Öl-Fördermengen Opec lässt es fließen

Auch im Juni wird die Organisation erdölproduzierender Länder, Opec, ihre Ölförderung wohl nicht drosseln. Opec-Konkurrenten wie Russland würden bei einer Verknappung des Angebotes nicht mitziehen. Für Konsumenten heißt das: Der Preis bleibt wohl weitgehend stabil.

Raffinerie in Saudi-Arabien: Hohe Fördermengen halten den Preis relativ niedrig
DPA

Raffinerie in Saudi-Arabien: Hohe Fördermengen halten den Preis relativ niedrig


Am kommenden Freitag treffen sich die Delegierten der Opec, um über die Fördermengen in den nächsten Monaten zu entscheiden. Dass die Organisation erdöproduzierender Länder ihre Förderziele dann absenkt, um wieder einen höheren Preis zu erzielen, gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Das Preistief beim Rohöl hatte die Opec gezielt durch eine Erhöhung der Fördermengen verursacht. Die Maßnahme zielte gegen Konkurrenten wie die USA, die in den vergangenen Jahren stark aufgeholt hatten, ihr Öl aber mit erhöhtem finanziellen Aufwand fördern: Sie gerieten durch den Abfall des Barrelpreises von bis zu 115 Dollar im Juni 2014 auf einen Tiefststand von 46 Dollar im Januar 2015 erheblich unter Druck. Bei einigen Firmen kam es zu Entlassungen, weil sie ihr Öl nicht mehr zu einem kostendeckenden Preis auf den Markt bringen konnten.

Inzwischen bewegen sich die Barrelpreise wieder um 65 Dollar, und damit kann offenbar nicht nur die Opec gut leben. Auch Russland und andere preiswert fördernde Länder, die nicht der Opec angehörten, sagte ein führender Opec-Delegierter der Nachrichtenagentur Reuters, zeigten im Augenblick keine Bereitschaft, ihre Fördermengen zu senken.

Die Preise stiegen in den vergangenen Wochen unter anderem, weil die Fördermengen in den USA seit Monaten gefallen waren. Die Opec schätze den Markt derzeit als gesund ein, berichtet Reuters. Es wird erwartet, dass die Preise weitgehend stabil blieben, vielleicht sogar noch ein wenig stiegen. Wohlgefüllten Lagern stünde eine lebhafte Nachfrage gegenüber.

Die Opec ist ein Bündnis ölfördernder Staaten, das Produktionsmengen und Preise für Rohöl über Jahrzehnte regelrecht steuern konnte. Die Erschließung neuer Ölvorkommen und die Einführung von Technologien, die auch die Ausbeutung weniger leicht anzuzapfender Ölvorkommen möglich machen, hat die Marktmacht der Opec in den vergangenen zwanzig Jahren stark eingeschränkt. Noch immer aber gehört sie zu den größten Ölförderern der Welt. Im Preiskampf mit den USA spielte sie zuletzt den Trumpf einer deutlichen billigeren Förderung in den Opec-Ländern aus.

Reuters/pat

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