Rekordpreis für Edelmetall: Wenn aus Angst Gold wird

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Europa, Japan oder die USA: Die halbe Welt steckt in der Schuldenkrise. Aus Angst davor, dass ihr Geld bald nichts mehr wert sein könnte, investieren immer mehr Anleger in Gold. Wer mit dem Edelmetall reich werden will, könnte aber bald eine böse Überraschung erleben.

Goldhandel in Bangkok: In Asien ist die Nachfrage nach Goldschmuck traditionell hoch Zur Großansicht
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Goldhandel in Bangkok: In Asien ist die Nachfrage nach Goldschmuck traditionell hoch

Hamburg - Langsam wird der Boom unheimlich. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Goldpreis nicht einen neuen Rekordwert erreicht. Am Mittwochmorgen war es wieder so weit: 1663,10 Dollar kostete eine Feinunze Gold, also 31 Gramm. Goldhändler berichten von langen Schlangen vor ihren Schaltern.

Ist das noch normal oder schön völlig übertrieben? Entsteht hier vielleicht sogar die nächste große Spekulationsblase? Erst Internetaktien, dann US-Immobilien, und jetzt Gold?

Gold ist heillos überbewertet, meint Dieter Wermuth von der Vermögensverwaltung Wermuth Asset Management. Die Entwicklung des Preises weise alle Anzeichen einer Blase auf: "Die Erträge, die zu erwarten sind, stehen in keinem Verhältnis zum Preis." Das sei auch beim US-Immobilienboom so gewesen, der zur letzten großen Finanzkrise geführt habe.

Wermuth wundert sich seit langem über den Goldrausch der Investoren. "Normalerweise erwartet man von einem Investment Erträge, also zum Beispiel Zinsen oder Mieteinnahmen. Das gibt es beim Gold nicht. Ein Ertrag kann nur dadurch entstehen, dass der Preis immer höher steigt."

Das ist ein klarer Nachteil gegenüber anderen Anlagen. Aktien zum Beispiel werfen in der Regel Dividenden ab. Selbst wenn der Aktienkurs fällt, kann man so noch einen Gewinn machen.

Selbst Experten erkennen Blasen meist erst hinterher

"Der Goldpreis ist nur ein Barometer für die Krisenwahrnehmung der Anleger", sagt dagegen Eugen Weinberg, Rohstoff-Experte bei der Commerzbank. Eine Blase sei eine irrationale Übertreibung - und die gebe es momentan noch nicht. Im Gegenteil: Weinberg sieht sehr gute Gründe, Gold zu kaufen. "Die USA haben ein Schuldenproblem, einige Länder der Euro-Zone haben eines; Japan auch und womöglich sogar China. Die massive Verschuldung rund um die Welt treibt die Anleger in Gold."

Ein weiterer Grund, außer der Suche nach einer sicheren Anlage, seien die niedrigen Zinssätze. Sie liegen in den meisten Ländern unterhalb der Teuerungsrate. "In einem solchen Umfeld sind steigende Inflationsraten programmiert", sagt Weinberg. "Und Gold gehört erfahrungsgemäß nun mal zu den wenigen Anlagen, die Inflation relativ gut verkraften."

Nun gehört es zum Wesen einer Spekulationsblase, dass selbst Experten sie oft erst dann erkennen, wenn sie schon geplatzt ist. Vorher gibt es meist sehr gute Begründungen dafür, warum der Preisanstieg diesmal aber wirklich gerechtfertigt sei.

So war es auch Ende der siebziger Jahre, als die letzte Goldpreisblase platzte. Um sich gegen die allseits grassierende Inflation zu schützen, flüchteten die Anleger damals in das Edelmetall. Bis zum Jahr 1980 trieben sie den Preis auf 875 Dollar. Rechnet man die Teuerungsraten mit ein, würde dies heute rund 2500 Dollar entsprechen. Mit anderen Worten: Der Goldpreis hat sich noch immer nicht vom damaligen Crash erholt.

Versicherung statt Spekulationsobjekt

Gold-Experte Weinberg glaubt trotzdem nicht an eine Wiederholung der Geschichte. "Die Welt war damals eine andere", sagt er. "Die Zinsen lagen auf extrem hohem Niveau. Und die Zentralbanken waren fest entschlossen, die Inflation zu bekämpfen." In der Tat erhöhte die US-Zentralbank Fed den Leitzins damals dramatisch auf bis zu 20 Prozent. Das bot den Anlegern neue Investitionsmöglichkeiten und nahm ihnen die Angst vor der Inflation. Als Folge brach der Goldpreis zusammen.

Ein solches Szenario gilt heute als unwahrscheinlich. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 halten die Zentralbanken die Leitzinsen auf historisch niedrigem Niveau. In der Euro-Zone sind es aktuell 1,5 Prozent, in den USA sogar nur 0 bis 0,25 Prozent. Damit wollen sie sowohl den Unternehmen als auch den hochverschuldeten Staaten die Möglichkeit geben, sich billig zu finanzieren - eine Hilfestellung, die so schnell nicht verschwinden dürfte.

Auch die Furcht der Investoren vor der Geldentwertung wird wohl noch einige Zeit akut bleiben. "Derzeit ist das Umfeld so riskant, dass der Goldpreis wohl weiter steigen wird", meint Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Und selbst Gold-Skeptiker Wermuth glaubt, dass der angstgetriebene Boom "noch eine Weile so weitergehen kann".

Als Anleger sollte man jedoch darauf vorbereitet sein, dass es auch mal nach unten gehen kann. "Wir warnen immer davor, sich nur auf eine Anlageform zu konzentrieren", sagt Deka-Volkswirt Kater. "Der Goldpreis kann stark schwanken. Das ist, als würde man all sein Geld in die Aktien einer einzigen Firma stecken."

Commerzbank-Experte Weinberg betrachtet Gold ohnehin nicht als Spekulationsobjekt, mit dem man reich werden kann. "Der Goldpreis ist eher vergleichbar mit einer Lebensversicherung. Da fragt man sich ja auch weniger, zu welchem Preis man sie gekauft hat, als ob man überhaupt eine besitzt."

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insgesamt 293 Beiträge
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1. jaja
andresa 02.08.2011
wenn der goldpreis steigt heisst das nichts anderes als dass das papiergeld wertlos wird...sorry aber so is das...
2. x
sacco 02.08.2011
"Wer mit dem Edelmetall reich werden will, könnte aber bald eine böse Überraschung erleben." der wievielte artikel dieses tenors ist das nun?
3. unverständnis
blowup 02.08.2011
Manche "Experte" können einfach nicht verstehen, dass manche Menschen nicht einfach nur spekulieren wollen. Für die ist Gold eine Versicherung. Und von denen gibt es immer mehr. Rund um den Globus und sicherlich auch in China, wo die Inflation anklopft. Der Goldpreis wird weiter steigen. Denn die Herren der Währungen haben das Vertrauen der Menschen in dieselben auf unverantwortliche Art und Weise verzockt!
4.
orion4713 02.08.2011
SPON: "Gold ist heillos überbewertet, meint Dieter Wermuth von der Vermögensverwaltung Wermuth Asset Management. Die Entwicklung des Preises weise alle Anzeichen einer Blase auf" Papiergeld ist heillos überbewertet!! Wenn der Goldpreis eine Blase ist, dann sind die Werte für für Papier- und Buchgeld ein riesiger Ballon!!!
5. Goldwährung
moisdemai 02.08.2011
Zitat von andresawenn der goldpreis steigt heisst das nichts anderes als dass das papiergeld wertlos wird...sorry aber so is das...
Gaddafi wollte doch eine afrikanische Goldwährung durchsetzen...da wurde eine Rebellenbank gegründet und Libyen bombardiert... doch die langen Schlangen an den Goldschaltern, die kann man schlecht bombardieren. Scheint so, als werden die Menschen, auch bei uns, einfach selber die Goldwährung einführen...
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Gold gilt als krisenfeste Anlage, aber stimmt das wirklich? Grundsätzlich sollte man bedenken: Gold wirft keine Erträge ab - es gibt weder Zinsen noch Dividenden. Gewinn kann man also nur machen, wenn der Goldpreis beständig steigt. Gerade wenn man zu einem hohen Preis kauft, ist es jedoch fraglich, ob der Kurs weiter nach oben klettert. SPIEGEL ONLINE verrät, auf was Sie bei Ihrem Investment achten müssen.
Barren, Münzen, Nuggets
Wer physisches Gold haben will, sollte gängige Anlagemünzen kaufen. Das sind Krügerrand aus Südafrika, die australische Nugget, Wiener Philharmoniker, Maple Leaf aus Kanada oder China Panda. Diese Münzen sind im Unterschied zu Sammlermünzen auch in Krisenzeiten gut handelbar.

Anleger beziehen sie am besten über Banken oder Goldhändler wie Euro Change in Berlin, pro aurum in München oder Westgold. Maßeinheit für echtes Gold ist die Feinunze, sie wiegt 31,1 Gramm. Kunden sollten sich von Banken und Händlern ein Angebot inklusive Versandkosten und aller Gebühren erstellen lassen.

Außerdem sollte man das Problem der Lagerung beachten: Denn zuhause ist die vermeintlich sichere Anlage keineswegs vor Dieben geschützt. In den Golddepots der Banken wiederum fallen Gebühren an. In einem Schweizer Hochsicherheitstresor zum Beispiel beträgt die Depotgebühr monatlich 0,025 Prozent des Werts.
Zertifikate, Fonds, Aktien
Alternativen zum echten Gold sind Wertpapiere wie Goldminenaktien, Goldfonds oder Zertifikate. Der Vorteil für den Anleger: Die Kaufaufschläge sind geringer als bei physischem Gold - und die Lagergebühren fallen ganz weg.

Wer Goldaktienfonds kauft, erwirbt Anteile an Goldminen. Aber nicht jede Mine ist eine Goldgrube. So schwanken die Kurse von Goldminenaktien noch stärker als der Goldpreis. Entsprechend hoch bewerten Experten die Chance-Risiko-Klasse von Goldaktienfonds.

Im Jahr 2009 machten manche Goldfonds rund 50 Prozent Verlust. Der Grund: Die Aktien der Minengesellschaften können sich dem allgemeinen Börsentrend nicht entziehen. Geht es an der Börse abwärts, fallen auch diese Aktien - selbst wenn der Goldpreis steigt.

Ein weiterer Nachteil: Das gute Gefühl, einen realen Wertgegenstand in der Hand zu halten, fällt bei Zertifikaten, Fonds und Aktien weg. Und das Beispiel Lehman Brothers hat gezeigt: Sollte die Bank, die die Zertifikate ausgegeben hat, pleite gehen, ist das Papier wertlos.

Mehr zum Thema
Spannbauers Internetseite: www.krisenvorsorge.com
Branchenverband World Gold Council: www.gold.org
Analysehaus Gold Fields Mineral Service: www.gfms.co.uk
Analysten-Artikel rund ums Thema Gold: www.goldseiten.de
Buchtipp
Michael J. Panzer: Das kommende finanzielle Inferno. Finanzbuch Verlag, 237 Seiten. Einfach und bequem direkt im SPIEGEL- Shop bestellen
Goldhändler mit Berater-Service: Vertriebskontakte im Überblick
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David.reymann@proaurum.de
089-550 548-40
www.proaurum.de

Westgold
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info@mp-edelmetalle.de
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