Wirtschaft


Bestechungsverdacht in Österreich: Razzia bei EADS wegen "Eurofighter"-Deal

Hat EADS dem Verkauf von "Eurofighter"-Kampfflugzeugen in Österreich mit Schmiergeld nachgeholfen? Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet - und mehrere Standorte des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns durchsucht.

"Eurofighter"-Show in Frankreich: Bestechung bei Österreich-DealZur Großansicht
dapd

"Eurofighter"-Show in Frankreich: Bestechung bei Österreich-Deal

München - Die Vorwürfe stehen seit Jahren im Raum, jetzt beginnen die Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft München I hat gegen den Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechungsverdacht eingeleitet. Es geht dabei um den Verkauf von Kampfflugzeugen vom Typ "Eurofighter" an Österreich.

Im Zuge dieses Verfahrens seien am Mittwoch mehrere Objekte in Deutschland durchsucht worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Haftbefehle seien dabei nach seiner Kenntnis nicht vollzogen worden. Zur Zahl der Verdächtigen wollte sich der Sprecher nicht äußern. Diese stünden jedenfalls unter dem Verdacht, ausländische Amtsträger bestochen zu haben.

Ein EADS-Sprecher bestätigte, dass Ermittlungen gegen den Konzern stattfinden. "Wir unterstützen die Behörden. Aufgrund des laufenden Verfahrens machen wir keine weiteren Aussagen dazu", sagte der Sprecher. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP durchsuchten die Ermittler unter anderem die drei Münchner EADS-Standorte in Ottobrunn, Hallbergmoos und Unterschleißheim.

Der Hintergrund ist ein Geschäft mit Österreich: Vor zehn Jahren hatte die damalige Regierung des österreichischen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel bei dem Rüstungskonzern 18 "Eurofighter"-Kampfjets für insgesamt rund zwei Milliarden Euro bestellt. Nach einem Regierungswechsel wurde die Zahl der Flugzeuge auf 15 und der Kaufpreis damit auf rund 1,6 Milliarden Euro reduziert.

Bereits kurz nach der Bestellung der "Eurofighter" kam der Verdacht auf, dass es bei dem Geschäft zu Schmiergeldzahlungen gekommen sei, schließlich hatte sich die damalige Regierung für das EADS-Angebot entschieden, obwohl andere Kampfflugzeuge deutlich günstiger gewesen wären. Die Höhe der Bestechungsgelder soll österreichischen Medienberichten zufolge im dreistelligen Millionenbereich liegen.

nck/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 7 Beiträge
...und schon hat man verstanden, warum die EADS-Bosse und die Briten so scharf darauf waren, diesen Konzern jeder staatlichen Kontrolle zu entziehen und trotz der Investition von Milliarden Steuergeldern aus Deutschland nach [...]
...und schon hat man verstanden, warum die EADS-Bosse und die Briten so scharf darauf waren, diesen Konzern jeder staatlichen Kontrolle zu entziehen und trotz der Investition von Milliarden Steuergeldern aus Deutschland nach Großbritannien zu "entrücken". Dort gäbe es dann so gut wie keine Kontrolle mehr für grenzenlosen Waffenhandel und die Schmierarbeiten der Dunkelmänner a la Schreiber und vielen anderen Bekannten aus der Politik. Wir hätten die Kosten, die anderen Spass- und Vergnügen und Schmiergeldzahlungen.Oder glaubt jemand, dieser Skandal in Österreich wäre aufgeflogen, wenn EADS eine Privatfirma wäre ohne beamtete Ansprechpartner bei offiziellen Regierungsstellen?
_derhenne 07.11.2012
EADS kann sich beim Thema "Konzernimage" langsam in den Regionen von Foxconn, Exxonmobile oder Monsanto einordnen. Man hört nur Negatives.
EADS kann sich beim Thema "Konzernimage" langsam in den Regionen von Foxconn, Exxonmobile oder Monsanto einordnen. Man hört nur Negatives.
graphicdog 07.11.2012
"Die Vorwürfe stehen seit Jahren im Raum-jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen." Das sagt doch schon Alles. Es fragt ja auch niemand mehr, warum Max Strauss 300 Mio. in bar ins Ausland bringen [...]
"Die Vorwürfe stehen seit Jahren im Raum-jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen." Das sagt doch schon Alles. Es fragt ja auch niemand mehr, warum Max Strauss 300 Mio. in bar ins Ausland bringen wollte.
Stefnix 07.11.2012
Muß nicht mal ein dreistelliger Millionenbetrag sein, ein zweitstelliger reicht auch!
Muß nicht mal ein dreistelliger Millionenbetrag sein, ein zweitstelliger reicht auch!
prince62 07.11.2012
Im österreichischen Fernsehen kommen öfters diesbezügliche Meldungen, allerdings hat in Wien die Politik die Staatsanwaltschaften offenbar noch einigermaßen unter Kontrolle, sprich kann die Ermittlungen immer wieder zum [...]
Zitat von graphicdog"Die Vorwürfe stehen seit Jahren im Raum-jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen." Das sagt doch schon Alles. Es fragt ja auch niemand mehr, warum Max Strauss 300 Mio. in bar ins Ausland bringen wollte.
Im österreichischen Fernsehen kommen öfters diesbezügliche Meldungen, allerdings hat in Wien die Politik die Staatsanwaltschaften offenbar noch einigermaßen unter Kontrolle, sprich kann die Ermittlungen immer wieder zum Stillstand bringen, genauso wie in Bayern. Im übrigen sei auch wieder mal anzumerken, daß Politik und Wirtschaft/Industrie gerade bei Waffengeschäften schmieren was das Zeug hält, unser Bimbeskanzler und sein Geschäft mit Saudi-Arabien nur als Beispiel, oder warum sollte auch Griechenland regelmäßig große Rüstungsgeschäfte tätigen, wenn das Land völlig ohne Feind und auch völlig ohne sonstigen Wert ist. Da halten beide Seiten, Politiker wie Manager der beteiligten Industrie alle Hände auf, bezahlen muß ja sowieso der dumme Steuerzahler.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema EADS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Mittwoch, 07.11.2012 – 12:47 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 7 Kommentare

EADS
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) wurde 2000 gegründet. EADS ist der größte Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern in Europa und der zweitgrößte Branchenvertreter der Welt. Das Unternehmen setzt gut 40 Milliarden Euro pro Jahr um und beschäftigt fast 120.000 Mitarbeiter.





TOP



TOP