Moody's Rating-Agentur verpasst Deutschland negativen Ausblick

Die Schuldenkrise in der Euro-Zone belastet auch die Länder mit der Top-Bonität: Die US-Rating-Agentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands von "stabil" auf "negativ" zurückgestuft. Auch Luxemburg und die Niederlande sind betroffen.

Container am Hamburger Hafen: Deutschland nicht mehr "stabil"
dapd

Container am Hamburger Hafen: Deutschland nicht mehr "stabil"


London - Die US-Rating-Agentur Moody's hat am späten Montagabend den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands zurückgestuft. Der Ausblick wird nun mit "negativ" bewertet und nicht mehr mit "stabil", wie die Agentur am Montag nach US-Börsenschluss mitteilte. Moody's bestätigte allerdings die deutsche Bestnote Aaa.

Neben Deutschland schätzt die Rating-Agentur auch den Ausblick für die Bonität der Euro-Länder Niederlande und Luxemburg nur noch mit "negativ" ein. Moody's begründete seine Ratingschritte mit einer wachsenden Unsicherheit wegen der Euro-Schuldenkrise. Die Wahrscheinlichkeit eines Austritts von Griechenland aus dem Währungsgebiet sei gestiegen. Finnland behielt dagegen sein Aaa-Rating und einen stabilen Ausblick, hieß es weiter.

Das Bundesfinanzministerium hat gelassen auf die ersten Zweifel an der Bonität Deutschlands reagiert und die solide Wirtschaftslage betont. Zunächst einmal habe Moody's das höchste Rating für Deutschland basierend auf den anerkannten Stärken der deutschen Wirtschaft und Politik bestätigt. Die Senkung des Ausblicks auf "negativ" mit Hinweis auf die "bekannten Risiken aus der europäischen Schuldenkrise" nehme das Finanzministerium als "Meinung von Moody's" zur Kenntnis. Längerfristige Stabilisierungsaussichten blieben aber unerwähnt. "Die Euro-Zone habe eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, die zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Euro-Zone führen werden", hieß es aus dem Ministerium.

Das Ministerium kritisierte die Rating-Entscheidung von Moody's indirekt als einseitig. Deutschland selbst befinde sich unverändert in einer sehr soliden Wirtschafts- und Finanzsituation. Auch an den internationalen Finanzmärkten sei das Vertrauen in Deutschland hoch, hieß es weiter.

Deutschland werde sich mit einer soliden Wirtschafts- und Finanzpolitik seinen Status als sicherer Hafen wahren und seine Ankerrolle in der Euro-Zone weiter verantwortungsvoll ausüben. Gemeinsam mit den Partnern werde alles getan, um die europäische Staatsschuldenkrise schnellstmöglich zu überwinden.

Trotz einer starken Reaktion der Euro-Staaten würde damit eine "Kettenreaktion von Schocks im Finanzsektor und ein Liquiditätsdruck auf Staaten und Banken" in Gang kommen, sagte die Rating-Agentur. Diese Reaktion könnte von der Politik nur zu einem sehr hohen Preis eingedämmt werden. Zudem reagierten die EU-Staaten nur auf die Krise. Dies werde zu keinem stabilen Ergebnis führen. Das Risiko werde von der Schuldenlast Spaniens und Italien und deren immer teurer werdenden Finanzierung erhöht.

Die Schuldenkrise in der Euro-Zone hat auch die Märkte belastet: Der deutsche Aktienindex (Dax) fiel am Montag zeitweise um mehr als 3,5 Prozent und schloss mit einem Minus von 3,2 Prozent. Zuvor hatten die Börsen in Italien und Spanien zeitweise Leerverkäufe untersagt. In Italien gilt das Verbot bis Freitag, in Spanien für die nächsten drei Monate. Bei Leerverkäufen handeln Investoren mit geliehenen Aktien, sie spekulieren dabei auf sinkende Kurse.

Die Nachricht von den Verboten ließ die Märkte europaweit weiter absacken. Der Euro rutschte vorübergehend unter 1,21 Dollar, stabilisierte sich später allerdings wieder. Die Mailänder Börse machte ein Minus von 2,8 Prozent. Der spanische Leitindex Ibex schloss 1,1 Prozent niedriger. Die Kurse an der Börse in Athen fielen um mehr als sieben Prozent.

Auch Finanzaktien litten unter den Meldungen. Die Titel der Deutschen Bank Chart zeigen fielen um 4,6 Prozent, die der Commerzbank Chart zeigen um 6,1 Prozent. Die Bankenbranche wird zudem von den Ermittlungen zu Manipulationen des Libor-Zinses in England erschüttert.

Aus Furcht vor einem Nachfragerückgang infolge der Schuldenkrise verkauften Anleger Rohstoffe. Ein Barrel der US-Rohölsorte WTI kostete mit 89,44 Dollar 2,3 Prozent weniger als am Freitag. Brent-Öl Chart zeigen verbilligte sich um 2,6 Prozent auf 103,96 Dollar.

kha/Reuters/AFP/dapd



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insgesamt 326 Beiträge
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Seite 1
shogan 23.07.2012
1. optional
oh endlich hatt jemand erkannt, was jedem mit gesundem Menschenverstand schon seit min 6 Monaten klar ist, daß die AAA bonität nen schlechter Scherz ist
alasiaperle 23.07.2012
2. ...
Das it aber jetzt keine Überraschung, oder?
Vergil 23.07.2012
3.
Zitat von sysopdapdDie Schuldenkrise belastet auch die Länder mit der Top-Bonität: Die US-Rating-Agentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands ´von "stabil" auf "negativ" zurückgestuft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846002,00.html
"Deutschland hat nur Vorteile durch den Euro gehabt..."
rakatak 23.07.2012
4.
Zitat von sysopdapdDie Schuldenkrise belastet auch die Länder mit der Top-Bonität: Die US-Rating-Agentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands ´von "stabil" auf "negativ" zurückgestuft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846002,00.html
Das Verhängnis nimmt unerbittlich seinen Gang, so, wie es sich seit Jahren ankündigt.
burton_ 23.07.2012
5.
jetzt geht's los... :-(
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