Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Radikaler Umbau: Hewlett-Packard will sich von PC-Geschäft trennen

Der weltgrößte IT-Konzern wagt einen einschneidenden Strategiewechsel: Hewlett-Packard will seine PC-Sparte ausgliedern - und gleichzeitig für zehn Milliarden Dollar den Software-Riesen Autonomy übernehmen.

HP-Logo: Künftig Schwerpunkt auf Cloud Computing? Zur Großansicht
REUTERS

HP-Logo: Künftig Schwerpunkt auf Cloud Computing?

Palo Alto - Hewlett-Packard (HP) krempelt sein Geschäftsmodell radikal um: Der US-Computerhersteller hat Berichte der Nachrichtenagentur Bloomberg und des "Wall Street Journal" bestätigt, dass er sein PC-Geschäft ausgliedern und das Geschäft mit Tablet-PCs und Smartphones einstellen will. Außerdem gab HP bekannt, dass man das britische Software-Unternehmen Autonomy für zehn Milliarden Dollar übernehmen will.

Bislang hatte HP Verhandlungen mit Interessenten über einen Verkauf oder eine Abspaltung seiner PC-Sparte stets bestritten. Der IT-Riese kämpft jedoch bereits seit einiger Zeit mit Schwierigkeiten. Mehrfach hatte der Konzern etwa die Gewinn- und Umsatzprognose für das laufende Gesamtjahr zurückschrauben müssen - Grund war die sinkende Nachfrage nach PC.

Im Geschäft mit Privatkunden hat HP in letzter Zeit ohnehin deutliche Probleme. Zwar boomt die Nachfrage nach Tablet-Computern wie dem iPad von Apple, davon kann HP allerdings kaum profitieren. Mit der Auslagerung der PC-Sparte zeichnet sich ein ähnlicher Verlauf ab wie bei einem großen Konkurrenten: IBM verkaufte 2005 sein Geschäft mit PC an den chinesischen Hersteller Lenovo. Auch bei HP ist ein Verkauf des ehemaligen Kerngeschäfts nun wahrscheinlich.

HP-Aktien fallen - Konzern gab zeitgleich die Unternehmenszahlen bekannt

Nach Bekanntgabe des Strategiewechsels fiel die HP-Aktie im nachbörslichen Handel um 2,1 Prozent, nachdem sie an der Wall Street bereits um mehr als sechs Prozent in die Tiefe gerauscht war. Der Konzern gab die Restrukturierungspläne zeitgleich mit der Veröffentlichung der Unternehmenszahlen bekannt: Im dritten Quartal steigerte HP seinen Umsatz auf 31,2 Milliarden Dollar von 30,7 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Damit erfüllte der Konzern zwar die Erwartungen an der Wall Street, reduzierte aber für das Gesamtjahr erneut seinen Umsatz- und Gewinnausblick. So erwartet HP nur noch Umsatzerlöse von 127,2 bis 127,6 Milliarden Dollar, zuvor hatte der Konzern 129 bis 130 Milliarden Dollar anvisiert.

Der Konzern will sich künftig stärker im wachsenden Markt des sogenannten Cloud Computing engagieren. Darunter versteht man Dienstleistungen, bei denen Computernutzer die Programme nicht mehr auf ihrem Rechner installiert haben, sondern auf Server von Anbietern zugreifen.

Seit November 2010 wird HP von Léo Apotheker geführt. Im Markt für Unternehmenssoftware kennt sich der ehemalige SAP-Chef bestens aus - auch Autonomy ist in diesem Segment aktiv. HP ist der Kauf der Briten offenbar eine zweistellige Milliardensumme in Dollar wert.

Dabei versucht der Konzern im Augenblick eisern zu sparen: Mitte Mai hatte Apotheker in einem internen Schreiben an seine Führungskräfte vor einem "weiteren schwierigen Quartal" gewarnt und gemahnt, Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken. Diese Aussage überraschte damals umso mehr, als Apotheker eigentlich angetreten war, um die Zügel zu lockern - er wollte vor allem mehr Geld für Forschung und Entwicklung bereitstellen.

fdi/dpa/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: