Reaktionen zum Tode Jobs' "Steve lebte jeden Tag den kalifornischen Traum"

"Wie Mozart und Picasso", "einer der größten amerikanischen Erfinder": Vertreter aus Wirtschaft und Politik, einstige Freunde und Konkurrenten bekunden ihre Anerkennung für den verstorbenen Apple-Gründer - und danken für seine Arbeit.

Von , Washington

REUTERS

Washington - "Ruhe in Frieden, Steve Jobs", lässt US-Präsident Barack Obama seine Wahlkampfhelfer twittern, als die Nachricht vom Tod des Apple-Gründers die Runde macht. "Danke für die Arbeit, die du jeden Tag möglich gemacht hast - inklusive der unseren." Es ist kein Geheimnis, dass man im Umfeld des mächtigsten Mannes der Welt besonders gern auf die apfeltragenden Produkte aus Kalifornien setzt.

Kurz darauf kommt auch das offizielle Statement von Obama und First Lady Michelle direkt aus dem Weißen Haus: "Steve gehörte zu den größten amerikanischen Erfindern - mutig genug, anders zu denken; kühn genug zu glauben, er könnte die Welt verändern; und talentiert genug, das dann auch zu tun." Jobs habe "das Internet in unsere Taschen gesteckt".

Die Obamas weiter: "Er veränderte die Art, wie jeder von uns die Welt sieht." Nun habe die Welt einen "Visionär" verloren. Und es gebe wohl keine größere Ehrbezeugung für Jobs' Erfolg, als dass nun ein Großteil der Menschheit von seinem Tod über ein Gerät erfahre, das er erfunden habe.

Die Nachricht vom Tod des Mannes, der 2004 an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war, später allerdings nach eigenen Angaben geheilt war, und der die moderne Technikwelt mit Produkten wie iPod, iPhone oder iPad revolutioniert hat, verbreitete sich am Mittwochabend wie ein Lauffeuer in Amerika. Jobs' Angehörige erklärten, der 56-Jährige sei friedlich im Kreis seiner Familie verstorben. Der Apple-Konzern veröffentlichte eine Erklärung: "Steves Brillanz, Leidenschaft und Energie waren die Quelle zahlloser Innovationen, die unser aller Leben bereichern und verbessern."

Apple-Mitgründer Steve Wozniak reagierte schockiert auf den Tod seines einstigen Weggefährten. Er sei wie vor den Kopf gestoßen, sagte Wozniak im US-Fernsehsender CNN. "Das ist ein bisschen, wie als John Lennon starb oder JFK oder vielleicht Martin Luther King: Es fühlt sich an wie eine große Lücke."

Samsung lobt Jobs als "innovativen Geist"

Sympathiebekundungen für den Verstorbenen kamen auch von früheren Konkurrenten: Microsoft-Mitgründer Bill Gates erklärte, er werde Jobs ungemein vermissen. "Steve und ich haben uns vor fast 30 Jahren das erste Mal getroffen und wir waren Kollegen, Wettbewerber und Freunde mehr als die Hälfte unserer beider Leben lang." Die Welt sehe selten einen solch bedeutungsvollen Menschen, sagte Gates: Die Früchte von Jobs' Arbeit würden noch von vielen kommenden Generationen geerntet werden: "Für jene von uns, die das Glück hatten, mit ihm arbeiten zu dürfen, war es eine wahnsinnig große Ehre."

Facebook-Chef Mark Zuckerberg richtete sich direkt an Jobs: "Steve, danke für deinen Rat und deine Freundschaft. Danke für den Beweis, dass das, was du baust, die Welt verändern kann. Ich werde dich vermissen." Robert Iger, der Vorstandstvorsitzende der Walt Disney Company, erklärte, Jobs sei ein großartiger Freund und zuverlässiger Ratgeber gewesen. Er habe Millionen Menschen inspiriert, Leben verändert und eine Kultur erschaffen: "Steve war ein Original." Der Software-Unternehmer Marc Andreessen sagte, Steve Jobs sei der Beste der Besten gewesen: "Wie Mozart und Picasso", das werde nie wieder erreicht werden.

Der Chef des Internetgiganten Google, Eric Schmidt, der früher selbst eine führende Position bei Apple innehatte, sprach von einem sehr traurigen Tag. "Steve war so charismatisch brillant, dass er Menschen inspirierte, das Unmögliche zu tun." Er werde als der größte Computererfinder in der Geschichte in Erinnerung bleiben.

Selbst vom hartnäckigsten Apple-Konkurrenten Samsung kamen Trauer-Bekundungen. Geschäftsführer G.S. Choi sprach Familie und Kollegen von Jobs sein "tiefstes Mitgefühl" aus. "Sein innovativer Geist und seine bemerkenswerten Errungenschaften werden den Menschen in aller Welt für immer im Gedächtnis bleiben." Samsung liefert sich seit Monaten heftige Patentstreitereien mit Apple. Wenige Stunden vor der Nachricht von Jobs' Tod hatte der südkoreanische Konzern mitgeteilt, dass er den Verkauf des neuen iPhone 4S von Apple in Frankreich und Italien verhindern wolle.

Er wollte nicht "der reichste Tote auf einem Friedhof sein"

Vornehmlich per Twitter meldeten sich US-Politiker zu Wort. Arnold Schwarzenegger, der frühere Gouverneur von Kalifornien, bemerkte: "Steve lebte jeden Tag seines Lebens den kalifornischen Traum." Er habe die Welt verändert "und uns alle inspiriert". Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney lobte Jobs als "Inspiration für amerikanische Unternehmer".

Filmstars und Sportler brachten ebenfalls ihre Trauer um den Apple-Gründer zum Ausdruck. "Traurig wegen Steve Jobs. Ebenbürtig mit Henry Ford, Carnegie und Edison", twitterte US-Schauspieler Alec Baldwin. Und sein Kollege Kevin Spacey befand: "Die Welt hat heute einen wahren Visionär verloren. Denk anders."

Der siebenmalige Tour-der-France-Sieger Lance Armstrong erinnerte an ein berühmtes Zitat von Jobs: "Ein Computer ist das bemerkenswerteste Werkzeug, das wir jemals geschaffen haben. Es ist ein Fahrrad für unsere Gedanken."

Auch Ex-Schwimm-Weltmeisterin Jessica Hardy teilte via Twitter einen Ausspruch des Apple-Gründers: "Irgendwann einmal der reichste Tote auf einem Friedhof zu sein, interessiert mich nicht. Abends mit der Gewissheit ins Bett zu gehen, etwas Wundervolles geschaffen zu haben, das ist es, was mich wirklich interessiert."

Jobs selbst hatte vor sechs Jahren in einem Interview erklärt, das Bewusstsein für die eigene Sterblichkeit sei eine wichtige Triebfeder für seine technologischen Visionen: "Mich selbst daran zu erinnern, dass ich bald tot sein werde, ist das wichtigste Mittel, das ich je gefunden habe, um die großen Entscheidungen meines Lebens zu treffen."

Weiter sagte Jobs damals: "Fast alle Erwartungen, jeder Stolz oder die Furcht vor Peinlichkeiten oder einem Misserfolg verschwinden im Angesicht des Todes. Übrig bleibt nur, was wirklich wichtig ist."

Mit Material von Reuters, dpa-AFX und sid

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Ursprung 06.10.2011
1. Versoehnlich noch zu Lebzeiten
Der Artikel erscheint mir angemessen. In der Tat ist eines seiner Produkte das Medium, ueber welches ich von dem Tod dieses Firmenfuehrers erfahre: ich kann gar kein anderes Produkt dieses Genres bedienen. Was irgendwie ein bisschen in Vergessenheit geriet, war Job`s Verhaeltnis zu Bill Gates. Gates hatte das viele Jahre das im Vergleich duemmlichere Produkt aber ueberwaeltigenden geschaeftlichen Erfolg. Der Applefirma gings dagegen sauschlecht. Dann griff Gates seinem schaerfsten, weil mit besseren Produkten besserem Konkurrenten mit ein paar Millionen unter die Arme- auch, um selber einer drohenden Trustzerschlagung zu entgehen. Von da an ging es unaufhaltsam aufwaerts mit Apple, bis zum Ueberfluegeln von Mikrosoft. Mir scheint, dass eine berufsbedingt persoenliche Animositaet und Konkurrenzsituation zwischen Jobs und Gates noch zu beider Lebzeiten sehr einvernehmlich beigelegt war, trotz total unterschiedlicher Persoenlichkeiten. Das ist irgendwie versoehnlich und fuehlt sich jetzt, nach dem Tod des einen, besser an, als waere es weniger easy gewesen.
Georgius 06.10.2011
2. Die ....
Zitat von sysop"Wie Mozart und Picasso", "einer den größten amerikanischen Erfindern": Vertreter aus Wirtschaft und Politik, einstige Freunde und Konkurrenten bekunden ihre Sympathien für den verstorbenen Apple-Gründer - und danken für seine Arbeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,790185,00.html
...richtige Uebersetzung des Englischen "sympathy" ist in diesem Zusammenhang : *Anteilnahme* bzw. *Beileid*, das man bekunden, aussprechen kann.
ChriDDel 06.10.2011
3. Rip
Zum schon erwähnten Verhältniss zwischen Gates und Jobs fällt mir immer ein Satz von Steve Wozniak ("The Woz") ein. Er hat in seiner Biografie(iWoz) gesagt (Sinngemäß): "Jobs hat jeden angeschrien, nur Gates nicht." Die Beiden waren sich immer sehr ähnlich. Und um Wozniak nochmal zu ehren. Ohne ihn, hätte Jobs keine Produkte gehabt um Apple zu gründen. Udn Woz hätte keine Firma gründen Können ohne Jobs und sein außergewöhliches Talent zum Handeln und Bewerben. Jobs war einer der Größten. R.I.P.
Beute 06.10.2011
4. Steve-Ruhe in Frieden
Seit 20 Jahren lebe und arbeite ich mit Mac Computern. Nie hatte ich Probleme damit. Danke für diese hervorragenden Produkte.
Marthe Schwertlein, 06.10.2011
5. Apple Werksch http://exhibs.info/display/Hamburg/Museum-Kunst-Gewerbe-Stylectrical/in
Einen passenderen Zeitpunkt hätten die Leute im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg für ihre Werkschau zum Apple-Design gar nicht finden können.
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