Razzia: Ermittler durchsuchen HSH Nordbank

Die HSH Nordbank hat Besuch von der Staatsanwaltschaft bekommen: Die Zentralen der Bank sowie Privatwohnungen werden durchsucht. Gegen ehemalige und derzeitige Top-Manager wird wegen des Verdachts der schweren Untreue und Bilanzfälschung ermittelt - auch gegen Vorstandschef Nonnenmacher.

HSH Nordbank-Vorstandschef Nonnenmacher: Verdacht auf Untreue und Bilanzfälschung Zur Großansicht
ddp

HSH Nordbank-Vorstandschef Nonnenmacher: Verdacht auf Untreue und Bilanzfälschung

Hamburg - Polizei und Staatsanwaltschaft führen in den Geschäftsräumen der HSH Nordbank und in Privatwohnungen von früheren Vorstandsmitgliedern eine Razzia durch. Die Staatsanwaltschaft bestätigte eine entsprechende Meldung des Magazins "Focus".

Demnach fuhren die Finanzermittler am Mittwochvormittag um 10 Uhr an den Filialen der HSH Nordbank in Hamburg und Kiel vor und durchsuchten die Geschäftsräume sowie fünf Privatwohnungen in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Sechs Staatsanwälte und 60 Polizisten sollen Kredit- und Vorstandsunterlagen sowie weitere Dokumente sicherstellen. Nach Angaben des "Focus" rückte die Sonderkommission "Nordland" unter anderem bei dem Ex-Vorstandvorsitzenden Hans Berger und den ehemaligen Vorstandsmitgliedern Peter Rieck und Jochen Friedrich an.

Die Behörde ermittelt seit Monaten gegen ehemalige und derzeitige Top-Manager der Bank. Es geht um den Verdacht der Bilanzfälschung und der Untreue im Zusammenhang mit riskanten Kreislaufgeschäften, die der Bank dreistellige Millionenverluste beschert hatten. Dabei geht es unter anderem um ein Geschäft mit dem Codenamen "Omega 55", das auch von dem amtierenden Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher abgezeichnet wurde. Gegen Nonnenmacher laufen ebenfalls Ermittlungen, sein Haus wurde jedoch laut Staatsanwaltschaft nicht durchsucht.

HSH Nordbank schreibt weiterhin tiefrote Zahlen

Am Mittwoch musste die HSH Nordbank noch eine andere schlechte Nachricht bekanntgeben: Die Bank schreibt erneut Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Hohe Kosten für Staatshilfen und der schwache Euro haben die Bank im ersten Quartal belastet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbuchte die Landesbank einen um 20 Prozent höheren Verlust von 276 Millionen Euro.

Darin enthalten seien 151 Millionen Euro an Kosten für staatliche Garantien. Die Bank musste von den Hauptanteilseignern Schleswig-Holstein und Hamburg mit einer Kapitalspritze in Höhe von drei Milliarden Euro sowie Bürgschaften über zehn Milliarden Euro gerettet werden.

Zudem korrigierte die HSH Nordbank ihren Jahresverlust für 2009 nach oben. Dieser liege bei 743 Millionen Euro und nicht wie zuvor kommuniziert bei 679 Millionen Euro. Grund sei ein "Versehen im Arbeitsablauf", durch das es Zuschreibungen bei vier wertgeminderten Papieren gegeben habe. Diese Bilanzkorrektur stehe nicht im Zusammenhang mit den Durchsuchungen, sagte ein HSH-Sprecher.

lgr/dpa/apn/ddp

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