Renault-Nissan Kampf um Platz drei

Renault-Chef Carlos Ghosn erntet die Früchte einiger strategischer Weichenstellungen: Die Allianzen mit Nissan und Daimler zahlen sich allmählich aus, und die Billigmarke Dacia sorgt für Gewinne.

Designchef Laurens van den Acker (links) und Konzernchef Ghosn vor einer Studie des Espace-Nachfolgers: Brot-und-Butter-Technologie für den Alltag
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Designchef Laurens van den Acker (links) und Konzernchef Ghosn vor einer Studie des Espace-Nachfolgers: Brot-und-Butter-Technologie für den Alltag

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Produktpalette:

Renault ist vor allem im Segment der Klein- und Mittelklassewagen stark. Fans werden den lange Jahre erfolgreichen Espace vermissen. Der Van-Trendsetter wird dieses Jahr von einem wesentlich weniger individuellen Nachfolger gleichen Namens abgelöst. Große Erwartungen weckt der neue Twingo, den Renault in Kooperation mit Daimler entwickelt hat. Der Schwesterkonzern Nissan bedient den japanischen Geschmack mit technisch nahezu baugleichen Autos. Eine zentrale Rolle spielt weiter die Konzernmarke Dacia, die mit Billigautos großen Erfolg hat. Oberklasse-Ambitionen hingegen hat Renault-Nissan schon lange nicht mehr.

Technologie:

Die Rolle der technischen Avantgarde übernehmen im Renault-Nissan-Konzern die Elektroautos. Sie spielen gemessen an den Stückzahlen allerdings keine Rolle. Ansonsten verbauen die Ingenieure Brot-und Butter-Technologie, die im Falle Dacia teilweise aus der entsprechenden Vorgängergeneration von Renault stammt.

Absatzmärkte:

Die Elektroautos sind für Renault-Chef Carlos Ghosn ein wichtiger Baustein in der Strategie zur Eroberung des chinesischen Marktes. Hier stehen die Franzosen allerdings erst am Anfang. Geld verdiente Renault dagegen in Russland - zumindest bis die Ukraine-Krise ausbrach, in deren Folge die Verkäufe um mehr als 20 Prozent zurückgingen. Ein Einbruch, den auch das deutliche Absatzplus in Europa nicht wirklich ausgleicht. Nissan beliefert neben Europa Asien und die USA, wo Renault nicht vertreten ist.

Profitabilität:

Was die Rendite betrifft, ist Renault noch weit von Ghosns Zielen entfernt. Von den versprochenen fünf Prozent schafft Renault nur die Hälfte. Aktuell rettet allein Dacia das Ergebnis. Immerhin sanken die Arbeitskosten in den französischen Werken um vier Prozent. Erhebliche Synergieeffekte verspricht sich der Konzern von der Zusammenarbeit mit Daimler. Twingo und Smart als gemeinsame Entwicklung, eine Motorenfertigung und bald auch eine gemeinsame Fabrik sollen dazu beitragen, die Kosten zu senken. Die enge Kooperation mit Nissan bringt nach Aussagen von Renault-Managern bereits mehr als drei Milliarden Euro an jährlichen Einsparungen.

Betriebsklima:

Renault-Chef Ghosn ist unangefochtener Leitwolf im Renault-Nissan-Reich. Ähnlich wie VW-Boss Martin Winterkorn gelang auch Ghosn das Kunststück, die Belegschaft auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören: In den nächsten Jahren soll Renault-Nissan zum weltweit drittgrößten Autohersteller aufsteigen. Unabhängig von der Skepsis einiger Marktbeobachter hilft es dem Betriebsfrieden und hält den Groll über den geplanten Abbau von 7500 Stellen in Grenzen.



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