Schraubenhändler zu Trump "Würth kehrt in die USA zurück, wenn er geht"

Klare Kante gegen die Politik Donald Trumps: Der Unternehmer Reinhold Würth will nicht mehr in den USA investieren, solange der aktuelle Präsident an der Macht ist. Grund sei die instabile Lage.

Reinhold Würth (Archivbild)
DPA

Reinhold Würth (Archivbild)


Reinhold Würth ist 83 Jahre alt und noch immer hat er das letzte Wort in seinem Schraubenimperium. Aktuell zeigt sich das an einem hochpolitischen Thema: dem Handel mit den USA.

Auf die Frage, wann er sich zuletzt in die Firmengeschicke eingemischt habe, antwortete der Unternehmenspatriarch im Gespräch mit der "Bild am Sonntag": "Als ich dafür sorgte, dass wir derzeit nicht mehr in den USA investieren. Dort machen wir mit 1,8 Milliarden Euro 14 Prozent unseres Jahresumsatzes, trotzdem möchte ich das Engagement in Amerika nicht weiter vergrößern."

Trump hatte im März Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium verhängt, die EU und die beiden US-Nachbarländer Kanada und Mexiko aber zunächst davon ausgenommen. Am Donnerstag hatte die US-Regierung dann angekündigt, ab Freitag doch Strafzölle zu erheben. Die Europäer legten daraufhin am Freitag bei der Welthandelsorganisation (WTO) offiziell Beschwerde ein und trieben die Vorbereitung von Gegenzöllen auf US-Waren voran.

Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Künzelsau will wegen der "allgemeinen, unsicheren politischen Lage" erst einmal nicht weitere Geschäfte in den Vereinigten Staaten anvisieren. "Wir warten mal ab, ob Präsident Trump wiedergewählt wird. Würth kehrt zurück, wenn er geht."

"Es ärgert mich, wenn morgens um 11 Uhr die Lichter Löcher in den Tag brennen"

In dem Interview äußert sich der Schraubenkönig" genannte Würth auch zu seiner sonstigen Rolle im Unternehmen, in dem er seit 69 Jahren tätig ist und das er von seinem Vater übernommen hat. Zu der Frage, ob der als sparsame geltende Eigentümer und Multimilliardär auch die Lichter im Unternehmen ausschaltet, sagte er: "Ja. Es ärgert mich, wenn morgens um 11 Uhr die Lichter Löcher in den Tag brennen."

Im Video: USA verhängen Strafzölle gegen EU

yes/Reuters



insgesamt 78 Beiträge
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ollifast 03.06.2018
1. Danke!
Danke, Danke für die klaren Worte. Zur Info: Der "Schraubenhändler" ist inzwischen ein riesiger Konzern u.a. für Elektronikteile, passive Komponenten, Modulen, aber inzwischen auch bestimmte aktive Teile und Leiterkarten. Ich habe absoluten Respekt vor dem Lebenswerk von Reinhold Würth. Und diese US Politik des ständigen Bruchs von Zusagen, Verträgen, Recht und Gesetz, grad wenn und wie es gefällt, wie sie ein Herr Trump vormacht, aber auch so mancher Ami-Konzernmanager praktiziert, geht allen Beteiligten inzwischen gewaltig auf den Senkel. So geht es nicht, und es ist gut, dass das jetzt mal Konsequenzen hat, aber anders, als Herr Trump sich das gedacht hat. In einer Branche, in der Baugruppen aus hunderten unterschiedlicher Teile von unterschiedlichen Lieferanten bestehen, ist Zuverlässigkeit der Lieferanten oberstes Gebot. Da kann einer nicht in einem Land investieren, in dem ein Präsident mal eben von heute auf morgen sämtliche Geschäftsgrundlagen umstoßen kann, weil dann hat er gegenüber seinen eigenen Kunden ein Problem. Wir alle hier aus der Elektronikbranche haben fertig. Mit seriösen US Firmen arbeiten wir wirklich gerne zusammen und kaufen auch gerne gute US Halbleiter und tun damit etwas gegen den Exportüberschuss. Aber nicht mit wilden Trumpeltieren.
iasi 03.06.2018
2. Seit Jahrzehnten fordern die USA und andere Handelspartner, dass wir
unsere zu hohen Exportüberschüsse abbauen. Passiert ist nichts - im Gegenteil: Deutschland baut auf den Konsum im Ausland und auf Wachstum durch weiter steigende Exporte. Trump schreitet nun eben zur Tat und belässt es nicht mehr nur bei Worten. Das kann uns natürlich nicht schmecken - im Unrecht ist Trump deshalb aber nicht. Von allen Seiten bekommen wir zu hören, dass hohe Exportüberschüsse destabiliserend wirken. Dies hält uns aber nicht davon ab, vom schwachen, exortfördernden Euro (Dank den €-Krisenländern) zu profitieren, die Binnennachfrage durch Reallohnverluste zu strangulieren und durch die Sparpolitik (eh notwendige) Investitionen zu vermeiden. Würth sollte sich mal fragen, wie hoch der Exportanteil an seinem Umsatz ist. Der Exportanteil der USA am BIP beträgt gerade mal 7%. Beim Welthandel haben die USA doch mit einem Handelsdefizit von fast 1 Billion $ pro Jahr nur die Rolle des Einkäufers - alle Welt verkauft in den USA. Trump geht dieses gefährliche Ungleichgewicht an - sonst kommt die nächste Finanzkrise früher als wir denken.
gelbesvomei 03.06.2018
3. Das erinnert mich an den BW-igschen Tunnelbauer ...
Seinerzeit hatte in der damals tobenden Diskussion um Stuttgard 21 ein Tunnelbau-Unternehmer (und somit Spitzenprofiteur der Baumaßnahme) öffentlich in einer Talkshow angekündigt, sofort in die Schweiz auszuwandern (und somit seine Steuermittel dem deutschen Fiskus vorzuenthalten), wenn die Tieferlegung abgeblasen würde. Nun ja - DER hat bekommen, was er wollte ;o) Ob Herr Würth Herrn Trump beeindruckt? Ich denke: Kaum! Ob das Einfrieren des US-Engagements klug ist? Auch daran habe ich Zweifel. Vielleicht sollte Herr Würth über zusätzliche Produktionskapazitäten IN den USA nachdenken. Die würden von Trump UND von dessen Nachfolgern sicher gern gesehen. Aber vielleicht spekuliert der Herr auch eigentlich eher mit den Wettbewerbsvorteilen, die ein schwacher Euro mit sich bringt. Und wer würde bei den gegenwärtigen und abzusehenden Euro-Turbulenzen noch einen Heller auf eine starken Euro setzen?
akase93 03.06.2018
4. Bravo...
Herr Würth! ich wünschte mir mehr solche klaren Statements von unserer Wirtschaft und nicht solche schleimigen Unterwerfungsgesten wie z. B. von Siemens.
peter78 03.06.2018
5. Der Kapitalismus braucht STABILE Rahmenbedingungen
... und kein hektisches herumzappeln (so wie Trump und auch Merkel). Wie soll denn jemand langfristige Investitionen vornehmen, wenn sich die Rahmenbedingungen täglich ändern?
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