Übernahme von "Der grüne Punkt" Remondis kauft Duales System Deutschland

Jetzt steht der Deal doch: Deutschlands größter Müllentsorger Remondis übernimmt das Duale System Deutschland und damit den "Grünen Punkt". Werden die Behörden das Monopol absegnen?

DPA


Der Remondis-Konzern hat den Verpackungsmüllentsorger Duales System Deutschland (DSD) mit der Marke "Der Grüne Punkt" übernommen. Man habe DSD zu hundert Prozent erworben, teilte Remondis am Donnerstag in Lünen mit. Die Kartellbehörden müssen die Übernahme noch absegnen. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt.

DSD hält die Markenrechte am Recycling-Zeichen "Der grüne Punkt". Das Unternehmen regelt die Abholung von rund einem Drittel des Verpackungsabfalls, der in Deutschland in Gelben Tonnen oder Gelben Säcken landet. Die Nachfrage nach Recyclingkunststoffen werde steigen, erklärte Remondis. DSD zufolge soll der Unternehmensname ebenso bestehen bleiben wie die Marke "Der Grüne Punkt". Auch wolle das bisherige Management von DSD langfristig an Bord bleiben.

Die Übernahme kam nicht überraschend: Schon seit mehr als einem Jahr kursieren Gerüchte über die geplante Großfusion. Noch im März hieß es, die Übernahme sei geplatzt. Seit Juni stand der Deal nach SPIEGEL-Informationen kurz vor dem Abschluss (Lesen Sie hier mehr über die Details und welche Auswirkungen das Müllmonopol auf die Verbraucher haben könnte).

Das Kölner Unternehmen DSD ist das größte von neun dualen Systemen in Deutschland und wurde 1991 als Selbsthilfeorganisation der Privatwirtschaft gegründet. Mit dem Namen Duales System war ursprünglich gemeint, dass es neben dem kommunalwirtschaftlichen Entsorgern noch ein zweites, von der Privatwirtschaft organisiertes System gibt.

Sorge vor Müllmonopol

DSD sammelt den Abfall nicht selbst ein, sondern vergibt dafür Aufträge an Müllabfuhr-Firmen und an Sortieranlagen. Würde DSD künftig also Remondis-Müllabfuhren beauftragen, bliebe der Auftrag in der eigenen Unternehmensgruppe. Ein Remondis-Sprecher verwies darauf, dass man bei der Abholung eigene Tochterfirmen nicht bevorzugen könne, sondern stets das beste Angebot annehmen müsse.

Vertreter von kommunalen und kleineren privaten Abfallbetrieben sehen den Zusammenschluss dennoch kritisch - sie warnen vor einem Branchenriesen und weniger Wettbewerb auf dem Entsorgungsmarkt. Die Kartellbehörden sollten eine solche "Hochzeit der Giganten" verhindern, fordert Eric Rehbock vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse).

Das Recycling von Kunststoff sei ein großes politisches Thema, sagte Remondis-Chef Ludger Rethmann. Die Marktperspektiven seien gut, DSD eröffne seiner Firmengruppe "ganz neue Möglichkeiten".

Gewinne von Remondis steigen, DSD hat Umsatz eingebüßt

Remondis hatte 2017 seinen Umsatz um 1,2 Milliarden Euro auf 7,3 Milliarden Euro gesteigert. Das Familienunternehmen ist mit großem Vorsprung Marktführer - der zweitgrößte Konzern der Branche, Alba, kam nur auf 1,8 Milliarden Euro.

DSD war in der Entsorgerbranche lange Monopolist, erst nach dem Einschreiten der EU-Kommission 2001 entstanden Wettbewerber. Remondis verwies darauf, dass der Markt, auf dem auch ausländische Konzerne wie Suez und Veolia aktiv sind, hart umkämpft ist. Der einstige Marktführer DSD habe auch durch den Eintritt neuer Wettbewerber gut drei Viertel seines früheren Umsatzes von gut zwei Milliarden Euro verloren. Derzeit erziele die Firma mit rund 220 Mitarbeitern jährlich Erlöse von etwa 490 Millionen Euro.

Die dualen Systeme stehen seit Jahren unter Druck, da einige Unternehmen Müllmengen kleinrechnen und so Kosten drücken - tatsächlich ist also mehr Verpackungsmüll in den Tonnen und Säcken als gemeldet. Das schadet anderen dualen Systemen, da Kosten zur Abfallabholung und Sortierung auf alle Systeme verteilt werden. Eine neue Instanz, die im Januar ihre Arbeit aufnimmt, soll für mehr Transparenz sorgen und die Probleme beseitigen.

kko/dpa/Reuters



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