Philharmonie der Nationen Justus Frantz verliert Schrauben-Würth als Sponsor

Justus Frantz und seine Philharmoniker waren öfter mal klamm. Bisher sprang Unternehmer Reinhold Würth immer ein. Künftig gibt der Milliardär nach SPIEGEL-Informationen sein Geld lieber für ein eigenes Orchester aus.

Reinhold Würth in seinem Büro in der Konzernzentrale seines Unternehmens in Künzelsau (Archivbild)
DPA

Reinhold Würth in seinem Büro in der Konzernzentrale seines Unternehmens in Künzelsau (Archivbild)


Dirigent Justus Frantz, 73, hat seinen treuesten Sponsor verloren. Nach mehr als 20 Jahren unterstützt der schwäbische Schraubenhersteller Reinhold Würth, 82, nicht mehr die von Frantz geleitete Philharmonie der Nationen. Das bestätigte Würth dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Vorausgegangen waren Unstimmigkeiten über die Führung des Orchesters. In Briefen hatte Würth die "geradezu Jahrzehnte andauernde Instabilität" kritisiert. Dem SPIEGEL sagte er: "Der Justus ist ein begnadeter Musiker. Aber er ist nun mal kein Finanzgenie."

Justus Frantz fand selten Anerkennung in den Feuilletons, dafür hatte er Erfolg im deutschen Unterhaltungsgeschäft. Er machte Klassik populär, als Gründer und Leiter des Schleswig-Holsteinischen Musikfestivals oder in seiner eigenen ZDF-Sendung. Mit Altkanzler Helmut Schmidt spielte er im Fernsehen Klavier. Im Ausland trat Frantz gern als Deutschlands Musikbotschafter auf.

Der Pianist und Dirigent Justus Frantz in Hamburg an seinem Flügel (Archivbild)
DPA

Der Pianist und Dirigent Justus Frantz in Hamburg an seinem Flügel (Archivbild)

Die 1995 von ihm gegründete Philharmonie der Nationen hatte sich Frieden und Völkerverständigung auf die Fahnen geschrieben. Würth ließ dem Ensemble zuletzt rund eine Million Euro pro Jahr zukommen. Er und Frantz sind seit fünf Jahrzehnten befreundet. Als Frantz ein junger unbekannter Pianist war, chauffierte Würth ihn manchmal zu Auftritten in der schwäbischen Provinz.

Künftig fließt das Geld des Milliardärs in sein eigenes Orchester. In der kommenden Woche wird am Würth-Firmensitz in Künzelsau das Carmen-Würth-Forum eröffnet. Dort werden die Würth-Philharmoniker ihren ersten Auftritt haben, dirigiert von Kent Nagano.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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akü/one



insgesamt 3 Beiträge
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kaiservondeutschland 15.07.2017
1. Gran Canaria?
Justus Frantz kein Finanzgenie... Was macht eigentlich die Aufforstung von Gran Canaria, deren Finanzierung JF versprochen hatte?
wikkur 15.07.2017
2. Wers hat
Na ja "Finanzgenie"; auf jeden Fall hatte der Justus Frantz damals einen der ersten Porsche 959. Der Reinhold Würth ist zweifelsfrei ein begnadeter Schraubenverkäufer. Und das mit Preisen die ich ablehne. Er darf und soll ruhig das Geld, das letztlich seine geknechteten Mitarbeiter erwirtschaften in die Projekte stecken, die ihm Spaß bereiteten.
gesellschaft 16.07.2017
3. Finanzgenie "Würth"-letzte Hemd ohne Taschen
Der hinterlässt nur das Wissen: Gieriger, rücksichtsloser Ausbeuter - der Kapitalist im klassischen negativen Sinn. Da denke ich an das Gemälde das er vor einiger Zeit für ca 56 Mio EURO , ersteigerter- prahlte damit, er ist ja schließlich ein Kaufmann, jedoch ohne gesellschaftliche Verantwortung, es gibt "Gott sei Dank"-auch andere.
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