Regenerative Energie Desertec will 2012 Solarkraftwerk in der Wüste bauen

Ein Solarkraftwerk in der Wüste - diese Idee mutete lange Zeit geradezu utopisch an. Doch jetzt machen die Initiatoren Ernst. Schon 2012 soll der Bau der ersten Anlage beginnen. Sie soll 500 Megawatt leisten - zwei davon würden ein modernes Atomkraftwerk ersetzen.

Solar-Kraftwerk in Spanien: Desertec plant gigantische Anlage zur Stromgewinnung
ddp

Solar-Kraftwerk in Spanien: Desertec plant gigantische Anlage zur Stromgewinnung


Frankfurt am Main - Als die Macher das Projekt Desertec vorstellten, fühlten sich viele an die hochfliegenden Pläne der Zeppelinbauer von Cargolifter erinnert. Die Erbauer entwarfen damals großartige Szenarien für ein Riesenluftschiff, das schwerste Lasten an jeden Winkel der Welt transportieren sollte - und scheiterten am Ende kläglich. Doch schon solche Assoziationen empfinden die Desertec-Leute beinahe als üble Nachrede, obwohl die Pläne ebenfalls extrem ambitioniert sind.

Doch am Ende zählen Ergebnisse, und die will Projektleiter Ernst Rauch jetzt vorlegen. Schon in wenigen Jahren soll ein riesiges Solarkraftwerk in Marokko Strom für Europa produzieren. "Der Bau soll 2012 beginnen", sagte Rauch von der Münchener Rück der "Süddeutschen Zeitung". Geplant ist eine Anlage auf einer zwölf Quadratkilometer großen Fläche, die bis zu 500 Megawatt Strom liefern kann - etwa die Hälfte eines modernen Atomkraftwerks.

Das Vorhaben solle bis zu zwei Milliarden Euro kosten, schreibt die Zeitung weiter. Die Kosten für die erste Baustufe, ein Kraftwerk mit einer Leistung von 150 Megawatt, veranschlagt Desertec den Angaben zufolge mit bis zu 600 Millionen Euro. Projektleiter Rauch geht nach eigenen Worten davon aus, dass der Bau zwei bis vier Jahre dauern wird. "Je nach Technik kann 2014, spätestens 2016, der erste Strom fließen." Die Energie solle in der Region verwendet, aber auch nach Europa exportiert werden. "Alle Einzelheiten - Standort, Technologie und Finanzierung - sollten Anfang 2012 stehen", sagte Rauch.

Positive Signale von der Bundesregierung

Die Wüstenstrominitiative kommt damit schneller voran als bei ihrem Start vor zwei Jahren gedacht. Im Oktober 2009 waren die Gründer der Planungsgesellschaft DII noch davon ausgegangen, frühestens 2015 mit dem Bau des ersten Kraftwerks beginnen zu können. Doch nun will das Konsortium - zu dem unter anderem die Deutsche Bank Chart zeigen, Siemens Chart zeigen, der Versicherer Münchener Rück und die Energiekonzerne E.on Chart zeigen und RWE Chart zeigen gehören - einen Gang hochschalten. In Deutschland ist der Strom aus der Wüste nach dem beschlossenen Atomausstieg gefragter den je.

Und auch Marokko hat mangels fossiler Ressourcen ein starkes Interesse an der Förderung der Solarenergie, um seine Abhängigkeit von Stromimporten zu reduzieren. Das Land galt schon länger als Favorit für den Bau des ersten Desertec-Kraftwerks, da zwischen Marokko und Spanien bereits eine moderne Stromverbindung existiert. Bereits im Juni wurde deshalb eine Absichtserklärung mit der für Solarenergie zuständigen marokkanischen Staatsagentur Masen unterzeichnet.

Den Desertec-Plänen zufolge soll Europa künftig einen Teil seines Stroms emissionsfrei in den Wüsten Nordafrikas gewinnen. Angestrebt wird, dort rund 15 Prozent des eigenen Bedarfs sowie einen erheblichen Teil des Verbrauchs in den Erzeugerländern zu produzieren. Die Initiative hat bis 2050 ein geschätztes Investitionsvolumen von 400 Milliarden Euro. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge ist die Planungsgesellschaft DII bereit, 30 Prozent der Investitionen zu übernehmen. Derzeit liefen Gespräche mit dem Umwelt- und Wirtschaftsministerium über eine Beteiligung des Bundes. Die Signale seien positiv. "Deutschland ist bereit, beim Desertec-Start eine Führungsrolle zu übernehmen", sagte Manager Rauch. Auch Spanien, Italien, Frankreich und die EU seien in die Gespräche eingebunden.

mik/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.