Redmond - Der weltgrößte Software-Konzern
Microsoft
hat ein besseres Quartalsergebnis bekanntgegeben als erwartet. Im letzten Geschäftsquartal vor dem gerade gestarteten Windows-Vista-Nachfolger fiel der Überschuss um 18 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz gab um 14 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar nach.
Das gab der US-Konzern am Freitag bekannt.
Die Zahlen für das Ende September abgeschlossene erste Geschäftsquartal 2009/2010 fielen damit deutlich besser aus, als Analysten zuvor im Schnitt geschätzt hatten. "Wir sind sehr zufrieden mit unserem Ergebnis und besonders mit der starken Nachfrage nach Windows", sagte Microsofts Finanzchef Chris Liddell. Details zu den Unternehmenszahlen will Microsoft später in einem Webcast bekanntgeben.
Die Börse reagierte positiv auf die Zahlen: Die Aktie sprang im vorbörslichen US-Handel deutlich ins Plus.
Vor allem im Vergleich zum desaströsen vierten Geschäftsquartal ist Microsofts Ergebnis gut. Seinerzeit war der Gewinn um fast 30 Prozent auf drei Milliarden Dollar eingebrochen. Der Umsatz fiel um 17 Prozent auf 13,1 Milliarden Dollar. Erstmals seit dem Börsengang 1986 beendete Microsoft damit ein Geschäftsjahr mit einem Umsatz-Minus. Neben dem Windows-Segment traf es besonders die umsatzstärkste Sparte mit den Office-Büroprogrammen.
Hoffnungen auf Windows 7
Angesichts der Krise hatte Microsoft zuletzt massiv gespart und erstmals in seiner Geschichte Stellen gestrichen. Der Konzern will weiter Disziplin halten. Microsoft kündigte für das laufende Geschäftsjahr weniger Ausgaben als bisher geplant an.
Nach den Verwerfungen der vergangenen Monate setzt Microsoft nun alle Hoffnung auf sein neues Betriebssystems Windows 7 (siehe Fotostrecke). Microsoft-Manager Kevin Turner sprach bei Bekanntgabe der aktuellen Unternehmenszahlen von einem "Meilenstein" für Microsoft.
Experten attestieren dem Betriebssystem tatsächlich gute Erfolgschancen - zumal viele Nutzer den gefloppten Vorgänger Windows Vista ausgelassen haben. Es wird erwartet, dass sich viele Kunden weltweit in den kommenden Monaten neue Rechner kaufen - und dass Microsoft davon profitiert.
PC-Markt vor dem Umbruch
Gleichzeitig merken Experten aber auch an, dass der Computermarkt durch die erhöhte Bedeutung von Cloud Computing und dem mobilen Zugriff aufs Internet gewaltige Umbrüche durchmacht. Windows beherrscht den Markt für Betriebssysteme mit einem Anteil von weltweit gut 95 Prozent. Microsoft bekommt aber zunehmend Konkurrenz.
Vor allem die Nutzung der Endgeräte ändert sich rapide - was das Geschäftsfeld der Betriebssysteme insgesamt verändert. Der gute alte PC dürfte in den kommenden Jahren drastisch an Bedeutung verlieren. Gefragt ist, was klein, mobil und billig ist: schlaue Handys, mit denen man im Internet surfen kann (Smartphones) oder abgespeckte Laptops mit langen Akkulaufzeiten (Netbooks).
Im Smartphone-Bereich steht Microsoft schlecht da - im Netbook-Bereich wächst die Konkurrenz. Zudem drückt der Siegeszug dieser Geräte die Preise für Betriebssysteme, denn Netbooks müssen vor allem billig sein. In Microsofts Quartalszahlen von Ende Juni zeichnete sich dieser Trend bereits deutlich ab.
In den kommenden Jahren muss sich Microsoft daher umorientieren, neuen Anforderungen für Betriebssysteme gerecht werden und sich gerade im Cloud-Computing-Segment neue Geschäftsfelder erschließen. Experten attestieren dem Software-Riesen dabei gute Chancen - merken aber auch an, dass das Monopol, das der Konzern derzeit noch hält, im veränderten Marktumfeld deutlich unter Druck gerät.
ssu
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