Mitarbeitervertretung Mercedes-Arbeiter wählen mehr rechte Betriebsräte

Im Daimler-Werk in Stuttgart haben rechte Kandidaten bei der Betriebsratswahl ihren Einfluss ausgebaut. Auch in anderen Mercedes-Werken wurden Mitarbeiter einer umstrittenen Liste gewählt.

Daimler-Werk in Stuttgart-Untertürkheim
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Daimler-Werk in Stuttgart-Untertürkheim


In den Betriebsrat des Mercedes-Stammwerks in Stuttgart-Untertürkheim ist erneut eine rechtsradikale Liste eingezogen. Die Liste "Zentrum Automobil" stelle künftig sechs Vertreter - zwei mehr als bislang, teilte der Betriebsrat des Werks auf Basis des vorläufigen Abstimmungsergebnisses mit. Eine große Mehrheit der Mandate holte erneut die Gewerkschaft IG Metall.

Arbeitnehmervertreter hatten sich vor der Wahl in dem Werk mit etwa 22.000 Beschäftigten besorgt gezeigt. "Der Betriebsrat distanziert sich strikt von allem rechtsradikalen und neonazistischen Gedankengut", hieß es in einer Erklärung.

Bei einer Wahlbeteiligung von 63,6 Prozent entfielen nun 13,2 Prozent auf die umstrittene Zentrumsliste, die sich als "oppositionelle Gewerkschaft" sieht. Sie kam mit etwa 1800 Stimmen auf Platz zwei. 75,7 Prozent der Stimmen holte die IG Metall, die nun 37 der 47 Betriebsräte stellt - drei mehr als bislang.

Führend für die Zentrumsliste steht der schon länger als Betriebsrat bei Daimler tätige Oliver Hilburger. Er und seine Kollegen spielten früher in Bands der rechtsextremen Szene. Hilburger sprach laut Online-Auftritt von Zentrum auch bei einer Veranstaltung der rechtsgerichteten Pegida in Dresden.

Zentrum hat nach eigenen Angaben das Ziel, die IG Metall zu bekämpfen. Auch in anderen Mercedes-Werken konnten Vertreter der Liste bei Betriebsratswahlen Sitze in den Gremien gewinnen. In Sindelfingen und Rastatt zog die Liste jeweils erstmals ein - mit zwei beziehungsweise drei Vertretern. (Lesen Sie hier das Interview mit dem Soziologen Klaus Dörre: "Wieso wählen Arbeiter so häufig rechts?")

"Wir beobachten die Entwicklung genau", hatte der Daimler-Konzern zu den rechten Betriebsräten erklärt. "Wir stehen zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung und erwarten von allen Mitarbeitern, dass sie Toleranz in ihrer täglichen Arbeit leben."

apr/Reuters/dpa



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