aber dem Chef hohe Boni zahlen: Das Vorgehen der angeschlagenen HSH Nordbank empört Finanzminister Peer Steinbrück. Bonuszahlungen trotz Krise und Staatshilfe?
Ich finde das ganz in Ordnung. Schliesslich tun diese studierten Betriebswirte etwas mit ihren systemtragenden Banken für den Aufschwung der freien Kräfte des Marktes, ergo haben sie alle Unterstützung nötig und sei es in Form von Boni. Neid hilft nicht weiter, sondern Applaus.
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Die neuen Regeln für Manager
Vergütungshöhe
Der Aufsichtsrat soll künftig bei der Festlegung der Bezüge darauf achten, dass sie im angemessenen Verhältnis zur Lage des Unternehmens und - das ist neu - zur Leistung des Vorstands und der sonst "üblichen Vergütung" stehen. Übliche Vergütung meint, dass das Gehalt im Vergleich innerhalb der Branche, aber auch im Unternehmen selbst im Rahmen bleiben muss.
Langfristanreize
Vor allem müssen "langfristige Verhaltensanreize zur nachhaltigen Unternehmensentwicklung" gesetzt werden. Dies ist eine direkte Lehre aus der Finanzmarktkrise, die durch die Gier in vielen Chefetagen nach kurzfristigen Boni zumindest verschärft worden war. Konkret wird festgeschrieben, dass Aktienoptionen erst nach vier statt bisher zwei Jahren eingelöst werden dürfen.
Herabsetzung
Der Aufsichtsrat soll neuerdings die Bezüge herabsetzen, wenn sich die Lage des Unternehmens verschlechtert. Das alte Recht stellte dies ins Ermessen des Gremiums.
Festlegung
Künftig muss der Aufsichtsrat selbst über die Vorstandsverträge befinden. Eine Delegation an einen Ausschuss, wo bislang meist die Gespräche stattfanden, ist untersagt. Die Hauptversammlung soll zudem das Recht haben, über die Vergütungen zu debattieren und Beschlüsse zu fassen - die allerdings nicht rechtlich verbindlich sein sollen. Ferner sollen künftig die Ruhestandsgehälter von ausgeschiedenen Vorständen veröffentlicht werden. Die entsprechende Transparenzvorschrift wird erweitert.
Managerhaftung
Die Top-Manager sollen künftig auf einem Teil der Schäden, die sie verursachen, selbst sitzen bleiben. Gegenwärtig stellen sie Versicherungen, deren Prämien von ihren Gesellschaften bezahlt werden, von der Haftung in der Regel frei. Künftig wird ein Selbstbehalt von zehn Prozent eingeführt. Vorstände können dann maximal mit dem Anderthalbfachen ihres Jahreseinkommens zur Kasse gebeten werden.
Wechselverbot
Für börsennotierte Aktiengesellschaften - also nicht Aktiengesellschaften in Familienbesitz - wird ein zweijähriges Verbot des Wechsels vom Vorstand in den Aufsichtsrat eingeführt. Damit soll eine effektivere Kontrolle des Unternehmens erreicht werden. Ausnahme: Der Vorschlag erfolgt von Aktionären, die zusammen mindestens 25 Prozent der Anteile halten.


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