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11. Januar 2015, 09:20 Uhr

Geplante Bergwerksflutung

Tausende Tonnen Schmieröl bedrohen Saar und Ruhr

Der Industriekonzern RAG will alte Bergwerke an Saar und Ruhr fluten - obwohl in den Stollen nach SPIEGEL-Informationen Tausende Tonnen hochgiftiges Schmieröl lagern. Experten fürchten eine ökologische Katastrophe.

Hamburg - Die vom Kohlekonzern RAG geplante Flutung von Bergwerken könnte laut Umweltverbänden und Grünen eine ökologische Katastrophe an Saar und Ruhr auslösen. Grund sind mehrere Tausend Tonnen PCB-haltiges und damit hochgiftiges Hydrauliköl, das in den Stollen lagert. Es könnte mit dem Ansteigen des Grubenwassers in die Flüsse gespült werden. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Rund 12.500 Tonnen der giftigen Schmieröle wurden zwischen 1979 und 1984 im Bergbau eingesetzt und unter Tage gebracht. Nicht einmal zehn Prozent davon wurden ordnungsgemäß entsorgt. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus Bundestagsprotokollen und Untersuchungsberichten des saarländischen Landtags aus den Achtzigerjahren hervor. Der Rest befindet sich danach immer noch in den Tiefen der Bergwerke – in Behältern, zurückgelassenen Anlagen oder in riesigen Mengen verschüttet auf dem Boden.

Da die RAG inzwischen viele Zechen aufgegeben hat und der Steinkohlebergbau Ende 2018 endgültig beendet wird, will der Konzern das Grubenwasser ansteigen lassen. In vielen Regionen hat er damit bereits begonnen. Umweltschützer und Wissenschaftler befürchten, dadurch könnte das Gift ausgespült werden und in die großen Flüsse gelangen.

"Da tickt eine ökologische Zeitbombe", heißt es etwa beim BUND im Saarland. Die Grünen an der Saar sehen sogar "die Trinkwasservorkommen des Bundeslandes in akuter Gefahr". Schon in der Vergangenheit wurde von den Behörden PCB in den Abwässern diverser Bergwerke an Saar und Ruhr gemessen. Bislang jedoch meist in geringen Konzentrationen.

Die RAG bestätigte dem SPIEGEL, dass in den Achtzigerjahren PCB-haltige Hydrauliköle im Konzern eingesetzt wurden und dass ein Teil der Mengen auch dort verblieben sei. Konkrete Zahlen will man jedoch nicht kennen. Von dem geplanten Grubenwasseranstieg, heißt es, gehe keinerlei Gefahr aus. Es seien mehrere Sicherheitsbarrieren in das Wasserhaltungskonzept eingebaut.

Die Chemikalie PCB gehört wegen ihrer Toxizität und der lang anhaltenden Wirkung auf Menschen und Tiere zum sogenannten Dreckigen Dutzend. Die Produktion wurde weltweit eingestellt.

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