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Rating herabgestuft: Japans Schuldenberg schockiert Finanzprofis

Erst Europa, jetzt Japan und die USA: Die Schuldenberge der Industrienationen verunsichern Finanzprofis immer stärker. Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Tokios Kreditwürdigkeit herab, auch Amerika gerät ins Visier der Märkte. Der IWF verlangt radikale Sparpakete.

Börsenbarometer in Japan: Verschuldung auf Rekordniveau Zur Großansicht
REUTERS

Börsenbarometer in Japan: Verschuldung auf Rekordniveau

Tokio/New York - Die hohe Staatsverschuldung bringt Japan in Bedrängnis. Erst hat die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) das Land herabgestuft, nun kündigt die Regierung in Tokio mehr Sparanstrengungen an. "Es ist wichtig, die Haushaltsdisziplin beizubehalten und das Marktvertrauen in Japans öffentliche Finanzen zu gewährleisten", sagte Ministerpräsident Naoto Kan im Oberhaus des Parlaments. Er sei sich der Aufgaben völlig bewusst, betonte er. Kan verwies darauf, dass er in seiner Zeit als Finanzminister hautnah miterlebt habe, wie Griechenland von der Schuldenkrise erfasst wurde.

Aufgrund der hohen Staatsverschuldung in Japan hatte Standard & Poor's (S&P) die Bonitätsnote für das Land am Donnerstag erstmals seit Jahren um eine Stufe gesenkt. Nach zuvor "AA" wurde die neue Bewertung auf "AA-" herabgestuft. Japan liegt damit drei Stufen unter der Bestnote "AAA". Je schlechter Rating-Agenturen die Bonität beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es, sich an den Märkten Geld zu besorgen.

Immerhin gab es auch ein positives Zeichen für die Regierung in Tokio: Den langfristigen Ausblick für das Rating Japans stufte Standard & Poor's wegen der soliden außenwirtschaftlichen Position und der geldpolitischen Flexibilität als stabil ein. Doch die Rating-Agentur erwartet in den kommenden Jahren einen weiteren Anstieg der japanischen Staatsschulden. Es fehle ein glaubwürdiger Plan der Regierung, um die Rekordschulden abzubauen, erklärte Standard & Poor's. Auch die Verbraucher sind verunsichert. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte in Japan sind im Dezember zum dritten Mal in Folge gesunken.

Japan hat mit rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die höchste Staatsverschuldung unter den Industrienationen. Fast der halbe Haushalt wird über neue Kredite finanziert. Immerhin nimmt die ostasiatische Wirtschaftsmacht ihre Darlehen fast vollständig im eigenen Land auf - sprich: es sind die eigenen Bürger, die dem Staat Geld leihen.

IWF lobt europäische Staaten

Leichte Entspannung gibt es in der europäischen Schuldenkrise. Hier haben sich hochverschuldete Länder wie Spanien und Portugal am Kapitalmarkt mit frischen Milliarden versorgt und atmen nun vorsichtig auf. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) lobte die Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung in Europa. Große europäische Länder wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien könnten im laufenden Jahr ihre Budgetlage stabilisieren und 2012 ihre finanzielle Situation "weiter verbessern", erklärte der IWF.

Deutlich problematischer könnte sich die Lage in den USA gestalten. Analog zu Japan gerät nun auch die US-Staatsverschuldung in den Blick der Investoren. Der IWF forderte von den Regierungen in Tokio und Washington, rasch Pläne zur Sanierung ihrer Haushalte vorzulegen. Andernfalls könnten die Finanzmärkte die beiden Länder ins Visier nehmen. Die Rating-Agentur Moody's schloss eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA auf mittlere Sicht nicht aus. Es steige die Wahrscheinlichkeit, dass Moody's den USA innerhalb der kommenden beiden Jahre einen negativen Ausblick für das Rating verpassen werde, teilte die Agentur mit. Die Wahrscheinlichkeit sei zwar gering, dass die Vereinigten Staaten ihr Spitzenrating "AAA" verlieren. Das Risiko werde in den kommenden Jahren aber vermutlich steigen.

Die Vereinigten Staaten steuern im laufenden Haushaltsjahr auf ein neues Rekorddefizit zu. Erwartet wird ein Fehlbetrag von knapp 1,5 Billionen Dollar. Das wären knapp 40 Prozent mehr als in der Schätzung vom August vergangenen Jahres.

mmq/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 105 Beiträge
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1. Der IWF sollte die Klappe halten.
pudel_ohne_mütze 28.01.2011
Zitat von sysopErst Europa, jetzt Japan und die USA: Die Schuldenberge der Industrienationen verunsichern Finanzprofis zusehends. Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Tokios Kreditwürdigkeit herab, auch Amerika gerät ins Visier der Märkte. Der IWF verlangt radikale Sparpakete. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,742106,00.html
Japan ist im Gegensatz zu den USA nicht beim Rest der Welt mit faulen Staatsanleihen in der Kreide sondern überwiegend bei den eigenen Staatsbürgern. Wenn aber diese kriminellen Ratingagenturen ( früher las man dort aus Hühnerknochen die Zukunft ) Spekulationen gegen den Yen fördern wollen, ist es genaus diese Masche, die Erfolg verspricht. Abschaffen diese Lumpen !!! Sofort !!! Weltweit !!!
2. Man muss
newliberal 28.01.2011
Ratingagenturen nur begrenzt ernst nehmen. Die haben CDO´s noch bis zum bitteren Ende das Triple A verpasst- also auf eine Stufe mit T-bills bewertet. Das Ende ist bekannt.
3. ...
Idrisu 28.01.2011
Und so wirken sich das Geldsystem und globale Wirtschaftspolititk mal wieder auf scheinbar souveräne Staaten aus... Am Ende sind die Leidtragenden nicht alle Japaner, der leidtragende ist der normale Bürger, er muss wohl jetzt noch viel mehr Ackern und zugleich mit mehr Steuern und wenigeren Sozialleistungen rechnen. Die Menge an Vermögen und korrespondierenden Krediten hat wieder eine neue Extreme erreicht. Autokrate Systeme steuern das Volk über Gesetze und Anordnungen, der Westen über das Geldsystem...
4. .
Waiguoren 28.01.2011
Zitat von sysopErst Europa, jetzt Japan und die USA: Die Schuldenberge der Industrienationen verunsichern Finanzprofis zusehends. Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Tokios Kreditwürdigkeit herab, auch Amerika gerät ins Visier der Märkte. Der IWF verlangt radikale Sparpakete. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,742106,00.html
200% + Staatsverschuldung sind ungesund .. Überraschung! Das wusste man doch schon seit Jahren.
5. Folgen der Neoliberalen Ordnung
Tayfun30 28.01.2011
Da sieht man, was mit Staaten geschieht, die blindlings den Doktrinen des Neoliberalismus folgen. Erst Europa, nun Japan und bald die USA. Das sind mal heitere Aussichten. Solange transnationale Aktiengesellschaften ohne moralische und ethische Normen vom günstigen zum nächst billigeren Staat pilgern und gleichzeitig Staaten durch Steuervergünstigungen um Investitionen buhlen wird der Teufelskreis aus Neuverschuldung und sinkenden Steuersätzen für Großkonzerne nicht durchbrochen werden. Wie kann es sein, dass die großen Investmenthäuser und Banken wieder anfangen großzügige Boni zu verteilen, und die Staaten, denen sie größtenteils ihr Überleben zu verdanken haben, immer weiter in die Misere rutschen? Wie kann es sein, das die Wirtschaft sich erholt, nationale Staaten sich aber immer weiter verschulden (müssen)? Früher galt die Regel: geht es der Wirtschaft gut, profitiert davon auch die Arbeiterklasse. Das dies schon lange nicht mehr gilt, ist bekannt. Leider gilt dies nun anscheinend auch für Staaten.
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Fläche: 377.944 km²

Bevölkerung: 127,016 Mio.

Hauptstadt: Tokio

Staatsoberhaupt:
Kaiser Akihito

Regierungschef: Shinzo Abe

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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.
Mini-Serie
AFP

Erst Griechenland und Irland, nun wetten die Märkte schon gegen Portugal, Spanien und Italien. In Europa wächst die Sorge, dass weitere Schuldenländer Milliardenhilfen brauchen. Aber wie groß ist das Risiko wirklich? Und wer könnte der nächste Pleitekandidat sein? Ein Überblick:


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dpa
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