Rekord-Entschädigung: SAP muss Oracle 1,3 Milliarden Dollar zahlen

Das Verfahren um den Software-Diebstahl einer SAP-Tochter ist beendet - und wird für den deutschen Konzern empfindlich teuer. Die Walldorfer Firma muss ihrem US-Konkurrenten Oracle insgesamt 1,3 Milliarden Dollar Schadensersatz überweisen.

Oakland - Im Prozess um Software-Diebstahl muss SAP dem US-Rivalen Oracle 1,3 Milliarden Dollar zahlen. Diese Summe setzte die achtköpfige Jury im kalifornischen Oakland in dem mit Spannung verfolgten Mammutverfahren am Dienstag fest. SAP äußerte sich in einer ersten Reaktion enttäuscht. Auf Oracle-Seite beglückwünschten sich die Anwälte dagegen unmittelbar nach dem Spruch der Jury.

Oracle hatte SAP auf Schadensersatz verklagt, da eine in Texas ansässige SAP-Tochter in den vergangenen Jahren unerlaubt Software-Codes von Oracle-Computern heruntergeladen hatte. SAP hatte den Rechtsverstoß zugegeben und sich dafür entschuldigt. Man habe die Zügel bei der Tochterfirma schleifen lassen. Oracle-Anwalt David Boise hatte vor den Geschworenen mehrmals betont, Millionen Dokumente seien so aggressiv abgegriffen worden, dass die Oracle-Server Probleme bekommen hätten. Oracle-Aktien stiegen nachbörslich um 0,3 Prozent.

Die Jury schloss sich mit ihrer Entscheidung der Argumentation von Oracle an, laut der das gestohlene geistige Eigentum enorm wertvoll gewesen sei. Außerdem sei nur mit einer konsequenten Einhaltung der Urhebergesetze eine funktionierende Hightech-Industrie möglich.

"Wir sind natürlich enttäuscht über diese Entscheidung", sagte ein SAP-Sprecher nach der Verhandlung. Der Konzern werde nun alle Optionen ausschöpfen und sich gegen die hohe Schadensersatzzahlung wehren.

Der Walldorfer Konzern hielt in dem Prozess eine Schadensersatzzahlung in Höhe von rund 40 Millionen Dollar für angemessen, während Oracle die entstandenen Schäden auf mehrere Milliarden Dollar beziffert hatte.

Nach Angaben des Analyse-Dienstes Bloomberg handelt es sich um die höchste Schadensersatzsumme bei einer Urheberrechtsverletzung überhaupt.

Strafprozess könnte dem Zivilurteil folgen

Auch nach Abschluss des Zivilprozesses könnte das letzte Wort in dem Fall noch nicht gesprochen sein, da auch die Strafverfolgungsbehörden in den USA den Datendiebstahl noch unter die Lupe nehmen könnten.

Oracle hatte SAP vorgeworfen, über die kleine Software-Tochterfirma TomorrowNow mehrfach verbotenerweise für Kunden bestimmte Oracle-Daten heruntergeladen zu haben. Oracle hatte zunächst sogar von Industriespionage gesprochen.

Die Höhe der Forderungen im Milliardenbereich hatte SAP stets als vollkommen überzogen bezeichnet. In Gerichtsunterlagen kalkulierten die Deutschen mit wahren Schäden von maximal mehreren zehn Millionen Dollar. Der Streit zog sich seit 2007 hin.

jok/Reuters/dpa

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insgesamt 98 Beiträge
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1. viel Geld, viel Geld....
verbal_akrobat 24.11.2010
...mein lieber Scholi und dann das Ganze von Walldorf aus, aus deutscher Sicht betrachtet und angegangen, da hätte man schon riesen bilanzielle Rückstellungen seit 2007 zur Minderung der Unternehmenssteuerlast bilden müssen/können. Das heißt Aussage nach der Betrachtung wieviel Steuergelder aus Walldorf dem Fiskus zufließen. Als würden sich die Amis in so einem Fall mit Penatus begnügen. Mal so im Vergleich zu den 4M in der parallel laufenden irland Diskussion- schon ein ordentlicher Happen den sich da der nächste aus der deutschen Produktivität rausbeißt. Naja, Akademiker alleine retten die Welt auch nicht und deutsche schon gar nicht mehr... Grezze
2. Sap
MakingLotsOfMoney 24.11.2010
ich habe eigentich keine ahnung von den details und kann deswegen die entscheidung nicht wirklich beurteilen, ich habe allerdings den eindruck, dass die jury das auch nicht wirklich hatte. das verhalten von oracle fand ich über die jahre hinweg einfach überhaupt nicht fair (ja, das war der datenklau auch nicht, aber dafür soll SAP ja bestraft werden) und die milliarden dollar forderungen kommt mir auch eher wahllos und überzogen vor. es ist einfach so, dass die amis alles daran legen, erfolgreichen deutschen/ausländischen unternehmen hohe strafe aufzubrummen (siehe Siemens und die Auseinandersetzungen mit der SEC). Und Herr Toyoda darf sich von Senatoren beschipfen lasse, als wäre er ein kleines dummes Schulkind, weil Bremspedalte nicht funktionierten. Jetzt steht fest, dass die Amis in fast alle Fällen zu blöd waren das Bremspedal anstatt das Gaspedal durchzudrehten (kein witz)). So sind sie eben, alles was n bissl komplizierter als ein Kühlschrank ist importieren die ja eh mittlerweile....nur noch eine Frage der Zeit bis sich die USA verabschieden wird....von der wirtschaftlichen Weltspitze...
3. Larry - vom Paulus zum Saulus
derSchnitzel 24.11.2010
Da stellt sich durchaus die Frage, ob das Verfahren auf anderem rechtsstaatlichem Boden genauso lächerlich ausgegangen wäre. Aber das war ja irgendwie auch zu erwarten, wenn ein Global Player aus Deutschland von einem US-Konzern verklagt wird dessen Aufstieg er nicht zuletzt diversen staatlichen Behörden zu verdanken hat. Und dass das Hauptaugenmerk der CIA darauf liegt die Märkte soweit möglich US-Firmen zu sichern und ausländische Mitbewerber klein zu halten ist ja auch kein großes Geheimnis mehr. Schade nur dass SAP diesen falschen Kuckuck zu lange genährt und stark gemacht hat. Naja aber den werden sie auch noch überstehen. Schließlich haben sie auch Agassi und Apotheker verdaut ;o)
4. .
cekay 24.11.2010
>>Außerdem sei nur mit einer konsequenten Einhaltung der Urheber-Gesetze eine funktionierende High-Tech-Industrie möglich.
5. portokasse
webman 24.11.2010
Zitat von sysopDas Verfahren um den Softwarediebstahl einer SAP-Tochter ist beendet - und wird für den deutschen Konzern empfindlich teuer. Die Walldorfer Firma muss ihrem US-Konkurrenten Oracle insgesamt 1,3 Milliarden Dollar Schadensersatz überweisen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,730830,00.html
na - ist doch richtig..... das hat man davon, wenn manjahrelang seinen kunden erzählt wie wertvoll software sei.... jetzt muss sap mal selber zahlen und dann soll das alles nicht soviel wert gewesen sein... selbst schuld, diese it branche - wenn der bumerang mal zurückkommt... müssens eben die kunden wieder zahlen, hauptsache die marge stimmt dann wieder.... ein fall für die portokasse gruss aus walldorf
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