Rechtliche Bedenken EU-Kommission zweifelt an Börsenfusion

Es soll der größte Zusammenschluss der Börsengeschichte werden - doch nun wachsen die Zweifel an der geplanten Mega-Fusion zwischen Deutscher Börse und New York Stock Exchange. Die EU-Kommission fürchtet eine zu große Marktmacht des neuen Unternehmens - und braucht deshalb mehr Zeit zur Prüfung.

Handelssaal der Deutschen Börse: Die Fusion mit New York wird verzögert
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Handelssaal der Deutschen Börse: Die Fusion mit New York wird verzögert


Brüssel- Die EU-Kommission will die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der New York Stock Exchange (NYSE) genauer unter die Lupe nehmen. Nach Ablauf einer ersten Frist am Donnerstag kündigte die EU-Kommission eine vertiefte Prüfung des Zusammenschlusses an. Damit könnte sich das Vorhaben bis Ende des Jahres hinziehen - wenn es überhaupt genehmigt wird.

Eine erste Marktuntersuchung habe wettbewerbsrechtliche Bedenken in einer Reihe von Bereichen ergeben, teilte die Kommission mit. Besonders kritisch sieht sie den Handel mit Derivaten - also mit Finanzprodukten, mit denen sich Wetten auf Entwicklung anderer Produkte abschließen lassen. Durch die Fusion würden die beiden größten Derivate-Börsen in Europa vereint.

Die Kommission habe nun bis zum 13. Dezember Zeit, um zu entscheiden, ob der Zusammenschluss den Wettbewerb im Europäischen Wirtschaftsraum erheblich behindern würde.

Die Verlängerung kommt nicht überraschend: EU-Kommissar Joaquín Almunia hatte bereits angekündigt, dass er mit seinen Mitarbeitern die Transaktion und ihre möglichen Folgen "eingehend" prüfen wolle. Schließlich entstünde aus dem Zusammenschluss der beiden Marktbetreiber der weltgrößte Börsenkonzern.

Auch die Unternehmen haben sich schon auf eine längere Wartezeit eingestellt. Bis zum Jahresende wollen sie aber die Transaktion abschließen, wie sie erst vor wenigen Tagen bekräftigt hatten. Die Aktionäre beider Börsenbetreiber haben dem Zusammenschluss bereits zugestimmt. Dass die EU den Deal ganz untersagt, gilt als unwahrscheinlich. Allerdings könnte sie Bedingungen stellen, etwa den Verkauf einzelner Unternehmensteile.

stk/Reuters/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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JohnBlank, 04.08.2011
1. Wall-Street kontrolliert dann Deutsche Börse
Eigentlich müsste die Deutsche Börse der Größere in dem Geschäft sein und dadurch mehr Macht auf New York ausüben können. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das Managment wird in NY sein, an der Wall-Street, und nicht, wie man eigentlich meinen sollte ,in Frankfurt. Bin gegen den Deal, aber die Politikelite der Eu wird schon ja sagen, ist ja die Wall-Street, und die bekommt alle Rettungsmillarden und Wünsche erfüllt ;)
Medianet 04.08.2011
2. Eu
Zitat von JohnBlankEigentlich müsste die Deutsche Börse der Größere in dem Geschäft sein und dadurch mehr Macht auf New York ausüben können. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das Managment wird in NY sein, an der Wall-Street, und nicht, wie man eigentlich meinen sollte ,in Frankfurt. Bin gegen den Deal, aber die Politikelite der Eu wird schon ja sagen, ist ja die Wall-Street, und die bekommt alle Rettungsmillarden und Wünsche erfüllt ;)
Hier zieht jemand anders die Fäden...die EU mischt sich ein, weil weder Frankreich noch GB ruhig daneben stehen wollen...die Franzosen nicht, weil sie die deutsche Geldmarktpolitik stört und die Briten nicht, weil die Börse in London dann an Einfluß verliert....deshalb wird jetzt die EU Knüppel wefen wo sie kann
EineStimme, 05.08.2011
3. Komische Bedenken der EU
Eigentlich ist die EU doch nicht zuständig, da die NYSE nicht auf den europäischen Markt aktiv ist. Wo waren die Bedenken, als sich die beiden Schwergewichte in der EU London und Paris zusammenschlossen? Ich dneke auch, dass da eher andere Gedanken sind und die rechtlichen Bedenken nur vorgeschoben werden sollen. Etwas anderes ist, ob die Deutsche Börse mit der Fusion wirklich gut beraten ist.
really no regrets 05.08.2011
4. Almunia, Solbes, Barroso, Trichet, Lagarde etc.: Wo möglich, dann gegen Deutschland!
Es ist klar, dass hier wie üblich gegen deutsche Interessen interveniert wird. Man muss sich nur einmal das Verhalten des "Wettbewerbskommissars" Joaquín Almunia bei den Banken und Sparkassen anschauen, dann wird schnell klar: Es geht immer alles in Ordnung, wenn es sich um die bereits über alle Maßen subventionierten spanischen Cajas (Sparkassen) handelt, da lässt dieser ganz von seiner südeuropäischen Heimat beeinflusste sozialistische Politiker alles durchgehen, aber bei den deutschen Landesbanken, da wurde der Señor gar nicht müde, immer und immerzu zu warnen. Die Testergebnisse konnten die große Besorgnis Almunias jedoch nicht widerspiegeln, da fielen stets die spanischen Cajas durch. War er nicht auch damals der zuständige Kommissar, als die Falschangaben Griechenlands bei der Aufnahmeprüfung in die EU einfach ungeprüft durchgewunken wurden?
friedrichii 05.08.2011
5. mh
Zitat von sysopEs soll der größte Zusammenschluss der Börsengeschichte werden - doch nun wachsen die Zweifel an der geplanten Mega-Fusion zwischen Deutscher Börse und New York Stock Exchange. Die EU-Kommission fürchtet eine zu große Marktmacht des neuen Unternehmens - und braucht deshalb mehr Zeit zur Prüfung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778471,00.html
Man sollte die deutsche Börse halt kurzfristig nach Spanien, Frankreich oder England verlegen, dann geht das schon in Ordnung.
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