Rettungsschirm-Abstimmung Slowakisches Nein verunsichert die Märkte

Die Anleger sind skeptisch, aber nicht panisch: Das Veto der Slowakei gegen die Reform des Euro-Rettungsschirms drückte den Dax zu Handelsbeginn leicht ins Minus. Nun hoffen die Investoren auf eine zweite Abstimmung in Bratislava - doch bei der anstehenden Bankenrettung droht schon der nächste Streit.

Händler an der Frankfurter Börse: Moderate Verluste
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Händler an der Frankfurter Börse: Moderate Verluste


Tokio/Frankfurt - Das vorläufige Nein der Slowakei gegen die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms hat an den Märkten für Verunsicherung gesorgt. Panik allerdings machte sich nicht breit - die Börsianer hatten sowieso mit dem Veto gerechnet.

Das Votum des slowakischen Parlaments bescherte dem Euro zunächst einen Dämpfer. Im frühen Mittwochhandel stand die Gemeinschaftswährung bei 1,36 Dollar, nachdem sie seit Beginn der Woche um etwa drei Cent zulegt hatte. Auch die Ölpreise gaben leicht nach. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sank leicht um vier Cent auf 111 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI rutschte etwas stärker um 37 Cent auf 85 Dollar.

Der Dax Chart zeigen startete mit 0,4 Prozent leicht im Minus. Zu den größten Verlierern im Dax zählten Commerzbank Chart zeigen-Papiere mit einem Minus von 1,7 Prozent, die Aktien der Deutschen Bank Chart zeigen gaben um 0,9 Prozent nach. Im Laufe des Vormittags drehte der Dax deutlich ins Plus. Dazu trugen wohl auch Äußerungen des scheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, bei. Er zeigte sich optimistisch, dass es keinen Zahlungsausfall Griechenlands geben werde.

Dass die Anleger einigermaßen gelassen bleiben, dürfte zudem mit der Hoffnung zusammenhängen, dass die Erweiterung des Rettungsschirms am Ende doch kommen wird. Denn in den kommenden Tagen ist in der Slowakei eine weitere Abstimmung über den Rettungsfonds EFSF möglich. Die Opposition signalisierte bereits, dass sie dann für die Erweiterung stimmen werde. "Die Enttäuschung ist da, allerdings wird erwartet, dass das Rettungspaket in einer zweiten Abstimmung dann doch noch Zustimmung findet", sagte ein Händler.

Noch an diesem Mittwoch wollen sich in der Slowakei die aktuelle Regierungsspitze und Vertreter der Oppositionspartei SMER zu Verhandlungen treffen. Nach Angaben eines Sprechers der Regierungspartei, kann bei einer Einigung mit der Opposition das Parlament bereits am Donnerstag erneut über die Erweiterung des Rettungsfonds abstimmen. Die Slowakei ist das letzte Euro-Land, das die Erweiterung des EFSF verabschieden muss.

Auch die asiatischen Börsen notierten im Minus

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich optimistisch, dass die Slowakei bis zum EU-Gipfel zustimmen wird. "Ich bin mir sehr gewiss, dass wir bis zum 23. Oktober alle Unterschriften aller Mitgliedsstaaten unter diesem EFSF haben werden", sagte die Kanzlerin, die derzeit Vietnam besucht.

Auch an den asiatischen Börsen machten sich die Sorgen über die Lösung der europäischen Schuldenkrise bemerkbar. In Japan gab der Leitindex Nikkei Chart zeigen um 0,4 Prozent auf 8738 Punkte nach, nachdem er am Vortag noch ein Drei-Wochen-Hoch erreicht hatte. Die Anleger sorgen sich vor allem, dass die Krise sich auf Banken ausdehnen könnte.

Hier will die EU gegensteuern. EU-Kommissionspräsident Jose Barroso will an diesem Mittwoch Vorschläge machen, wie diejenigen Banken mit zusätzlichem Kapital versorgt werden sollen, denen im Zuge der Staatsschuldenkrise hohe Abschreibungen drohen. Zuletzt hatte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker angedeutet, dass die Euro-Länder einen harten Schuldenschnitt für Griechenland erwägen. Davon wären dann auch deutsche Privatbanken betroffen - und diese sperren sich. Sie wollen Griechenland nicht mehr als die bisher vereinbarten 21 Prozent seiner Schulden erlassen. "Das von den europäischen Regierungschefs verabschiedete Paket sieht eine substanzielle Beteiligung privater Gläubiger vor, die nicht leicht zu schultern ist", sagte Bankenpräsident Andreas Schmitz der "Rheinischen Post". Nun "sollte nicht an neuen Stellschrauben gedreht werden".

Schmitz lehnte auch die von den Regierungen erwogenen zwangsweise Kapitalspritzen für Banken ab. "Die aktuelle Krise ist keine Bankenkrise, sondern eine politische Vertrauenskrise", sagte er. Die Banken dürften jetzt nicht für eine Krise in die Verantwortung gezogen werden, für die sie nicht die Ursache seien.

mmq/dpa-AFX/Reuters

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fleischwurstfachvorleger 12.10.2011
1. Herr Schmitz hat wohl einen an der Waffel!!
Zitat von sysopDie Anleger sind skeptisch, aber nicht panisch:*Das Veto der Slowakei gegen die Reform des Euro-Rettungsschirms drückt die Börsenkurse leicht ins Minus. Nun hoffen die Investoren auf eine zweite Abstimmung in Bratislava - doch bei der anstehenden Bankenrettung droht schon der nächste Streit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791321,00.html
Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei? In der Finanzkrise ist nicht so ganz klar, ob mehr die Banke, oder mehr die Politik schuldig sind. Unschuldig ist jedoch keiner von den beiden. Man kann doch nicht als Bank mit Derivaten Unsummen verdienen und sich dann hinstellen und mit der Schuldenkrise nichts zu tun haben zu wollen?? Der Steuerzahler, der es nach Meinung der Banker, tragen soll, hat wohl am wenigsten zu der Krise beigetragen und soll nun größtenteils die Suppe alleine auslöffeln. Für wie blöd hält Herr Schmitz eigentlich seine Mitmenschen??
mauimeyer 12.10.2011
2. Die Kanzlerin in Vietnam
Zitat von sysopDie Anleger sind skeptisch, aber nicht panisch:*Das Veto der Slowakei gegen die Reform des Euro-Rettungsschirms drückt die Börsenkurse leicht ins Minus. Nun hoffen die Investoren auf eine zweite Abstimmung in Bratislava - doch bei der anstehenden Bankenrettung droht schon der nächste Streit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791321,00.html
Ich kann die Slowaken verstehen, die keine Lust haben für Länder den Lebensstandard zu garantieren, der (ungerechtfertigt) höher, als der eigene ist! Die Kanzlerin hätte ein paar griechische Politiker und Gewerkschaftler mit nach Vietnam nehmen sollen! Da hätten sie gesehen, wie man mit Bildung und Fleiß aus einem zerstörtem und vom Kommunismus heimgesuchten Land ein Wirtschaftswunder produziert, ohne anderen auf der Tasche zu liegen! Übrigens sind wir Deutschen in Vietnam hoch geschätzt und nicht nur als zahlende Touristen. In Griechenland bin ich mir da nicht mehr sicher! Kauri
huberwin 12.10.2011
3. Bitte nicht husten
Das verunsichert die Märkte.
Arion's Voice, 12.10.2011
4. Jede Nachricht über die Märkte ist eine zuviel.
Zitat von sysopDie Anleger sind skeptisch, aber nicht panisch:*Das Veto der Slowakei gegen die Reform des Euro-Rettungsschirms drückt die Börsenkurse leicht ins Minus. Nun hoffen die Investoren auf eine zweite Abstimmung in Bratislava - doch bei der anstehenden Bankenrettung droht schon der nächste Streit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791321,00.html
Jede Nachricht über die Märkte ist eine zuviel. Dass die bescheuerten Märkte nicht in Panik geraten ist allerdings ja schon mal fast ein Zeichen von Intelligenz, da die Slowakische Opposition ja nicht gegen den Schirm, sondern nur gegen die Regierung ist (im Gegensatz zur Bevölkerung Europas, die sehr wohl gegen den Schirm ist, aber in unserer Form der Demokratie kein Gehör findet).
Silosis 12.10.2011
5. .
Zitat von sysopDie Anleger sind skeptisch, aber nicht panisch:*Das Veto der Slowakei gegen die Reform des Euro-Rettungsschirms drückt die Börsenkurse leicht ins Minus. Nun hoffen die Investoren auf eine zweite Abstimmung in Bratislava - doch bei der anstehenden Bankenrettung droht schon der nächste Streit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791321,00.html
Gegebenenfalls wird solange abgestimmt bis das Ergebnis "stimmt" und die anstehendende Schweinereien legitimiert. Man benötigt das ok nicht um etwas zu vollziehen - man benötigt es lediglich als Alibi, damit man sagen kann "Naja - wir wollten eigentlich nicht so recht - aber die Gemeinschaft hat eben so gewollt" was soll man da noch viel sagen ? - gehen wir lieber ein Glässchen trinken und dann vielleicht noch bisschen reales Bashing im Reichstag. Mutti zuerst. Gruss aus der Lausitz
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