Abgasaffäre Regierungsbericht soll heikle Details zu Renault unterschlagen haben

Auch dem französische Autobauer Renault bereiten Fahrzeug-Emissionen Probleme. Wurden in einem Prüfbericht, den die Regierung in Auftrag gab, Daten geschönt?

Renault Captur
Jürgen Pander

Renault Captur


Der Skandal um Tricksereien bei Dieselabgasen bereitet nun auch dem französischen Hersteller Renault immer größere Probleme.

Ein Ende Juli veröffentlichter französischer Untersuchungsbericht habe wichtige Details zum Schadstoffausstoß von Renault-Motoren unter Testbedingungen nicht erwähnt, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf drei Mitglieder der entsprechenden Expertenkommission.

Zwar habe der Bericht bei einigen Diesel-Modellen des Autobauers Stickstoffemissionen festgestellt, die teils neun- bis elfmal so hoch lagen wie EU-Abgasnormen. Nicht erwähnt worden sei jedoch, dass beim Modell Renault Captur eine Abgasreinigung für Stickoxide ihre Leistung hochgefahren habe, als das geländewagenähnliche Fahrzeug für Schadstofftests vorbereitet wurde.

Renault bestritt gegenüber der Zeitung, Software zur Manipulation von Emissionstests benutzt zu haben.

Der französische Staat hält 20 Prozent am Autobauer Renault. Die von Umweltministerin Ségolène Royal beauftragte Untersuchungskommission hatte nach offizieller Darstellung keine Beweise für Softwaretricksereien von Renault bei Abgastests gefunden.

"Der Bericht wurde letztlich vom Staat verfasst, und sie haben entschieden, was vertraulich bleibt", sagte Kommissionsmitglied Charlotte Lepitre von der Dachvereinigung französischer Umweltschutzorganisationen, der "FT". Ein Vertreter des Umweltministeriums bestritt laut der Zeitung, dass Fakten verschleiert werden sollten.

Europas größter Autobauer Volkswagen hatte im vergangenen Jahr gegenüber US-Behörden zugegeben, bei Abgastests mittels Software manipuliert zu haben und steht infolgedessen vor milliardenschweren Vergleichszahlungen an US-Kläger und -Behörden. In Frankreich hatte Renault im Januar fast 16.000 Fahrzeuge zurück in die Werkstätten gerufen, um sie neu einzustellen.

ssu/Reuters

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bu_d 23.08.2016
1. Keine Überraschung
Die Meldung überrascht mich nicht. Jeder schummelt bei den Abgasen, auch die Franzosen. Aber während wir hier in Deutschland selbst geiselend am liebsten den ganzen VW-Konzern zerschlagen würden um uns als die Braven zu zeigen, hat und wird sich die franz. Regierung immer vor die Unternehmen des Landes stellen. Im Falle Renault wird nichts weiter passieren. Wetten?
missourians 23.08.2016
2.
...darf jetzt VW und Anteilshaber Land Niedersachsen nun auch selbst sich testen und beurteilen und für gut befinden? Das ist ja wohl ein Witz was zurzeit in der Auto- und Ministerienwelt passiert. Jeder weiß dass ALLE vorsätzlich tricksen, aber nur VW wird als alleiniger Büßer vorgehalten. Der Rest, FIAT, RENAULT, Opel behaupten wir sind sauber und alles ist in Ordnung? Wann kommen endlich neutrale Tests aller in den EU verkauften Marken. Wieso machen wir es nicht wie die EPA in den USA? M.M.n. kann auch nur das noch VW retten, zu beweisen dass ALLE dasselbe oder ähnliches machen, vorsätzlich manipulieren um die Werte zu erreichen, die offenbar anders nicht mehr zu erzielen sind.
LJA 23.08.2016
3. Heh !
Was sollen denn diese Ablenkungen ? Schließlich geht es bei der ganzen Thematik doch darum dem bösen Volkswagenkonzern zu schaden. Oder nicht ?
karend 23.08.2016
4. .
"Wurden in einem Prüfbericht, den die Regierung in Auftrag gab, Daten geschönt?" So sind sie, die Regierungen. Es würde mich überraschen, sollte es tatsächlich noch eine Person geben, die Verlautbarungen, Prüfberichten, Studien glaubt, die von Regierungen in Auftrag gegeben wurden.
murray_bozinsky 23.08.2016
5. Keine große Überraschung
Renault hat auch bei den größeren Modellen bislang weitgehend auf Harnstoff-Einspritzung verzichtet, wollte es also den Fahrern noch etwas bequemer machen als z. B. VW. Es ist doch klar, dass es das nicht zum Nulltarif gibt. Das Problem sind hier nicht die Autokonzerne, sondern es ist die Politik, die sich (in Deutschland wie Frankreich) jahrzehntelang so sehr in den Dieselantrieb verliebt hat, dass Kollateralschäden schlicht ignoriert wurden. Hauptsache schön billig (der Sprit, nicht die Antriebe) und wenig CO2. Heute ahnen wir langsam den Preis, den wir dafür zahlen müssen. Da hilft letztlich nur eines: Steuern rauf für Diesel, Umweltstandards anheben. Moderne Benziner mit Partikelfilter (!) als Übergangstechnologie, dann Schwenk zu Strom und/oder Wasserstoff. Der Diesel ist technisch eigentlich schon seit Jahren tot, nur künstlich am Leben gehalten von staatlichen Subventionen.
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