"Technologische Aufholjagd" Recyclingbranche fürchtet chinesische Konkurrenz

China hat den Import von ausländischem Müll gestoppt und arbeitet an einem eigenen Recyclingsystem. Die stark steigende Zahl von Patenten auf Abfalltechnologien schreckt laut einem Bericht nun die deutsche Branche auf.

Plastikmüll in China (Archivbild)
AFP

Plastikmüll in China (Archivbild)

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Eine deutliche Zunahme chinesischer Patente auf Recycling und Abfallverwertung sorgt bei deutschen Unternehmen für Unruhe. Das zeigt der neue "Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft", der am Dienstag vorgestellt wird.

"Die Wachstumsstärke und die technologische Aufholjagd von China sind unter anderem zwei der Ursachen für die schrumpfenden Anteile Deutschlands an den weltweiten Patenten in der Kreislaufwirtschaft", heißt es in dem Report.

China hatte kürzlich mit einem weitgehenden Importstopp für Abfälle für Aufsehen gesorgt. Seit Anfang 2018 dürfen 24 verschiedene Materialien nicht mehr eingeführt werden, darunter auch Plastikmüll, für den China bislang das Hauptabnehmerland war. Die chinesische Regierung wil ein eigenes Recyclingsystem aufbauen - auch wegen des zunehmenden Wohlstandsmülls im eigenen Land.

Wie in anderen Branchen baut China sein technologisches Know-how auch hier rasant aus. Dem Statusbericht zufolge stieg der chinesische Anteil an den weltweit erteilten Patenten auf Technik für die Kreislaufwirtschaft in China zwischen 2010 und 2014 im Schnitt um 13 Prozent pro Jahr.

Dynamisches Wachstum

Deutschlands Anteil ging im gleichen Zeitraum um fast fünf Prozent zurück. Dabei ging es unter anderem um Sortier- und Trennanlagen sowie Sammelbehälter. "Während Deutschland bereits zahlreiche Patente in diesen Bereichen vorweisen kann, zeigt der Konkurrent China hier aktuell eine deutliche Dynamik", heißt es in dem Bericht.

Ähnlich sieht es bei der Abfallbehandlung und -verwertung aus, zu der beispielsweise die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm oder das Recycling von Lithium-Batterien zählt. Während Chinas Anteil an den weltweiten Patenten im Schnitt um fast acht Prozent pro Jahr zulegte, sank der deutsche Anteil um knapp vier Prozent.

"Mit den zunehmenden Umweltproblemen und dem gestiegenen Bewusstsein für die Kreislaufwirtschaft in China wird Deutschland auch weiterhin einer zunehmenden Konkurrenzsituation ausgesetzt sein", warnen die Autoren.

Der Bericht wurde von insgesamt neun Verbänden erarbeitet, darunter der Bundesverband der Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Maschinenbauverband VDMA.

Grundsätzlich seien die Zahlen ein "gutes Zeichen", sagte VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche. "Das Umweltbewusstsein steigt in China." Für die deutsche Kreislaufwirtschaft nehme die Konkurrenz um ihre Spitzenposition allerdings zu. "Deutschland ist Recyclingweltmeister. Dieses Niveau gilt es zu halten."

BDE-Präsident Peter Kurth sagte, die Zahlen belegten, "dass in China die Themen Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft inzwischen einen höheren Stellenwert haben als in den Jahren zuvor". Die Entwicklung von Start-ups in der Entsorgungsbranche werde aber "mit Sicherheit auch wieder zu einer Steigerung der Patentzahlen in Deutschland führen".



insgesamt 24 Beiträge
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Nonvaio01 08.05.2018
1. wie immer
der Arrogante deutsche denkt wie immer das China eh nur entwicklungs Land ist und hat mal wieder voellig verpennt, wie in allem in den letzten 20 jahren. Der Abstieg deutschlands geht weiter vorran.
smartphone 08.05.2018
2. Problem liegt tiefer
nämlich bei typischen Arroganzhaltung , die in der gesamten dt Industrie gepflegt wird.... Man geht gegen Höchstqualifizierte MINTler seit xx Jahren vor , als seien sie hochkontaminöser Sondermüll. Diese nachhaltigen Fehler rächen sich . Denn es ist etwas anderes ausm Kongo ROhstoffe zu beziehen, aber den Mischverbung "hinterher" aufzubereiten ,also echte Reinstoffe aus Legierungen usw zu gewinnen, dazu bedarf es nachhaltiger Forschungs- und Startup-Förderung ..... Das schafft man hierzulande nichz, sieh btw Drohnenindustrie - auch hier kann man sehr schön sehen ,wie man das kaputtmacht.
mrotz 08.05.2018
3.
Das duale System hat verdient zu sterben. Keine Innovation, kein echtes Recycling, nur Bürokratie und Geldschinderei.
krokodilklemme 08.05.2018
4. Sehr gut
Erstens ist es sehr gut, das auch andere sich mittlerweile mit diesen technologischen Fragen beschäftigen, mehr Technologien könnte heissen bessere Verwertung, besseres Recycling. Zweitens sind deutsche Firmen seit Jahrzehnten führend, die klassischen Technologien ergeben nicht mehr so viel Innovatives. Drittens sagen Prozentzahlen sehr wenig über die Leistungskraft einer Industrie aus, da müssten die Redakteure schon mal absolute Zahlen nennen. 13% klingt viel, bezogen auf 10 Patente pro Jahr früher ist das genau eins mehr.
mrotz 08.05.2018
5.
Zitat von smartphonenämlich bei typischen Arroganzhaltung , die in der gesamten dt Industrie gepflegt wird.... Man geht gegen Höchstqualifizierte MINTler seit xx Jahren vor , als seien sie hochkontaminöser Sondermüll. Diese nachhaltigen Fehler rächen sich . Denn es ist etwas anderes ausm Kongo ROhstoffe zu beziehen, aber den Mischverbung "hinterher" aufzubereiten ,also echte Reinstoffe aus Legierungen usw zu gewinnen, dazu bedarf es nachhaltiger Forschungs- und Startup-Förderung ..... Das schafft man hierzulande nichz, sieh btw Drohnenindustrie - auch hier kann man sehr schön sehen ,wie man das kaputtmacht.
D ist total überreglementiert. Und wer meint, D könnte in Umwelttechnik was reißen: "selten so gelacht"
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