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23. Juli 2013, 23:41 Uhr

Quartalszahlen

Apple macht deutlich weniger Gewinn

22 Prozent weniger: Zum zweiten Mal in Folge verzeichnet der US-Konzern Apple einen Gewinnrückgang. Der Umsatz stagnierte im dritten Quartal. Die Anleger waren dennoch erleichtert - sie hatten mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet.

Cupertino - Die Zahlen waren mit einigem Bangen erwartet worden: Der kalifornische Tech-Konzern Apple erwirtschaftete im dritten Quartal des Geschäftsjahres (bis Ende Juni) einen Gewinn von 6,9 Milliarden Dollar (5,3 Milliarden Euro). Das waren 22 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Der Umsatz des iPhone- und iPad-Herstellers lag bei 35,3 Milliarden Dollar und damit kaum höher als im Vorjahr. Dies teilte der Konzern am Dienstag nach Börsenschluss am Firmensitz in Cupertino mit.

Anleger nahmen die Zahlen dennoch mit Erleichterung auf. Analysten hatten im Durchschnitt nur mit einem Umsatz von 35,02 Milliarden Dollar gerechnet.

Apple verkaufte in den drei Monaten 31,2 Millionen iPhones, im Vergleich zu 26 Millionen vor einem Jahr. Dagegen schrumpfte die Zahl der insgesamt abgesetzten iPads von 17 auf 14,6 Millionen. Auch der Absatz an Mac-Computern ging leicht zurück - von 4 auf 3,8 Millionen.

Im dritten Geschäftsquartal sind Apples Verkäufe traditionell schwächer. Denn der Konzern stellt gewöhnlich im Herbst die neue Variante seines iPhones vor. Viele potentielle Käufer warten darauf, statt sich die laufenden Produkte zu besorgen - was Apples Absatz mindert. Ähnliches gilt für Apples iPad; hier wird die nächste Version in der Weihnachtszeit erwartet.

Zudem hat Apple mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Mit seinen Smartphones und Tablets hat der Konzern zwei neue Produktkategorien massenmarktfähig gemacht - und jahrelang von seiner Position als Pionier profitiert: Apple hatte einen gewaltigen Marktanteil und konnte für seine iPhones und iPads exorbitant hohe Preise verlangen und begeisterte die Börse mit Umsatzrenditen von bis zu 25 Prozent.

Doch inzwischen ist der Verkauf von Smartphones und Tablets ein Massenmarkt. In diesem verliert Apple im Hardwaresegment zusehends Marktanteile an den Smartphone-und-Tablet-Hersteller Samsung; das Software-Segment wird immer stärker von Googles Betriebssystem Android dominiert.

Apples Absätze wachsen dadurch langsamer, zudem drückt die neue Konkurrenz die Preise. Apple muss mit günstigeren Versionen seiner Geräte reagieren. In der Folge fällt die Umsatzrendite des Konzerns.

260 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet

Anleger sind deshab inzwischen weniger euphorisch. In den vergangenen zehn Monaten stürzte die Apple-Aktie von ihrem Höchststand von rund 705 Dollar auf rund 425 Dollar ab - ein Minus von rund 40 Prozent. Das Unternehmen büßte dadurch rund 260 Milliarden Dollar an Börsenwert ein. Im nachbörslichen Handel am Dienstag legte die Aktie um vier Prozent zu, weil Apple die heruntergeschraubten Erwartungen der Analysten übertroffen hatte.

Damit die Aktie wieder in exorbitante Höhen steigt, müsste Apple nach Ansicht vieler Branchenexperten noch einmal Außergewöhnliches leisten. Sprich: erneut eine Branche revolutionieren. Apple muss beweisen, dass es auch ohne seinen vor zwei Jahren verstorbenen visionären Chef Steve Jobs noch immer Produkte erschaffen kann, die die Welt verändern.

Es gibt wachsende Zweifel, dass das gelingt. Gerüchten zufolge arbeitet der Konzern vor allem an zwei Produkten. Das eine ist eine internetfähige Uhr - die aber auch Samsung und andere Konzerne bereits bauen. Das andere ist angeblich ein völlig neuartiges TV-Gerät. Dieses hat sich noch Steve Jobs ausgedacht, und es wird seit mehreren Jahren darüber spekuliert - erschienen ist bisher nichts.

Das Innovativste, was Apple derzeit zu bieten hat, sind die Tricks, mit denen der Konzern seine eigene Steuerlast um mehrere Milliarden Euro drückt. Die zuständigen US-Steuerbehörden attestierten Apple kürzlich, der Konzern habe "den heiligen Gral der Steuervermeidung finden wollen". Entstanden ist auch diese "Innovation" unter Steve Jobs.

ssu

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