Radikalumbau 30.000 Jobs bei der Royal Bank of Scotland in Gefahr

Die Royal Bank of Scotland will ihr Investmentbanking offenbar drastisch zusammenstreichen. Der "Financial Times" zufolge will die Großbank sich außerdem aus vielen Märkten zurückziehen - insgesamt stehen demnach mindestens 30.000 Stellen auf dem Spiel.

Royal Bank of Scotland in London: Umbau kostet eventuell 30.000 Jobs
DPA

Royal Bank of Scotland in London: Umbau kostet eventuell 30.000 Jobs


London - Die Royal Bank of Scotland (RBS ) steht offenbar vor einem radikalen Umbau. Der "Financial Times" ("FT") zufolge will die britische Großbank ihr Investmentbanking drastisch verkleinern und sich größtenteils aus den Märkten in Übersee zurückziehen. Insgesamt stünden in den nächsten Jahren mindestens 30.000 weitere Stellen auf dem Spiel, schreibt die "FT" unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen.

Geplant sei der Ausstieg aus riskanteren Bereichen des Investmentbankings sowie der Abschied aus USA und Asien. Bereits in der nächsten Woche könne die Bank, die aktuell noch rund 120.000 Mitarbeiter beschäftige, ihre Pläne bekanntgeben.

Eine Sprecherin wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zu dem Bericht nicht äußern. Eine Sprecherin in Hongkong schrieb in einer E-Mail, bei Vorlage der Jahreszahlen am kommenden Donnerstag werde die RBS eine strategische Überprüfung ankündigen. Details nannte sie nicht.

Dem "FT"-Bericht zufolge will sich die Bank künftig auf das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden konzentrieren und dabei wie die Wettbewerberin Lloyds vor allem den britischen Markt im Auge behalten. Der Umbau sei Teil der radikalen Aufräumarbeiten des neuen RBS-Chefs Ross McEwan, der seit 2013 im Amt ist.

Die RBS war in der Finanzkrise größtenteils verstaatlicht worden. Mit Anteilsverkäufen und Sparmaßnahmen kämpft die Führung seitdem darum, die Altlasten loszuwerden. Erst gestern kündigte die RBS an, Teile des Investmentbankings an die französische Konkurrentin BNP Paribas loszuschlagen. Seit der Finanzkrise ist die Bilanzsumme der britischen Bank bereits nahezu halbiert worden, fast 40.000 Stellen wurden abgebaut. Eine dauerhafte Erholung blieb aber aus.

Ende Januar warnte das Institut vor weiteren Milliardenrückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und Schadensersatzforderungen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr droht damit der höchste Verlust seit 2008.

nck/dpa-afxp

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wibo2 21.02.2014
1. Grundsätzlicher Strategiewechsel in der Wirtschaft auf der Insel ...
Zitat von sysopDPADie Royal Bank of Scotland will ihr Investmentbanking offenbar drastisch zusammenstreichen. Der "Financial Times" zufolge will die Großbank sich außerdem aus vielen Märkten zurückziehen - insgesamt stehen demnach mindestens 30.000 Stellen auf dem Spiel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/radikalumbau-gefaehrdet-30-000-jobs-bei-der-royal-bank-of-scotland-a-954802.html
Zurück in die Realwirtschaft zu den Machern und Schaffern des Wohlstands für das gemeine Volk! Investmentbanker und ihre Boni und wie sie die Welt kaputtmachen und sich selbst im Übermaß bereicherten stehen in der Kritik. Die normalen Geschäftsbanken im angelsächsischen Raum durften ursprünglich nichts mit der Börse zu tun haben. Sie durften keine Börsengänge konzertieren, sie durften nicht platzieren, sie durften nicht handeln. Sie waren als "commercial banks" auf das Leihen und Verleihen von Geld beschränkt. Darüber hinaus sind die Bilanzsummen der schottischen Banken ein Vielfaches des schottischen BIP. So geht das nicht weiter. Das sind Verhältnisse wie in Zypern oder Luxemburg. Ein Zurückziehen auf die Kernkompetenz ist ein zweckmäßiger und sinnvoller Schritt, weil was nicht ewig weitergehen kann irgendwann enden muss. Jede Party geht mal zu Ende. Da wo alle viel verdienen wollen verdient am Ende des Tages keiner mehr was.
xtdrive 21.02.2014
2.
Wenn das so weiter geht, finden Investmentbanker bald nur noch Jobs in Dubai, Singapur, Panama usw.. Im Großen und Ganzem ist dies zu begrüßen, auch wenn sicher ein Teilbereich dieses Geschäfts auch ist.
Artgarfunkel 21.02.2014
3.
Zitat von xtdriveWenn das so weiter geht, finden Investmentbanker bald nur noch Jobs in Dubai, Singapur, Panama usw.. Im Großen und Ganzem ist dies zu begrüßen, auch wenn sicher ein Teilbereich dieses Geschäfts auch ist.
Nun, das steht zu befürchten. Es wäre daher wichtig, auch solche Steueroasen und Schmarotzerstaaten aus der Weltgemeinschaft auszuschließen, damit diesem brandgefährlichen Finanzjongleurengesocks endgültig der Garaus gemacht wird. Wenn das nicht gelingt, ist es letztlich gleichgültig, ob der Weltuntergang von NY oder Panama oder Dubai seinen Anfang nimmt.
Untertan 2.0 21.02.2014
4. Tragisch
Zitat von sysopDPADie Royal Bank of Scotland will ihr Investmentbanking offenbar drastisch zusammenstreichen. Der "Financial Times" zufolge will die Großbank sich außerdem aus vielen Märkten zurückziehen - insgesamt stehen demnach mindestens 30.000 Stellen auf dem Spiel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/radikalumbau-gefaehrdet-30-000-jobs-bei-der-royal-bank-of-scotland-a-954802.html
Da müssen die Banster sich wohl langsam Gedanken um eine "Anschlussverwertung" machen...
DMenakker 21.02.2014
5.
Die Deutsche Bank streicht das Investmentbanking zusammen, die Royal Bank of Scottland jetzt auch. Da jubelt das linke Banker-bashing Herz. Und wenn dann in allerkürzester Zeit kein IPO mehr ohne amerikanische Investmentbank über die Bühne geht ... egal. Da jammern wir dann später drüber. Offensichtlich haben viele nicht begriffen, dass das Investmentbanking durchaus auch massive Bezüge zur Realwirtschaft hat und aus dieser nicht wegzudenken ist. Es ist nunmal viel viel mehr, als der clevere Eigenhandel, welcher zwar in der Kritik steht, aber komischerweise bis heute noch niemandem geschadet hat. Aber was nicht ins Weltbild passt zählt halt auch nicht.
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