Niedrige Zinsen Regierung macht Kunden von Lebensversicherungen kaum Hoffnung

Das Zinstief macht den Lebensversicherern zu schaffen, einige wollen ihren Kunden jetzt die Gewinnbeteiligung kürzen. Die Bundesregierung macht den Versicherten wenig Hoffnung, dass sich an der Misere etwas ändert. Betroffen sind auch Bauspar- und Pensionskassen.

Rentner auf einer Parkbank: "Völlig vertrackte Situation"
DPA

Rentner auf einer Parkbank: "Völlig vertrackte Situation"


Berlin - Verbraucherschützer sprechen von einer "völlig vertrackten Situation": Mehrere deutsche Lebensversicherer haben wegen des niedrigen Zinsniveaus Probleme, ihre vorgeschriebenen Finanzreserven aufzubauen - und können den Kunden im Zweifelsfall die in Aussicht gestellte Gewinnbeteiligung nicht auszahlen. Den Versicherten bleibt danach nur die Wahl, durch eine sofortige Auszahlung Einbußen in Kauf zu nehmen oder darauf zu setzen, dass sich die Branche wieder erholt.

Letzteres scheint jedoch immer unwahrscheinlicher: Laut einem Papier der Bundesregierung ist keine rasche Besserung der Zinsmisere für die Lebensversicherer in Sicht. "Das im Wesentlichen unverändert anhaltende Niedrigzinsumfeld stellt nach wie vor eine Herausforderung für Anleger wie (Lebens-)Versicherungen, Bausparkassen und Pensionskassen dar", heißt es in der schriftlichen Unterrichtung des Bundesfinanzministeriums für eine Sitzung des Finanzausschusses am Montag.

Demnach werde sich die Lage der Branche nicht so bald aufhellen. Im Gegenteil: "Aufgrund der weiterhin niedrigen Zinsen und der unveränderten Rechtslage ist auch für 2013 mit einer vergleichbar hohen Ausschüttung von Bewertungsreserven wie 2012 zu rechnen", heißt es in dem Papier.

Je länger die Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten anhält, desto vertrackter wird die Lage für die Lebensversicherungen. Sie sind verpflichtet, einen hohen Anteil der Versichertengelder in Staatsanleihen und anderen sicheren Wertpapieren anzulegen. Doch neue Anleihen werfen derzeit Zinsen ab, die bestenfalls knapp oberhalb der Inflationsrate liegen. Jedes Mal, wenn alte, hochverzinste Anleihen fällig werden, müssen die Versicherer das freiwerdende Geld zu Niedrigzinsen neu anlegen. Mit der Zeit sinkt somit der durchschnittliche Zins, den die Versicherung auf ihr Anlagekapital erzielt, immer weiter ab.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte vergangene Woche berichtet, dass derzeit mehr als zehn Gesellschaften Schwierigkeiten haben, die Erträge zu erwirtschaften, die sie ihren Kunden versprochen hatten. Die Lebensversicherer hätten deshalb bei der Finanzaufsicht BaFin beantragt, die Vorschriften zur Beteiligung der Kunden an den Gewinnen zweitweise auszusetzen. Laut "SZ" wollen sie nicht mehr 75 oder 90 Prozent ihres Ertrags für die Kunden reservieren, sondern deutlich weniger.

"Da gibt es schon Handlungsbedarf"

Die Bundesregierung wolle einen Vorschlag vorlegen, um die Risikotragfähigkeit und Stabilität der Lebensversicherer in Zeiten niedriger Zinsen zu stärken, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Vorher müsse aber klar sein, wie die künftigen europäischen Aufsichtsregeln für Lebensversicherer aussähen. "Dies ist gegenwärtig noch nicht der Fall", heißt es in dem Regierungspapier.

Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick, auf dessen Drängen der Finanzausschuss zur Sondersitzung zusammenkommt, kritisierte, die Regierung habe genug Zeit gehabt, auf die Zinsflaute zu reagieren. Der Obmann der Unionsfraktion im Finanzausschuss, Hans Michelbach, erwartet keine Beschlüsse von der Gremiumssitzung. Allerdings müsse die Lage der Versicherer auch in den kommenden Koalitionsverhandlungen besprochen werden: "Da gibt es schon Handlungsbedarf."

Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing betonte, für Versicherungsunternehmen sei das wirtschaftliche Umfeld nicht einfach: "Trotzdem sind die meisten von ihnen stabil und sicher aufgestellt." Mit regulatorischen Eingriffen in die Anlagepolitik solle die Politik sehr vorsichtig sein.

vks/Reuters



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digidoctor 02.09.2013
1. Ich weiß schon, warum ich so einen Scheiß..
nie abgeschlossen habe. Alles Risiko bei mir. Alle Renditechancen bei jemand anderem. Vorsorge und Risiko in Verbindung. haha
Worldwatch 02.09.2013
2. Glaube ich sofort, und umfangreicher!
"Die Bundesregierung macht den Versicherten wenig Hoffnung, dass sich an der Misere etwas ändert." Schliesslich ist fuer diese B.regierung, und deren Vorgaengerregierungen, "Misere" nachgerade Politprogramm!
phaeno 02.09.2013
3. Tja, so kommt es,
wenn man auf zockende Privatversicherer setzt, statt auf die staatliche Umlageversicherung. Hat es denn immer noch nicht jeder kapiert: Die Privatwirtschaft ist für so elementare und lebensnotwendige Geschäfte wie die Altersversorgung nicht geeignet. Es war der Sozialdemokrat Riester, der uns Bürger mit seinem Unsinn in diese Misere hineingetrieben hat. Besonders ärgerlich ist es, dass der aktuelle Gesundheitsminister Bahr FDP, aus ideologischen Gründen ein ähnliches Versicherungssystem für den Pflegefall will. Und das obwohl z.B: Stiftung Warentest längst die Schwäche der Riesterrente verdeutlichen konnte. Zumindest bei Bahr ist klar: Das ist nicht Dummheit, das ist Vorsatz.
carolushessen 02.09.2013
4. ESM gegen Renten
es ist nicht unbedingt offensichtlich, daß das so ist, aber wenn wir unser geld in ander Länder stecken, ohne entsprechende rendite, bekommen wir eben bei Anleihen, hauptsächlich Staatsanleihen eben keine hohe Rendite. Im Gegenteil. Und das wird nicht nur so bleiben, sondern absehbar auch noch schlimmer. Arme Rentner und Versicherte.
deuro 02.09.2013
5. Kinder auf der Rentnerbank
Statt Rentner auf der Bank wäre ein Bild vom Kinderspielplatz angebrachter. Die heutigen Rentner können gerade noch vom fetten Kuchen abschneiden. Wenn unsere Kinder soweit sind, gibt es nichts mehr zu verteilen. Um Eigentum fürs Alter anzusparen ist Auswandern eigentlich die einzige Möglichkeit zu entkommen.
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