Rating-Urteil Miese US-Prognose reißt Asiens Börsen nach unten

Das harte Rating-Urteil gegen die USA schlägt hohe Wellen: Nach dem Einbruch des Dow Jones sind auch die Börsen in Asien deutlich ins Minus gerutscht. Der weltgrößte Anleihe-Investor verlangt von Washington mehr Einsatz im Kampf gegen die Schuldenkrise.

Fußgänger in Tokio passieren eine Börsentafel: Stärkste Abschläge seit Wochen
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Fußgänger in Tokio passieren eine Börsentafel: Stärkste Abschläge seit Wochen


Bangkok - Haben die Entscheider von Standard & Poor's geahnt, was sie mit ihrem Urteil gegen die USA anrichten? Die einflussreiche Rating-Agentur hat am Montag Zweifel an der Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten geäußert und damit ein Beben an den Finanzmärkten ausgelöst: Erst rutschten die Börsenkurse in New York und in Europa ab - in der Nacht folgten die asiatischen Börsen.

  • In Tokio verlor der Nikkei-Index Chart zeigen am Dienstag zeitweise 1,5 Prozent und sank auf 9413 Punkte.
  • In Hongkong rutschte der Leitindex Hang Seng Chart zeigen um 1,4 Prozent ab.
  • Auch in Südkorea, China, Singapur, Taiwan, Australien, Neuseeland und den Philippinen sanken die Kurse.

An der Wall Street hatte der wichtige Dow-Jones-Index Chart zeigen zuvor seinen stärksten Einbruch seit Monaten erlebt: Er schloss mit 12.201 Punkten rund ein Prozent niedriger als am Vortag. In Frankfurt sackte der Dax Chart zeigenum 2,1 Prozent auf 7027 Punkte ab. Hier spielten allerdings auch das finnische Wahlergebniss und seine Auswirkungen auf den Euro-Raum ein Rolle.

Öl wurde am Dienstag ebenfalls deutlich günstiger gehandelt: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juni kostete im frühen Handel etwa 121 US-Dollar. Das waren 27 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Mai-Lieferung sank sogar um 49 Cent auf knapp 106 Dollar.

Scharfe Kritik der US-Regierung

Die Befürchtung an den globalen Märkten: Die Schuldenkrise könnte nach Europa nun auch die USA erfassen - mit fatalen Auswirkungen für die globale Weltwirtschaft.

Das Warnsignal hatte Standard & Poor's (S&P) gegeben. Die Rating-Agentur warnte den weltgrößten Schuldner am Montag überraschend vor einem Entzug der Bonitäts-Bestnote "AAA": Ihre Analysten senkten den Ausblick für die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit auf "negativ" von zuvor "stabil". S&P begründete dies mit der ausufernden Staatsverschuldung in den USA und dem politischen Streit um die Lösung der Haushaltsprobleme.

Das Signal jedoch ist fatal. Denn eine schlechtere Bewertung durch die Rating-Agenturenkann zu erheblich höheren Zinsen für US-Staatsanleihen führen, zumal Washington Investoren dann mehr bieten müsste. Dies könnte nach Expertenmeinung das ohnehin zaghafte Wirtschaftswachstum abwürgen und die Gefahr einer neuen Rezession heraufbeschwören.

Die US-Regierung antwortete daher mit scharfer Kritik auf das Rating-Urteil und sprach von einer "politischen Entscheidung", die man zurückweise. "Der negative Ausblick unterschätzt die Fähigkeit der US-Führung, gemeinsam die schwierigen finanzpolitischen Herausforderungen anzugehen, vor denen die Nation steht", sagte Finanzstaatssekretärin Mary Miller.

Tea-Party-Abgeordnete: S&P bestätigt unsere Forderungen

Allein im laufenden Haushaltsjahr häufen die USA bis zu 1,65 Billionen Dollar neue Schulden an, rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Gesamtverschuldung beträgt derzeit mehr als 14,2 Billionen Dollar. Das ist an der Wirtschaftsleistung gemessen das größte Minus in der Staatskasse der größten Volkswirtschaft seit fünf Jahrzehnten.

Bis spätestens Juli muss der Kongress die gesetzliche Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar anheben, damit die USA zahlungsfähig bleiben. Allerdings ist die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes im Kongress wegen des Parteienstreits noch nicht sicher.

In ersten Reaktionen machten Abgeordnete beider Parteien der jeweils anderen Seite Vorwürfe. Der republikanische Abgeordnete Eric Cantor sprach in einem Seitenhieb auf die Demokraten von einem Weckruf für diejenigen, die die Schuldenobergrenze blind erhöhen wollten. Der demokratische Abgeordnete Steny Hoyer hielt dagegen, die Warnung belege, dass die Republikaner die Schuldenobergrenze nicht für politische Spielchen missbrauchen dürften.

Vertreter des Tea Party Movement wie der Republikaner Blake Farenthold sprachen unterdessen von einer Bestätigung ihrer Forderungen nach massiven Ausgabenkürzungen. Die erzkonservative Bewegung war maßgeblich an den Erfolgen der Republikaner bei den Kongresswahlen 2008 beteiligt.

Moody's sieht positive Entwicklung

Unter Analysten und Finanzexperten gingen die Meinungen ebenfalls auseinander. Die Rating-Agentur Moody's kam zu einem anderen Schluss als ihr Rivale S&P. In einem wöchentlichen Ausblick hieß es, die in den USA entbrannte Diskussion über die Haushaltskonsolidierung sei eine positive Entwicklung und könne einen politischen Kurswechsel einleiten, wenn auch der Ausgang des Streits offen sei. Zudem seien die USA eine der wenigen großen Volkswirtschaften, die noch keinen Kurs zur Senkung des Defizits vorgelegt hätten, kritisierte Moody's. In dem Bericht wird für die USA unverändert das höchste Rating mit einem stabilen Ausblick angegeben.

Der weltgrößte Anleihe-Investor Pimco sah dringenden Handlungsbedarf. "Diese neue Warnung, diesmal von S&P, unterstreicht die Notwendigkeit für die USA, ihr finanzpolitisches Schicksal stärker in die Hand zu nehmen", sagte der Chef der Allianz-Tochter, Mohamed El-Erian. Andere Experten sahen kaum unmittelbare Folgen. Robert Bishop von SCM Advisors verwies auf Japan, das in diesem Jahr bereits von S&P heruntergestuft worden war. Ein negativer Ausblick sei für einen Staat "nicht das Ende der Welt".

yes/Reuters/dpa

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insgesamt 60 Beiträge
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Seite 1
tristar73, 19.04.2011
1. ...
Haben die Rating-Agenturen inzwischen die Souveränität des Staates übernommen? Ihre Bewertungen haben ja mehr Einfluss als irgendwelche Entscheidungen eines Mr. Obama, der mir immer mehr wie eine hilflose Marionette vorkommt. Die US-Regierung, sofern sie denn noch Handlungsfähig ist, sollte mal lieber dieses Privatbanken-Kartell namens FED unter die Lupe nehmen, und Rating-Agenturen sollten sich um die Kreditwürdigkeit einzelner Unternehmen kümmern, und nicht von der ganzer Nationalstaaten.
Hador, 19.04.2011
2. Nein, keinen Titel....
Zitat von sysopDas harte Rating-Urteil gegen die USA schlägt hohe Wellen: Nach dem Einbruch des Dow Jones sind auch die Börsen in Asien*deutlich ins Minus gerutscht. Der weltgrößte Anleihe-Investor verlangt von Washington mehr Einsatz im Kampf gegen die Schuldenkrise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757855,00.html
Von was für einem Einbruch redet der Autor des Artikels denn bitteschön? Der Dow Jones hat gestern 1.14% verloren, dass ist doch kein Einbruch, das ist normales Börsengeschäft. Es kann ja gut sein, dass die Börsen jetzt erstmal wieder runtergehen, aber bei Verlusten von knapp über einem Prozent von einem Einbruch zu reden ist doch Unfug. Ist SPON eigentlich von BILD aufgekauft worden oder was sollen diese ganzen extrem reisserischen Artikel in den letzten Wochen?
atzigen 19.04.2011
3. Innkompet
Zitat von sysopDas harte Rating-Urteil gegen die USA schlägt hohe Wellen: Nach dem Einbruch des Dow Jones sind auch die Börsen in Asien*deutlich ins Minus gerutscht. Der weltgrößte Anleihe-Investor verlangt von Washington mehr Einsatz im Kampf gegen die Schuldenkrise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757855,00.html
Überrascht sind nur die Blind-Innkompetenten. Wie diese Gelddruck Volkswirtschaft ihre realen Verbindlichkeiten je begleichen soll,wissen nicht einmal die Götter im Finanzolymp.
si_tacuisses 19.04.2011
4. .....reißt die Börsen nach unten.......
Zitat von sysopDas harte Rating-Urteil gegen die USA schlägt hohe Wellen: Nach dem Einbruch des Dow Jones sind auch die Börsen in Asien*deutlich ins Minus gerutscht. Der weltgrößte Anleihe-Investor verlangt von Washington mehr Einsatz im Kampf gegen die Schuldenkrise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757855,00.html
wouw !! ein neuer black friday, aber diesmal in Asien ? Weit seid ihr nicht mehr von der BLÖD - Zeitung entfernt. Das Niveau nähert sich bedenklich an.
fritz_64 19.04.2011
5. die geister die ich rief..
wenden sich jetzt gegen die usa selbst, warum sollten die usa nicht an den selbst verfassten kriterien in zeiten des von ihnen ausgerufenen turbokapitalismus in verbindung mit totaler marktliberalisierung gemessen werden...vor diesem hintergrund eigentlich schon lange überfällig, oder eben nur ein weiterer trick um schnell einige milliarden gewinn zu realisieren, wer sagt denn das standard & poors unabhänig sind, geht doch eh nur darum aus nichts gewinn zu machen...
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