Hedgefonds-König Ray Dalio Großwildjäger der Wall Street

Er ist der Reichste der Reichen: Der US-Hedgefondsmanager Ray Dalio verdiente im vergangenen Jahr fast vier Milliarden Dollar und setzte sich damit an die Spitze der verhassten Branche. Doch hinter seinem Erfolg steckt mehr als nur clevere Zockerei.

Hedgefonds-Hai Dalio: "Realität + Träume + Entschlusskraft = Ein erfolgreiches Dasein"
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Hedgefonds-Hai Dalio: "Realität + Träume + Entschlusskraft = Ein erfolgreiches Dasein"

Von , New York


Ray Dalio liebt die Jagd. Nicht nur in der Heimat, sondern vor allem dort, wo das einen noch herausfordert. Etwa in Afrika: Da stellt er gerne dem Kaffernbüffel nach - mit Pfeil und Bogen. "Alles eine Frage der Risikokontrolle", prahlte er kürzlich im "New Yorker" über seine privaten Pirschkünste. "Riskante Dinge sind nicht zwingend riskant, wenn du sie verstehst."

Womit er auch seine Geschäftsphilosophie beschrieben hat: "Wo ist der Abgrund? Und wie halte ich die richtige Distanz zum Abgrund?" Mit diesem Credo hat es Ray Dalio, 62, zu einem der reichsten Männer der Wall Street gebracht: Er jagt und erlegt Investments mit der gleichen Kaltblütigkeit wie Großwild.

Zugleich setzt er sich damit aber auch ab von all den anderen Profitjägern vor Ort. Denn der Hedgefonds-Hai, der die Finanzkrise vorhersah und das in Milliardengewinne ummünzte, gilt als Guru des Geldes. Als "Steve Jobs des Investments", wie ihn das Fachmagazin "Asset International" tituliert: Seine Methoden, sein Stil und nicht zuletzt sein Umgangston sind kontrovers, innovativ, erfolgreich - und lassen die sonst selbstgefällige Branche aufhorchen.

Denn gleich zwei Krösus-Ranglisten ehrten Dalio jüngst mit dem Spitzenplatz: Sowohl "Forbes" als auch das Insider-Magazin "Absolute Return" ("AR") ernannten ihn zum erfolgreichsten Hedgefondsmanager 2011. "Forbes" beziffert seinen Verdienst auf drei Milliarden Dollar, "AR" sogar auf 3,9 Milliarden Dollar. Allein das offenbart, wie mysteriös dieses Business für Außenseiter weiter bleibt.

Damit jagte Dalio dem langjährigen Vorreiter John Paulson die Spitzenposition ab. Der hatte 2010 noch fünf Milliarden Dollar eingesackt, schaffte es diesmal aber nicht mal auf die "AR"-Liste der 25 Top-Manager, nachdem sich einer seiner größten Fonds mit der Euro-Krise verspekuliert und fast die Hälfte der Einlagen verloren hatte. Ein wahrlich launisches Geschäft.

Das Tagesgeschäft ist vom exzentrischen Führungsstil Dalios geprägt

Die Branche hat ein hartes Jahr hinter sich. Die Großverdiener mussten Einbußen von 35 Prozent hinnehmen. Bridgewater Pure Alpha dagegen, Dalios bester Fonds, machte 2011 ein Plus von 16 Prozent. Sprich: 13,8 Milliarden Dollar. Dalio hatte gut gezockt: Er wettete gegen US-Staatsanleihen, bevor der Markt ins Schlingern geriet, und wechselte den Kurs, als er Erholung witterte.

Doch hinter Dalios Erfolg steckt mehr. Das zeigt sich schon am Selbstverständnis seiner Fondsgruppe Bridgewater, die vergangenes Jahr Einlagen von insgesamt 120 Milliarden Dollar managte. Seinen Gebäudekomplex im steuergünstigen US-Bundesstaat Connecticut, eineinhalb Autostunden nordöstlich der Wall Street, nennt Dalio hochtrabend "Campus" - wie Apple seine Zentrale im Silicon Valley.

Die Parallelen zum Kult um Apple und seinen 2011 verstorbenen Gründer Steve Jobs gehen weiter. Auch bei Bridgewater ist das Tagesgeschäft offenbar vom exzentrischen Führungsstil eines autoritären, hageren Chefs geprägt, der seinen Mythos pflegt. Besucher berichten, dass überall winzige Kameras hingen und fast alle Sitzungen aufgezeichnet würden, und dass es dabei hart und gnadenlos zugehe. Dalio mache seine Untergebenen gerne offen zur Schnecke und zwinge sie hernach, das Video ihrer Erniedrigung zu analysieren.

"Wir pflegen ein Klima der radikalen Offenheit", bestätigt Dalio, "auch wenn diese Ehrlichkeit schwierig und ungemütlich sein kann." Diese Zerstörung von Ego und Selbstbewusstsein macht nicht jeder mit: Jeder vierte Neuling bei Bridgewater ist nach zwei Jahren schon wieder weg. Die, die bleiben, werden reich belohnt: Auch Dalios Fondsmanager Greg Jensen und Robert Prince schafften es 2011 in die Top 25.

"Die Wirtschaft ist wie eine Maschine, die nicht gut verstanden wird"

Dalios "radikale Transparenz" erstreckt sich auch auf die eigenen Gedanken: Er hat seine internen Strategiepapiere und Leitsätze im Netz veröffentlicht. Nicht nur als Bibeln des Investments, sondern als Lebensphilosophie, die er huldvoll verkündet wie ein Prophet.

Zum Beispiel die "Vorlage zum Verständnis", mit der Dalio seine "zeitlosen und universellen" Vorstellungen auf 21 Seiten zusammenfasst. Die begann Dalio Ende 2008 aufzuschreiben, nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers. Der zentrale Satz, den seine Fans gebetsmühlenartig zitieren: "Die Wirtschaft ist wie eine Maschine" - eine "relativ einfache Maschine", die "nicht gut verstanden wird".

Das Papier, ein flott formulierter Parforceritt durch die Makroökonomie, wird ergänzt von den etwas gewundeneren "Prinzipien" - 123 Seiten Regeln, Grafiken und Tabellen, die die Investment-Grundlagen und Firmenphilosophie von Bridgewater verankern - gepaart mit teils banalen Lebensweisheiten: "Realität + Träume + Entschlusskraft = Ein erfolgreiches Dasein."

Kein Wunder, dass sich Spötter wie der Börsenblog "Dealbreaker" über Dalio lustig machen. Seine "Prinzipien" läsen sich wie "Glückskekse" aus der gemeinsamen Feder von Kapitalismus-Ikone Ayn Rand und Wellness-Autor Deepak Chopra, hämte das "New York Magazin". "Bridgewater ist eine Sekte", zitierte "AR" einen Ex-Manager. "Es ist isoliert, hat einen charismatischen Führer und ein Dogma."

Und doch: Mit seinen mathematisch erstellten und als interne Software verankerten Regeln macht Dalio Milliarden. Nicht nur im Namen der Klienten, in erster Linie institutioneller Investoren statt Privatkunden. Sondern auch auf eigene Kasse, dank satter Gebühren von 22 Prozent.

Allerhand für den Sohn eines Jazzmusikers und einer Hausfrau aus Queens, der seinen ersten Deal mit zwölf machte - 300 Dollar Aktien der Fluggesellschaft Northeast Airlines, die nach dem Verkauf der Firma hochschossen. An der Wall Street eckte er anfangs an mit seiner Überheblichkeit. Schließlich gründete er 1975 Bridgewater, in seiner kleinen Wohnung.

Dalio verprasst seinen Reichtum weniger ostentativ als andere. Er hat sich der globalen Spendenaktion von Bill Gates und Warren Buffett angeschlossen. Mindestens die Hälfte seines Privatvermögens geht an gute Zwecke: "Es ist nicht so wichtig, mehr Geld zu haben."

Das zu sagen ist natürlich einfach für einen, dessen Kontostand von "Forbes" auf zehn Milliarden Dollar geschätzt wird. Den größten Batzen davon verdiente er 2011. Und worauf setzt Ray Dalio in diesem Jahr? Ein Wort: Gold.



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
weizenbier warrior 04.04.2012
1. Buch?
Wo gibt es sein Buch? Würde ich gerne lesen.
frubi 04.04.2012
2. .
Zitat von sysopAPEr ist der Reichste der Reichen: Der US-Hedgefondsmanager Ray Dalio verdiente im vergangenen Jahr fast vier Milliarden Dollar und setzte sich damit an die Spitze der verhassten Branche. Doch hinter seinem Erfolg steckt mehr als nur clevere Zockerei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825474,00.html
Sein Erfolg sollte in einer funktionierenden Demokratie in dieser Höhe gar nicht erst möglich sein. Geld bedeutet Macht und Einfluss und diese Macht wird von vielen auch irgendwann eingesetzt. Man sieht es ja bereits hier in Deutschland, wo Verbände und Lobbyisten an Gesetzen, die ihrer jeweiligen Klientel weitere Vorteile verschaffen, mitarbeiter oder diese sogar im Ganzen ausarbeiten. Ich gönne den meisten Erfolgsmenschen auch ihren Erfolg und besonders gönne ich es denen, die dafür wirklich hart kämpfen müssen und nebenbei Arbeitsplätze schaffen aber diese Finanzgeier arbeiten mit Geld und lassen dieses für sich arbeiten und das wird noch nicht einmal großartig durch Steuern begrenzt. Für mich sind diese Leute die absoluten Antidemokraten und diejenigen, die sie weiterhin gewähren lassen, dürfen sich ebenfalls in die selbe Kategorie einordnen.
FXTrader 04.04.2012
3. Dalio
Mit Soros einer der besten Fund-Manager/Trader allerzeiten, wobei ich Soros noch mehr respektiere wegen seiner Theorien und seinem Angriff auf den britischen Pfund 1992. Einmalig und legendär!
jolip 04.04.2012
4.
Zitat von FXTraderMit Soros einer der besten Fund-Manager/Trader allerzeiten, wobei ich Soros noch mehr respektiere wegen seiner Theorien und seinem Angriff auf den britischen Pfund 1992. Einmalig und legendär!
Die Währung eines demokratischen Rechtsstaates angreifen, mit den daraus entstehenden negativen Folgen für die Bürger dieses Staates, ist das nicht Terrorismus?
zins-bürger 04.04.2012
5. diese Macht wird von vielen auch irgendwann eingesetzt.
Zitat von frubiSein Erfolg sollte in einer funktionierenden Demokratie in dieser Höhe gar nicht erst möglich sein. Geld bedeutet Macht und Einfluss und diese Macht wird von vielen auch irgendwann eingesetzt. Man sieht es ja bereits hier in Deutschland, wo Verbände und Lobbyisten an Gesetzen, die ihrer jeweiligen Klientel weitere Vorteile verschaffen, mitarbeiter oder diese sogar im Ganzen ausarbeiten. Ich gönne den meisten Erfolgsmenschen auch ihren Erfolg und besonders gönne ich es denen, die dafür wirklich hart kämpfen müssen und nebenbei Arbeitsplätze schaffen aber diese Finanzgeier arbeiten mit Geld und lassen dieses für sich arbeiten und das wird noch nicht einmal großartig durch Steuern begrenzt. Für mich sind diese Leute die absoluten Antidemokraten und diejenigen, die sie weiterhin gewähren lassen, dürfen sich ebenfalls in die selbe Kategorie einordnen.
Jede Affengesellschaft ist zivilisierter als die zivilisierte menschliche, die sich auf unseren Zins- und Schulden- Kapitalismus verlässt und ihn zum "Leben" benutzt.
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