Revolutionsfolgen Finanzprofis prophezeien Rezession in Arabien

Der arabische Frühling war mit vielen Hoffnungen verbunden, doch die ökonomische Realität ist düster: Wo es kein Öl gibt, droht laut einer Studie ein herber Konjunkturabsturz. Nur die ohnehin reichen Staaten am Golf boomen - in Katar dürfte die Wirtschaft um sagenhafte 18 Prozent wachsen.

Protest in Ägypten (im April): Hohe Jugendarbeitslosigkeit, schrumpfende Wirtschaft
AFP

Protest in Ägypten (im April): Hohe Jugendarbeitslosigkeit, schrumpfende Wirtschaft


Washington - Die Welt kann so ungerecht sein: Ägypten und Tunesien machen sich auf den Weg in die Demokratie - und die Wirtschaft stürzt jäh ab. Auch in Syrien und im Jemen, wo es massive Proteste gegen die autoritäre Staatsführung gibt, droht eine Rezession. Dies geht aus einer Studie des Institute of International Finance (IIF) hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Demnach geht es nur in jenen arabischen Ländern kräftig aufwärts, die über große Ölvorkommen verfügen.

Das IFF ist eine globale Institution, die mehr als 430 Banken repräsentiert. Laut Studie wird die Wirtschaftsaktivität Ägyptens, des Jemen, Tunesiens und Syriens 2011 stark zurückgehen. Dabei werde das Bruttoinlandsprodukt im Jemen mit vier Prozent am stärksten schrumpfen. In Syrien werde der Rückgang bei drei Prozent, in Ägypten bei 2,5 Prozent und in Tunesien bei 1,5 Prozent liegen (siehe Tabelle).

Ganz anders sieht es in den Ölstaaten am Golf aus. Für Saudi-Arabien sagen die Ökonomen ein Wachstum 2011 von 5,3 Prozent voraus, für den Irak 11,0 Prozent - und für Katar sogar phänomenale 18,1 Prozent.

"Die Ölexporteure sehen steigenden Einnahmen und kräftigem Wachstum entgegen", heißt es in der Studie. "Die ölimportierenden Länder hingegen erleben ein langsameres Wachstum und geringere Staatseinnahmen." Hinzu komme, dass die Inflationsrisiken in diesen Ländern steigen. Und die Währungen mancher arabischer Staaten dürften massiv unter Druck geraten.

Ein übergreifendes Problem in allen arabischen Ländern ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit. In allen untersuchten Staaten liegt die Quote über 20 Prozent. Besonders hoch ist sie in Tunesien mit 28,5 Prozent und Ägypten mit 27,2 Prozent.

Wirtschaft in Arabien

Wachstum 2010 Wachstum 2011 Wachstum 2012 Jugendarbeitslosigkeit 2009
Bahrain 4,5 2,9 5,2 -
Kuwait 2,0 4,4 4,3 -
Oman 4,8 4,6 5,0 -
Katar 18,5 18,1 6,1 -
Saudi-Ar. 3,5 5,3 3,8 23,2
VAE 2,7 3,8 4,0 -
Algerien 3,2 3,3 3,6 21,5
Irak 0,8 11,0 11,3 26,8
Libyen 4,6 - - -
Sudan 5,0 4,5 5,0 27,1
Jemen 7,0 -4,0 3,0 26,2
Ägypten 5,0 -2,5 4,2 27,2
Jordanien 3,1 2,8 4,0 26,8
Libanon 7,0 4,0 5,7 21,5
Marokko 3,4 3,3 4,5 24,9
Syrien 3,5 -3,0 2,0 23,0
Tunesien 3,4 -1,5 5,2 28,5

2010: Schätzung, 2011 und 2012: Prognose, Quelle: Institute of International Finance

wal/Reuters

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insgesamt 10 Beiträge
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bleifuß 04.05.2011
1. ...
Eventuell sollten sich die Länder mal um eine Geburtenkontrolle kümmern. Bei so wenig Arbeit/Essen/Bildung/etc. bedarf es keine 4 - ** Kinder pro Familie.
Finnländer 04.05.2011
2. Wow, 18%!
Zitat von sysopDer arabische Frühling war mit vielen Hoffnungen verbunden, doch die ökonomische Realität ist düster: Wo es kein Öl gibt, droht laut einer Studie ein herber Konjunkturabsturz. Nur die ohnehin reichen Staaten am Golf boomen - in Katar dürfte die Wirtschaft um sagenhafte 18 Prozent wachsen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,760531,00.html
18 Prozent dürften schon allein durch die Preissteigerungen bei Erdgas und Erdöl zusammenkommen; mit nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung hat das erstmal nichts zu tun.
Cui Bono? 04.05.2011
3. Nur Erdöl - wie einfallslos
Zitat von Finnländer18 Prozent dürften schon allein durch die Preissteigerungen bei Erdgas und Erdöl zusammenkommen; mit nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung hat das erstmal nichts zu tun.
Stimmt, einen wirklich intellektuellen Mehrwert können die meisten der genannten Länder nicht wirklich bieten. Die Struktur ihres Reichtums basiert zum überwiegenden Teil auf dem Besitz, der Verwaltung und dem Verkauf von Energie Erdöl. Ist doch auch klar, dass die Energiepreise steigen. Die reiben sich doch schon die Hände - naja, nochmal richtig absahnen, und dann mal schauen, was mit der ganzen Kohle machen - z.B. bei Porsche einkaufen, oder VW Halt bei dem, was Deutschland und Europa so ausmachen. Wir werden gekauft.
fritz_64 04.05.2011
4. das sind doch bestimmt..
die selben "FINANZPROFIS" die uns so zielsicher in die grosse Bankenkrise geführt haben, oder? Was mag hier wohl der Hintergrund sein wenn man auf ein zur Zeit politisch sehr instabiles Gebiet mit solchen Vorhersagen losgeht?
kl1678 04.05.2011
5. 23
Die Jugendarbeitslosigkeit von 23% in Saudi-Arabien ist interessant. Wenn's am Geld nicht mangelt, woran dann? Oder ist es schlichtweg technisch nicht möglich, dass eine Wirtschaft mit der dortigen Bevölkerungsexplosion schritthält?
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