Rekordgewinne Dax-Konzerne verdienen so viel Geld wie nie

Die großen börsennotierten Konzerne Deutschlands trotzen der schwachen Weltwirtschaft. Im dritten Quartal summierten sich die Gewinne der Dax-Unternehmen auf 27 Milliarden Euro - ein Plus zum Vorjahr von 17 Prozent.

Daimler-Produktion in Sindelfingen: Der Konzern erzielte einen besonders hohen Gewinn
DPA

Daimler-Produktion in Sindelfingen: Der Konzern erzielte einen besonders hohen Gewinn


Frankfurt am Main - Die Konjunkturaussichten in aller Welt sind getrübt, dennoch streichen Deutschlands börsennotierte Großkonzerne Rekordgewinne ein. Der operative Gewinn der Dax-Konzerne mit Ausnahme von Infineon kletterte im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent auf den Rekordwert von 27,7 Milliarden Euro, wie aus einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Ernst & Young hervorgeht. Die positive Entwicklung erstreckt sich über unterschiedlichste Branchen.

Klassenprimus ist der Autobauer Daimler. Der Konzern erzielte von Juli bis September mit 3,7 Milliarden Euro den höchsten operativen Gewinn. Damit stiegen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent, der Umsatz wuchs um 33 Prozent. Auch die Ergebnisse anderer Konzerne sind beachtlich: Der Gesundheitskonzern Fresenius SE baute seinen Gewinn um 18 Prozent aus, das Stahlunternehmen ThyssenKrupp um 13 Prozent und die Deutsche Börse um zehn Prozent.

Den mit Abstand höchsten Umsatz erzielte Volkswagen mit 49 Milliarden Euro, gefolgt von Daimler. Auf Platz drei steht E.on mit einem Umsatz von 25 Milliarden Euro. Die Ergebnisse des Chip-Konzerns Infineon flossen nicht in die Untersuchung ein, da das Unternehmen seine Quartalszahlen erst Ende des Monats vorstellt.

Insgesamt erhöhten die DAX-Unternehmen ihren Umsatz um vier Prozent auf 308 Milliarden Euro. Grund dafür ist den Autoren der Studie zufolge auch der schwache Euro, der Exporte begünstigte. Im Frühjahr hatte der starke Euro demnach noch für Umsatzausfälle im hohen einstelligen Milliardenbereich gesorgt.

Den Angaben zufolge konnten die Dax-Konzerne ihre Umsätze auf den asiatischen Märkten mit elf Prozent besonders stark steigern. Auf dem US-Markt wuchsen die deutschen Top-Unternehmen um acht Prozent. "Auch wenn sich das weltweite Wirtschaftswachstum spürbar verlangsamt hat: Es sind nach wie vor die außereuropäischen Märkte, die maßgeblich zum Wachstum der deutschen Top-Konzerne beitragen", sagte Ernst & Young-Partner Thomas Harms.

Weniger gut lief es mit drei Prozent Wachstum in Europa. Harms führt das vor allem auf die Spannungen mit Russland zurück, die das Investitionsklima belasteten: "Die Ukraine-Krise kostet Vertrauen und bremst Investitionen. Das lähmt die Wirtschaft."

Das werde sich im vierten Quartal verstärkt in den Umsatz- und Gewinnzahlen der Top-Konzerne niederschlagen, prognostizierte Harms. Zumal mehrere Unternehmen wie Lufthansa, Adidas und Linde ihre Prognosen bereits nach unten korrigiert hätten. An eine lange Schwächephase glaubt Harms aber nicht: "Ab dem kommenden Frühjahr dürfte die weltweite Nachfrage und damit auch die Konjunktur in Deutschland wieder anziehen - sofern es nicht zu einer weiteren Eskalation des Konflikts mit Russland kommt."

jbe/dpa



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insgesamt 110 Beiträge
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Here Fido 20.11.2014
1.
Da können wir uns einen Mindestlohn wirklich nicht erlauben!
meinefresse 20.11.2014
2. Na und?
90% davon haben die Mitarbeiter verdient die diese Gewinne auch erarbeitet haben.Stattdessen wird nach wie vor gestrichen, gekürzt, auf Leiharbeiter und Werksverträge gesetzt und von der Substanz gezehrt.Nachhaltig ist etwas anderes.
Strichnid 20.11.2014
3. ...
Jetzt wäre noch interessant zu erfahren, wieviel Steuern sie trotz dieser Riesengewinne bezahlen. Dank Irland, Niederlande und Luxemburg dürfte diese Zahl wohl gegen Null gehen.Wenn ich ständig die Steuern senke und die Löhne knapp halte, dann ist es kein Wunder, wenn ich auch in einer Abschwungphase neue Rekorde aufstelle. Allerdings ist das mehr als unethisch.
curiosus_ 20.11.2014
4. Die Exportüberschüsse und die Firmengewinne expandieren, die Reallöhne stagnieren
---Zitat von sysop--- Insgesamt erhöhten die DAX-Unternehmen ihren Umsatz um vier Prozent auf 308 Milliarden Euro. Grund dafür ist den Autoren der Studie zufolge auch der schwache Euro, der Exporte begünstigte. ---Zitatende--- Wir haben in Deutschland das Problem, dass wir Exportüberschussweltmeister sind.Der € macht das über Lohndumping in D überhaupt erst möglich. Dadurch hat sich seit der €-Einführung ein Leistungsbilanzüberschuss von *1,6 Bio. € angesammelt, zwangsläufig verknüpft mit 1,8 Bio. € Kapitalexport.* (http://www.querschuesse.de/deutschland-debatte/)Zu DM-Zeiten hätte das nie und nimmer funktioniert, da die DM munter aufgewertet hätte. Hat sie z.B. von 1960 bis 1996 um 178% ggü. dem $.Früher, zu Karl Schillers Zeiten, als noch fachkundige Experten zu Wirtschaftsministern ernannt wurden, war das als „Sozialdividende“ bekannt. Sprich, die Kaufkraft der abhängig Beschäftigten stieg aufgrund der durch die Aufwertung sinkenden Importpreise.Damals goss man diese Erkenntnis auch noch in so Gesetze wie dem „Stabilitätsgesetz“. Dort steht als einem von 4 Zielgrößen:*Außenwirtschaftliches Gleichgewicht*Aber heute sind unsere fachfremden Wirtschafts-Politiker komplett (Export-Industrie-) Lobbyistenverseucht. Da versteigt sich sogar ein SPD-Wirtschaftsminister zu solchen Aussagen:fordert die Gewerkschaften in der aktuellen Tarifrunde auf, keine überzogenen Lohnforderungen zu stellen: Laut Gabriel müssten Produktivität und Lohnhöhe „korrespondieren“ (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/verkehrte-welt-in-berlin-gabriel-ruft-gewerkschaften-zum-masshalten-auf/9466938.html)Dass sie das spätestens seit der der €-Einführung sicher nicht getan haben wird hier (http://www.fspiecker.de/Home/literatur-1/Kein Licht-ohne Bild.pdf?attredirects=0) belegt. Die Produktivitätszuwächse gab es zwar, aber nicht für die Beschäftigten.Also, munter weiter so. Letztes Jahr hatten wir ja „nur“ über 7% des BIPs (200 Mrd. €) Wohlstand exportiert. Da ist noch was drin. Und wenn wir erst die Sklaverei und Leibeigenschaft wieder einführen würden, dann würden unsere Exportüberschüsse durch die Decke gehen.
Anna156464641156 20.11.2014
5. Willkommen bei den Grimms
Die Dax-Unternehmen machen 27,7 Milliarden Euro Gewinn - wollen aber einem erzählen das 8,50/Stunde man aufgarkeinen Fall bezahlen kann.Ich geh jetzt zu Cocacola und hock mich auf den Schoß vom Weihnachtsmann!
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