Reaktionen Wirtschaftsführer bedauern Aus für die FDP

Die Mehrheitsverhältnisse sind unklar, doch das Aus der FDP sorgt in der Wirtschaft für Aufsehen: BDI-Chef Grillo bedauert, dass es künftig kein liberales Gedankengut im Bundestag gebe. "Der Marktradikalismus ist abgewählt", frohlockt dagegen der Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

BDI-Präsident Grillo: Liberales Gedankengut hat uns vorangebracht
DPA

BDI-Präsident Grillo: Liberales Gedankengut hat uns vorangebracht


Hamburg - Das starke Abschneiden der Union sorgt für Begeisterung bei Anton Börner, dem Chef des Exportverbands BGA: "Das ist ein sensationelles Ergebnis für die CDU, eine tolle Leistung von Frau Merkel. Ich habe damit nicht gerechnet", sagte er am Sonntagabend. Merkel habe voraussichtlich mehrere Optionen: eine absolute Mehrheit oder eine Koalition - entweder mit der SPD oder mit den Grünen.

Hochrechnungen zufolge kommen CDU und CSU gemeinsam auf rund 42,5 Prozent. Das könnte für eine absolute Mehrheit reichen - wenn die Alternative für Deutschland (AfD) es nicht in den Bundestag schafft. Den Einzug ins Parlament verpassen dürfte dagegen die FDP. Die Liberalen kommen bei ARD und ZDF nur auf 4,5 beziehungsweise 4,6 Prozent (alle Höhepunkte des Wahlkrimis im Liveticker hier).

BDI-Präsident Ulrich Grillo sagte in der ARD, er bedauere, "dass die FDP wohl nicht mehr vertreten sein wird. Liberales Gedankengut hat uns in den vergangenen Legislaturperioden vorangebracht." Zur AfD sagte er: Wenn die Partei in den Bundestag einziehen würde, müsse sie zunächst zeigen, dass sie politikfähig sei. "Nur ein Thema - Nein zum Euro - ist zu wenig. Die große Mehrheit der Wirtschaft ist für Europa und den Euro."

Mario Ohoven, der Präsident des Mittelstandsverbandes BVMW beklagte ebenfalls das Scheitern der FDP. "Die Liberalen standen und stehen für eine sehr mittelstandsfreundliche Wirtschaftspolitik", sagte er.

"Soziale Kräfte in der Regierung gestärkt"

Auch Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, äußerte sich nach den ersten Hochrechnungen: "Fest steht, dass die FDP draußen ist", sagte er. "Der Marktradikalismus ist abgewählt. Die Menschen haben den radikalen Neoliberalismus aus dem Parlament verwiesen."

Zwar sei das Wahlergebnis wegen des starken Abschneidens der Union "kein Richtungswechsel", so Schneider. Dennoch ist für ihn klar, dass sich das Parlament und damit die Politik in Deutschland verändern wird: "Selbst wenn Angela Merkel allein regieren kann, werden die sozialen Kräfte in der Regierung stärker werden", sagt Schneider. Die Union werde sich "künftig leichter tun mit sozialpolitischen Themen, weil die Marktapologeten kein Gehör mehr finden".

Michael Hüther, Chef des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), sagte, er hätte "nicht erwartet, dass es die FDP derart zerlegen würde. Ihr voraussichtliches Ausscheiden aus dem Bundestag ist eine historische Marke."

cte/Reuters



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insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
steiger68 22.09.2013
1. Hurra...
...die eizig gute Meldung dieses Tages. Da werden die Lobbyisten wohl kräftig umdenken müssen. Und zur Union nur so viel: Dem Stimmvieh werden in den nächsten Jahren die Augen noch tränen. Aber wie heißt es doch so schön: Nur ein dummes Schaf leckt dem Metzger nie Hand bevor es geschlachtet wird!!!
smartphone 22.09.2013
2. Besser wäre mal was zu kapieren, daß :
der Neoliberalismus ausgedient hat ........ Daß der Bahr mit seinem KV Modell gründlich gescheitert ist ( Abschaffen der KV Pflicht ..effektive Kündbarkeit usw ) Duldung von Hartz4 ist in einem Land mit 14 Mio Arbeitslosen von vorgestern ........ Daß man Versprechen einhält off course und nicht Steuermäßig durchdreht und ansonsten rumniebelt ..... Das Volk ist nicht der BDI oder die BITKOM oder VDI oder gar die INSM
Argentinien_Holdout 22.09.2013
3. Die FDP hat auf seine Wähler gesch.....
Vor langer Zeit gepostet:-> Argentiniengläubiger könnten Zünglein an der Waage sein und mit Verwandtschaft und Bekannten die fehlende 1-2% bringen. Viele Argentiniengläubiger sind (waren) FDP Wähler. Viele würden wieder FDP wählen, wenn sie helfen würde, den Argentinienbetrug, den Vertragsbruch und die Enteignung deutscher Kleinanleger zu beenden. Es existiert ein Investitionsschutzabkommen zwischen Argentinien und Deutschland, unterzeichnet vom damaligen FDP-Außenminister Genscher, das die Enteignung deutscher Investoren ausschließt.
antilobby 22.09.2013
4.
Zitat von steiger68...die eizig gute Meldung dieses Tages. Da werden die Lobbyisten wohl kräftig umdenken müssen. Und zur Union nur so viel: Dem Stimmvieh werden in den nächsten Jahren die Augen noch tränen. Aber wie heißt es doch so schön: Nur ein dummes Schaf leckt dem Metzger nie Hand bevor es geschlachtet wird!!!
Hier ist wohl jemand sauer, dass das Stimmvieh die Hand des rotgrünen Metzgers nicht küssen will, obwohl schöne Steuererhöhungen angekündigt sind.
copenista 22.09.2013
5. Mitleid? Nö.
Endlich haben die Wähler die Gelegenheit genutzt, diesen Kapitalimus-Taliban und Klientel-Schöntuern das Handwerk zu legen. Das gibt mir ein Stück weit den Glauben daran zurück, dass Demokratie eben doch funktioniert. Möge uns die Geißel FDP fürderhin erspart bleiben. Und möge es der neuen Regierung eine Warnung sein, es mit den Lobbyisten nicht allzu kuschelig zu treiben. Ein guter Abend.
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