Schifffahrt Reederei Rickmers kündigt Insolvenz an

Die Hamburger Reederei Rickmers ist pleite. Die HSH Nordbank hat ihre Zustimmung zum Sanierungskonzept überraschend verweigert und dreht den Geldhahn zu.

Museumsschiff Rickmer Rickmers
AFP

Museumsschiff Rickmer Rickmers


Die Hamburger Reederei Rickmers muss einen Insolvenzantrag stellen. Die HSH Nordbank habe die Kreditanträge der Reederei zurückgewiesen und die Zustimmung zum Sanierungskonzept verweigert, teilte die Rickmers Holding mit.

Im Verlauf des Insolvenzverfahrens strebe der Vorstand eine Sanierung in Eigenverwaltung an und will den Schiffbetrieb weiter fortsetzen. Die HSH Nordbank kämpft als einst weltweit größter Schiffsfinanzierer selbst mit den Folgen der Schifffahrtskrise.

Eigentlich sollten an diesem Donnerstag die Gläubiger zusammenkommen, um über das Sanierungskonzept für das schwer angeschlagene Unternehmen zu beraten. Doch die Abstimmung über das Sanierungskonzept ist mit der Entscheidung der HSH Nordbank hinfällig.

"Der HSH-Vorstand hat das Rickmers-Sanierungskonzept sorgfältig geprüft und erachtet dieses als betriebswirtschaftlich nicht tragfähig", sagte ein Banksprecher am Abend. Die kriselnde HSH kämpft als einst weltgrößter Schiffsfinanzierer selbst mit den Folgen der Branchenkrise. Auf die Frage, ob die Bank wegen der Rickmers-Pleite ihre Risikovorsorge erhöhen müsse, sagte der Sprecher, die HSH sei auf die Situation gut vorbereitet. Er verwies darauf, dass das Institut die Vorsorge für notleidende Kredite in der Schifffahrtsbranche allein 2016 um rund zwei Milliarden Euro aufgestockt habe.

Die Reederei Rickmers hat in Hamburg eine lange Tradition - schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unternehmen im Reederei- und Werftengeschäft tätig. Zuletzt war das Unternehmen mit 114 Schiffen auf den Weltmeeren unterwegs, hatte mehr als 2000 Mitarbeiter und machte einen Umsatz von beinahe 500 Millionen Euro im Jahr. Doch das Unternehmen geriet in eine schwere Krise: Im vergangenen Geschäftsjahr machte die Firmengruppe einen Verlust von 341 Millionen Euro.

hej/Reuters



insgesamt 19 Beiträge
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bristolbay 31.05.2017
1. Abschreibungsweltmeister
Gehörte Rickmers nicht auch zu denjenigen, die vor 30-40 Jahre Abschreibungsfonds auflegten. Wie sieht es da mit den Fondsgesellschaftern aus? Sind damit auch die "Rentenpläne" geplatzt?
klugscheißer2011 31.05.2017
2. Banken sind keine Helfer in der Not
Ja, so ist es, wenn sich an den Kunden nichts mehr verdienen lässt, dann werden sie von den Banken fallen gelassen. Dabei ist gerade die HSH selbst eine Pleitebank, die nur vom Steuerzahler am Leben gehalten wird. Das Beste wäre, diese gleich mit abzuwickeln. Wenn es kein Pardon für Unternehmen gibt, die in die Krise geraten sind, dann darf es das auch nicht für Banken geben.
alexander72 31.05.2017
3. Umsatzrendite -70% !?!?
Wenn es wirklich stimmt wie hier geschrieben wird dass man bei 500 Mil Umsatz 341 Mil. !! Verlust macht muss man auch als Laie nicht überlegen ob diese Reederei Pleite ist. Mehr Pleite ist kaum möglich. Man fragt sich wie so ein Unternehmen sanierungsfähig sein sollte. Das Reedereiwesen ist aktuell einfach wegen extremer Überkapazitäten grundsätzlich ein Verlustgeschäft. Da muss sich der Markt irgendwann bereinigen. Die meisten der 2.000 Arbeitsplätze sind ausländische Billigmatrosen. Einige Schiffe werden einfach an andere Unternehmen gehen. Keine Katastrophe.
jujo 31.05.2017
4. ...
Zitat von bristolbayGehörte Rickmers nicht auch zu denjenigen, die vor 30-40 Jahre Abschreibungsfonds auflegten. Wie sieht es da mit den Fondsgesellschaftern aus? Sind damit auch die "Rentenpläne" geplatzt?
Die sogenannten "Zahnarztschiffe" waren zu Beginn ein gutes Geschäft, dann fing die Gier an das Hirn zu fressen und das Modell der Steuersparschiffe ging den Bach runter. Es wurde zum Zuschussgeschäft weil keine Renditen mehr erwirtschaftet wurden, wegen zuvieler Schiffe und zu niedriger Charterraten. Es wurde kein Geld mehr verdient, im Gegenteiles es musste in die Fonds nachgezahlt werden. Die Einleger verloren viel Geld, die Fondsmanager wurden reich, machen sich vom Acker und liegen jetzt im Süden in der Sonne und lachen sich schlapp.
uruetten2 31.05.2017
5. Wahrscheinlich
aus Sicht der Bank die richtige Entscheidung. Die Kommentare wären auch vernichtend, wenn die Bank wider besseres Wissen dem schlechten Geld noch gutes hinterher würfe. Wenn aber die Insolvenz klug gehandhabt wird, wird am Ende für Gläubiger, Kunden und die Arbeitsplätze mehr erreicht als dies durch weitere Kredite in eine ungesicherte Zukunft geschehen wäre. Diese "heilenden" Möglichkeiten des Insolvenzverfahrens nach §270a InsO sind leider noch viel zu wenigen Unternehmern hierzulande bekannt.
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