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Reaktion auf Schuldenschnitt: Ackermann warnt Euro-Staaten vor Geldmangel

Vor wenigen Wochen hat Josef Ackermann den Schuldenschnitt für Griechenland noch selbst mit ausgehandelt. Jetzt weist der Deutsche-Bank-Chef auf die Schattenseiten der Lösung hin. Man habe damit die "Büchse der Pandora" geöffnet. Für die Finanzierung der Staaten könne das schwere Folgen haben.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Die Büchse der Pandora geöffnet Zur Großansicht
dapd

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Die Büchse der Pandora geöffnet

London - Als Durchbruch war der Euro-Gipfel Ende Oktober von der Politik gefeiert worden - vor allem, weil die Staats- und Regierungschefs den internationalen Banken einen Schuldenschnitt von 50 Prozent abgerungen hatten. Noch ist der Schnitt nicht vollzogen, da warnen die Banken schon vor negativen Folgen für die künftige Finanzierung von Staaten.

"Wenn man die Büchse der Pandora öffnet, wer wird dann noch in Staatsanleihen investieren?", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Interview mit der britischen Zeitung "Financial Times". "Die schwere Störung einer risikofreien Anlageklasse wird langfristige Folgen haben."

Im Klartext heißt das: Die Banken werden künftig vorsichtiger sein beim Kauf von Staatsanleihen - und den Regierungen nicht mehr blind Geld leihen. Die Staaten müssen sich das Geld also entweder woanders besorgen, oder einfach mehr sparen.

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Schon jetzt bekommen einige Staaten diese Auswirkungen des griechischen Schuldenschnitts zu spüren. Seit klar ist, dass die Banken auf 50 Prozent ihrer Griechenland-Anleihen verzichten sollen, haben sie sich auch verstärkt von Papieren anderer Problemländer getrennt - insbesondere von italienischen Anleihen.

Das hat dazu geführt, dass die Kurse für italienische Staatspapiere seit dem Euro-Gipfel deutlich gesunken und die Risikoaufschläge stark gestiegen sind. Am Mittwoch stieg der Zinssatz, den Anleger für den Kauf der Anleihen verlangen, erstmals über sieben Prozent. Eigentlich hatten sich die Politiker von dem Gipfel Ende Oktober eine beruhigende Wirkung auf die Finanzmärkte erhofft.

Der Verzicht der Banken im Falle Griechenlands dürfe nicht zum Präzedenzfall werden, sondern müsse eine Ausnahme bleiben, sagte Ackermann, der auch Präsident des Internationalen Bankenverbandes IIF ist.

stk/Reuters/dpad

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1. ...
nixkapital 09.11.2011
Zitat von sysopVor wenigen Wochen hat Josef Ackermann den Schuldenschnitt für Griechenland noch selbst mit ausgehandelt. Jetzt kritisiert der Deutsche-Bank-Chef die Lösung. Man habe damit die "Büchse der Pandora" geöffnet. Für die Finanzierung der Staaten könne das schwere Folgen haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796740,00.html
...wie ist das, wenn man die Banken umgeht und das Geld direkt bei der Zentralbank leiht?
2. Nicht voll genug
redwed09 09.11.2011
Zitat von sysopVor wenigen Wochen hat Josef Ackermann den Schuldenschnitt für Griechenland noch selbst mit ausgehandelt. Jetzt kritisiert der Deutsche-Bank-Chef die Lösung. Man habe damit die "Büchse der Pandora" geöffnet. Für die Finanzierung der Staaten könne das schwere Folgen haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796740,00.html
Typisch Ackermann, erst den Staaten ein gutes Angebot (nur 50% Abwertung der Griechenland Anleihen) abpressen und dann drohen und pöbeln. So ist sie, die Finanzindustrie. Bekommt den Hals nicht voll genug.
3. abschieben diesen schrägen Vogel.
si_tacuisses 09.11.2011
Zitat von sysopVor wenigen Wochen hat Josef Ackermann den Schuldenschnitt für Griechenland noch selbst mit ausgehandelt. Jetzt kritisiert der Deutsche-Bank-Chef die Lösung. Man habe damit die "Büchse der Pandora" geöffnet. Für die Finanzierung der Staaten könne das schwere Folgen haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796740,00.html
in die Schweiz.
4. ...
E.Cartman 09.11.2011
Zitat von sysopVor wenigen Wochen hat Josef Ackermann den Schuldenschnitt für Griechenland noch selbst mit ausgehandelt. Jetzt kritisiert der Deutsche-Bank-Chef die Lösung. Man habe damit die "Büchse der Pandora" geöffnet. Für die Finanzierung der Staaten könne das schwere Folgen haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796740,00.html
Er droht also damit, dass seine Leute in Zukunft ihre Arbeit machen könnten, und das Geld der Sparer und Anleger nicht mehr verjubeln ohne Fragen zu stellen, oder wie John Stewart gestern über Investitionen in Südeuropa sagte: "Playing roulette and betting everything on purple." Was er als IIF Chef natürlich wie seine Kollegen unterschlagen muss, ist dass nicht "die Staaten" das Problem sind, sondern dass man sich in einer Gruppe von Staaten verzockt hat, und hinterher von einer anderen Gruppe von Staaten gerettet werden will.
5. Mmmm...
garfield53, 09.11.2011
Wieso droht der "Privat-Banker" Ackermann mit "Geldentzug"? Ich Naivling war immer davon ausgegangen, dass das "Geldmonopol" in staatlicher Hand, jetzt EZB sei. Deshalb bin ich einigermassen verwirrt, das der EZB-Präsident, ja alle europäischen Staaten, "Angestellte" von ihm seien, was bei seinen Party`s im Kanzleramt ja auch leicht zu Irritationen führen kann. Aber die Gerüchte hatten sich ja sowieso verdichtet, das die europäischen und staatlichen Einrichtungen weisungsgebundene Abteilungen der globalen Konzerne sind, bedenke mann/frau nur die vielen "Rettungsschirme" und Steuergeschenke incl. Machtabgabe an die s.g.private Wirtschaft, auch bei Insidern "OK" genannt. Ist das nun Ackermann`s "Sportpalast"-Auftritt an uns Alle, nach der Devise, wenn wir, die Konzerne untergehen, bekommt ihr den "totalen Finanzkrieg". Dürfen sich solche Erpressungen die Regierungen gefallen lassen oder sind sie schon so korrupt und feige, wie wir alle glauben zu wissen, unter allen Umständen dieses System zu erhalten. Jaaa, wo leeeben wir denn?
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Steckbrief Italien
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Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission

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