Rating-Agentur: Börsenaufsicht wittert Insiderhandel bei US-Abstufung

Betrüger sollen aus der Herabstufung der USA Profit geschlagen haben. Laut "Wall Street Journal" hegt die US-Börsenaufsicht SEC den Verdacht auf Insiderhandel bei etlichen Broker-Firmen und Hedge-Fonds. Sie sollen gezielt auf fallende Kurse gesetzt haben.

US-Zentrale von Standard and Poor's: Informationen über Herabstufung durchgesickert Zur Großansicht
REUTERS

US-Zentrale von Standard and Poor's: Informationen über Herabstufung durchgesickert

New York - Nach Informationen des "Wall Street Journal" ("WSJ") könnten einige Großinvestoren aus der Herabstufung der Top-Bonität der USA Kapital geschlagen haben. Offenbar überprüft die US-Börsenaufsicht die Betreiber von Hedge-Fonds und Brokerfirmen, die kurz vor der Herabstufung der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) auf fallende Kurse gewettet hatten.

Die SEC habe von einer ganzen Reihe von Finanzfirmen Informationen über bestimmte Geschäfte kurz vor der spektakulären Ratingentscheidung angefordert, schrieb die Zeitung unter Berufung auf eingeweihte Personen. Es sei aber unklar, an welche Adressaten sich die Anfragen gerichtet hätten. Die Behörde selbst wollte sich nicht äußern. Mitte August war bekanntgeworden, das auch gegen S&P selbst ermittelt wird.

Als die USA ihre Spitzennote bei der Kreditwürdigkeit verloren, rauschten die Märkte nach unten. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hegt die US-Börsenaufsicht SEC nun den Verdacht, dass die Herabstufung des Ratings schon vor der offiziellen Verkündung durchgesickert war. Wer rechtzeitig auf fallende Kurse gesetzt hatte, konnte somit dicke Gewinne einstreichen.

Informationen über Herabstufung sollen durchgesickert sein

Die Nutzung von Insiderwissen ist verboten, weil es andere Marktteilnehmer benachteiligt. Die US-Behörden verfolgen Insiderhandel nach spektakulären Fällen wie dem des Hedge-Fonds-Gründers Raj Rajaratnam mit besonderer Härte. Der ehemalige Börsenmakler hatte gesamt 63,8 Millionen Dollar erschwindelt. Dafür erwartet ihn eine langjährige Haftstrafe.

Standard & Poor's hatte am späten Freitagabend, dem 5. August, die US-Bonität von der Bestnote "AAA" auf "AA+" herabgestuft. Das kam für die meisten Anleger vollkommen überraschend. Am darauffolgenden Montag stürzte der Leitindex Dow Jones um fast sechs Prozent in die Tiefe - so massiv wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Nach Angaben der Zeitung kursierten schon den ganzen Freitag über unter den Börsenhändlern Gerüchte über eine anstehende Herabstufung - woher sie kamen, ist unklar. Die Ratingagentur verweist derweil auf ihre strengen Richtlinien.

Ein Insidergeschäft ist allerdings nur schwer nachzuweisen. Seit der Schuldenkrise in Europa und den USA sind die Finanzmärkte im Dauerstress und unübersichtlicher denn je. Auf welchen Informationen ein Geschäft beruht, lässt sich in den meisten Fällen kaum nachzuvollziehen.

dis/dpa

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